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Frischzellenkur für die Wichern-Orgel

Artikel vom 17.08.2012 - 18.00 Uhr

Frischzellenkur für die Wichern-Orgel

Die Orgel der Wichernkirche im Gießener Osten erhält derzeit für rund 10 000 Euro eine Frischzellenkur. Wie Pfarrer Peter Willared erläutert, ist nach 33 Jahren eine erste Generalüberholung des Instruments fällig. 1979 hatte die Gemeinde einen Instrumentenbausatz für 56 000 Mark gekauft.

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Orgelbaumeister Andreas Seul zeigt das kaum stricknadeldicke Tastenlager, das durch Gebrauch abgenutzt ist. (Fotos: ür)
Damals bauten die Gemeindemitglieder Karl Hans Adolph, Kirchenvorstandsmitglied und von Beruf Lok-Betriebsinspektor bei der Bahn, sowie Schreinermeister Johannes Hopp gemeinsam die aus mehreren Tausend Teilen bestehende Orgel in 600 Arbeitsstunden innerhalb von drei Wochen errichtet. Noch heute ist sie die einzige Orgel ihrer Art der Göttinger Orgelbaufirma Hofbauer, die von Laien zusammengebaut wurde. »Deutlich sind die Gebrauchsspuren zu erkennen, die das Spiel der Organisten über die Jahre hinweg am Tastenholz und an der Filzgarnierung hinterlassen hat«, so Kantor Michael Klein. Durch das Spiel unterliegen die bewegten Teile über Jahre hinweg einer geringen, aber stetigen Abnutzung. Die Lager, in denen sich die Tasten drehen, sind mit Filz ausgetucht, der erneuert werden muss. Dabei handelt es sich um eine knifflige Präzisionsarbeit, sind doch die Tastenlager kaum stricknadeldick, erläutert Seul.

Auch andere Teile müssen überholt werden. Deshalb hat der Orgelbaumeister Andreas Seul die Klaviaturen und die Pfeifen ausgebaut. Derzeit überarbeitet er die Tastaturen in seiner Werkstatt in Hüttenberg. Die Pfeifen lagern derzeit noch auf der Empore und warten auf ihre fachmännische Restaurierung. Bevor sie wieder ihren angestammten Platz auf den Windladen einnehmen, werden sie entstaubt und gereinigt, ebenso wie das gesamte Orgelinnere. Dort hat sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten eine Menge Staub angesammelt.

Alle Teile der Mechanik werden nach dem Einbau neu einreguliert. Ziel dieser Arbeiten ist es, dem Organisten ein präziseres Spielgefühl zu vermitteln. Außerdem sollen die Registerzüge zusätzliche Führungen erhalten. Auch dabei geht es um die Präzision, die durch ständigen Gebrauch gelitten hat.

Im Orgelgehäuse werden zusätzlich sogenannte Rasterbretter eingebaut. Sie sorgen dafür, dass die großen Innenpfeifen stabiler stehen. Einige wenige Pfeifen weisen Schäden auf, die durch das jahrzehntelange Stimmen entstanden sind. Die so entstandenen Dellen im Pfeifenkörper werden vor dem Einbau wieder »glattgebügelt«.

Digitale Klangerzeuger



Im letzten Arbeitsgang wird Orgelbaumeister Hans-Peter Schneider, der die Orgel in den vergangenen Jahren stets sorgsam gewartet und gepflegt hat, das Instrument neu intonieren. Dabei wird jede Pfeife in Lautstärke, Klangfarbe, An- und Abspracheverhalten genau auf dem Raum abgestimmt. Zum Schluss wird die Orgel dann rein gestimmt, weiß Kantor Klein zu berichten.

Über die reinen Überholungsarbeiten hinaus soll die Wichern-Orgel zudem um eine neue Möglichkeit bereichert werden. In der Hüttenberger Werkstatt werden eine Manualtastatur und das Pedal zusätzlich mit elektronischen Kontakten ausgestattet. Diese so genannten Midi-Kontakte erlauben es, an die Orgel digitale Klangerzeuger anzuschließen und zu spielen, beispielsweise E-Piano, Spinett oder zusätzliche elektronische Orgelregister. »Damit ist unsere Orgel dann technisch auf dem neuesten Stand und wieder fit für die nächsten 30 Jahre«, so der Kantor.

Da die Arbeiten einige Wochen in Anspruch nehmen, erklingt derzeit in den Gottesdiensten eine elektronische Orgel. Aber bis zum Erntedankfest am 30. September hofft die Gemeinde, wieder auf ihr bewährtes Instrument zurückgreifen zu können. ür

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Artikel vom 17.08.2012 - 18.00 Uhr
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