Gießen (si). Bei den bundesweiten Ermittlungen wegen illegal erworbener Doktortitel ist das einzige Verfahren, das sich gegen einen Gießener Wissenschaftler richtete, eingestellt worden.
Die Justus-Liebig-Universität - als betroffene Hochschule - sei den Vorwürfen zunächst selbst nachgegangen und habe ihre Erkenntnisse dann an die bundesweit zuständige Staatsanwaltschaft Köln weitergeleitet. Diese habe die Akte geschlossen, sagte JLU-Pressesprecherin Caroline Link dieser Zeitung.
Nähere Angaben zur Person, zum Fach oder zum beruflichen Status des Betroffenen - etwa ob es sich um einen beamteten Professor oder um einen nebenberuflich tätigen Privatdozenten handelte - machte die Hochschule, wie schon in der Vergangenheit, nicht.
Die Betrügereien mit gekauften akademischen Würden hatten im vergangenen Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Die Drahtzieher saßen im inzwischen geschlossenen »Institut für Wissenschaftsberatung« in Bergisch Gladbach, sie arbeiteten mit Forschern aus Universitäten in ganz Deutschland zusammen. Gemeinsamen sollen sie gegen Zahlung von bis zu 20 000 Euro promotionswilligen, aber nicht unbedingt geeigneten Akademikern zum Doktortitel verholfen haben, ohne dass diese die eigentlich erforderlichen Leistungen erbringen mussten. Einer der Geschäftsführer des Instituts wurde wegen Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft und 70 000 Euro Geldstrafe verurteilt.
Bei den Hochschullehrern ermittelte die Staatsanwaltschaft Köln gegen rund 100 Verdächtige. Einige von ihnen haben inzwischen gestanden, ihre Verfahren wurden in der Regel gegen Geldauflage eingestellt.
Der gesamte Komplex werde wohl bis Ende des Jahres fertig bearbeitet sein, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld auf Anfrage dieser Zeitung. Zu Einzelfällen wie dem in Gießen äußert sich die Behörde grundsätzlich nicht.
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