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Gießen hat jetzt eine »Reichtumsuhr«

Artikel vom 16.08.2012 - 21.40 Uhr

Gießen hat jetzt eine »Reichtumsuhr«

Gießen (jri). Der Reichtum in Deutschland ist viel zu einseitig verteilt: Auf diese gesellschaftliche Schieflage machen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit einer »Reichtumsuhr« in Gießen aufmerksam.

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Jörg Lüdde (ver.di, r.) und Ulf Immelt (DGB) vor der »Reichtumsuhr«. Beide Gewerkschaftsfunktionäre fordern mehr Steuerabgaben für Reiche. (Foto: jri)
Die digitale Anzeigetafel haben Jörg Lüdde (Geschäftsführer des ver.di-Bezirkes Mittelhessen) und Ulf Immelt (Organisationssekretär des DGB) am Eingang des DGB-Hauses im Asterweg/Ecke Walltorstraße installiert. Dort kann stets aktuell abgelesen werden, wie ungerecht das private Vermögen in Deutschland verteilt ist.

Gestern zeigte die digitale Uhr folgende Zahlen an: Fast 7,5 Billionen bzw. 7500 Milliarden Euro beträgt das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Davon besitzt allein das reichste Zehntel der Bevölkerung über 4700 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite der Skala ist das ärmste Zehntel der Menschen hierzulande mit 16,6 Milliarden Euro verschuldet.

»Wir fordern dringend Änderungen im Steuerrecht. Wenn man eine Vermögenssteuer einführen würde, bräuchte man keine Neuverschuldung, um die rund zwei Billionen Euro Schulden der öffentlichen Kassen abzubauen«, sagen Lüdde und Immelt. Reiche Menschen seien in den letzten Jahren über Gebühr entlastet worden, während bei Facharbeitern das reale Einkommen gesunken sei. Die Kluft zwischen Arm und Reich habe sich vergrößert; der private Reichtum sei auf Kosten der Staatsverschuldung gestiegen. »Wir fordern eine andere Politik«, erklären die beiden Gewerkschaftler.

Unter dem Motto »Um-fair-Teilen« habe sich deshalb ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und anderen Organisationen gegründet. Das Bündnis, zu dem auch »Attac« und der »Paritätische« gehört, fordert, Reichtum zu besteuern und Geld umzuverteilen – zugunsten von Bildung, Umwelt, Pflege und öffentlichem Nahverkehr. Mit der »Reichtumsuhr« wollen ver.di und DGB bis zur Landtagswahl auch auf Tour gehen und zum Beispiel auf Wochenmärkten in der Region Mittelhessen auf das Problem aufmerksam machen.

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