Gießen (ast). Fest, wehrhaft und gelassen wirkt die Pauluskirche in der Egerländer Straße mit ihrer breiten Turmfront auf den Betrachter. Doch die Geschichte der mittlerweile 50 Jahre alten evangelischen Gemeinde war ganz und gar nicht unbewegt. Sie spiegelte die gesamte Bandbreite des Lebens in der Nordstadt.
Pfarrer Helmut Schütz, 1. Vorsitzender im Kirchenvorstand Christoph von Weyhe, Dekan Frank-Tilo Becher und der Präses der Dekanatssynode Gerhard Schulze-Velmede feierten gestern mit zahlreichen Gästen das Jubiläum der Paulusgemeinde. (Foto: ast)
Mit einem Festgottesdienst und Rückblick auf die interessante Gemeindegeschichte feierte man gestern Jubiläum.
Die Paulusgemeinde trage ganz unterschiedliche Traditionen und Lebenskulturen in sich, sagte Dekan Frank-Tilo Becher in seiner Predigt beim Festgottesdienst. Man könne sie räumlich verorten - im Sandfeld, im Blumenviertel oder am Troppauer-Berg. Oder man könne sie nach den Familienwurzeln sortieren. »Die alten Gießener und die Flüchtlinge aus den Nachkriegsjahren, die später Zugezogenen, die Russlanddeutschen und die echten Nordstadtgewächse.« In der Paulusgemeinde sei nicht unbedingt alles von Einigkeit geprägt gewesen, Polarisierungen hatten durchaus Tradition, so Becher, der früher selbst dort Pfarrer war. »Christen für den Sozialismus haben mit Wertekonservativen gestritten, kritische Bibelexegeten habe mit denen verhandelt, welche die Heiligkeit der Überlieferung in ihrer Buchstabentreue fanden.« Männliche und erste feministische Sichtweisen trafen aufeinander, hier wurde diskutiert, manchmal hart gestritten, dann wurden die Zeiten auch wieder ruhiger.
»Man war sich vielleicht nicht immer einig, aber man hat auch nicht voneinander gelassen.« Man habe zusammen Gottesdienst gefeiert, gemeinsam gebetet und gesungen und »immer miteinander gesprochen«, betonte Becher.
Dieser Gemeinde sei es nicht immer gelungen einig zu sein und zu bleiben, »aber in dieser Gemeinde ist seit 50 Jahren die Einigkeit lebendig, die allein Gott schenken kann und schenkt«. Die Paulusgemeinde habe sich immer wieder eingemischt in Fragen nach Gerechtigkeit und Solidarität. »Es gibt eine tiefe Verbundenheit, die weit über alle sozialen und menschengemachte Unterscheidungen hinweg reicht«, sagte Becher. Hausaufgabenhilfe, das Jugendzentrum Holzwurm, Weihnachtspaketaktionen und Partnerschaftsarbeit mit Ghana und Indien seien Beispiele für das große Engagement.
Dass die Paulusgemeinde immer in der Nordstadt Präsenz zeigte und die Problemen und Herausforderungen der Zeit mit großem Interesse verfolgte, dokumentiert die Festschrift, die Pfarrer Helmut Schütz - der seit zehn Jahren in der Gemeinde wirkt - vorstellte. Besonders die Kinder- und Jugendarbeit lag und liegt der Gemeinde am Herzen. Ein Zeichen für die enge Zusammenarbeit kirchlicher und stadtteilbezogener Jugendarbeit war es beispielsweise als 1984 Hans-Jürgen »Hanni« Hoerder von der Nordstadtarbeit als Gemeindepädagoge eingestellt wurde. Jugendclub, Café für arbeitslose Jugendliche, ein Stadtteilkino, Kinder- und Sommerfeste, Freizeiten in Schweden und Österreich und die Inbetriebnahme eines Spielmobils wurden in seiner Zeit realisiert.
Auch den neuen Herausforderungen der Zeit stelle man sich, wie der erste Vorsitzende im Kirchenvorstand Christoph von Weyhe, betonte. In naher Zukunft ist der Ausbau der Kindertagesstätte zu einem Familienzentrum geplant, das zu einem Anlauf- und Informationspunkt für Kinder und Eltern werden soll. Zudem soll die Kita um eine Gruppe mit unter Dreijährigen erweitert werden.
Nach dem Festgottesdienst übermitteln Vertreter von CVJM, der katholischen Gemeinde St. Albertus, der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, des Stadtteilbeirates und Magistrats Grußworte an das »Geburtstagskind«.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
Marktplatz stellen. Damit soll die Trinkerszene verdrängt werden. Was
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