Gießen (pd). Die jüngste PISA-Studie, an der weltweit eine halbe Million Schüler/innen aus 65 Nationen teilgenommen haben, sieht Deutschland - wie berichtet - auf einem guten Weg. Mit Genugtuung hat man dies auch im Staatlichen Schulamt in Gießen zur Kenntnis genommen.
Man habe mit gezielten Fortbildungsmaßnahmen sowie einer intensiven Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund auf das Abschneiden deutscher Schüler nach den ersten PISA-Studien reagiert, berichtete Schulamtsdirektorin Ellen Hanisch auf Anfrage. An der aktuellen Untersuchung waren auch 17 Schulen aus Hessen beteiligt.
Die 15-jährigen Schüler in Deutschland lagen bei dem internationalen Bildungsvergleich in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften oberhalb des Durchschnitts der wichtigsten Industrienationen, waren beim Lesen und Verstehen von Texten aber wieder nur im Mittelfeld gelandet. Als »Aufstieg von der zweiten in die erste Liga« hatte der Leiter des OECD-Centers in Berlin, Heino von Meyer, die Ergebnisse bewertet. Von der Champions League sei Deutschland aber noch weit entfernt, hieß es aus der Chefetage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Hessens Kultusministerin Dorothea Hetzler hatte das verbesserte Abschneiden deutscher Schüler begrüßt und dafür auch hessische Maßnahmen ins Feld geführt. »Hessen hat vor allen anderen Ländern damit begonnen, die verbindliche Sprachförderung vor der Einschulung und entsprechende Sprachtests einzuführen. Mittlerweile sind die meisten Länder diesem Vorbild gefolgt«, betonte die Ministerin, die weiter darauf verwies, dass auch regelmäßige Evaluation und Überprüfung von Lernergebnissen eine Ursache der Verbesserung sei.
Das sieht man auch im Gießener Schulamt so. Ellen Hanisch erwähnte das Netzwerk »Voneinander Lernen«, dem eine Reihe von Schulen aus dem Schulamtsbezirk Gießen/Vogelsberg angeschlossen sind. Das Netzwerk organisiert beispielsweise schulübergreifende Vergleichsarbeiten in Fächern wie Deutsch, Englisch und Mathematik und arbeitet somit an Standards, die die Vergleichbarkeit fördern. Viel Wert werde auch auf Fortbildung gelegt, die die Praxis der Bildungsstandards und Kompetenzorientierung vertiefen, so die Schulamtsdirektorin. Diese Fortbildungsreihen beziehen sich in erster Linie auf die Klassen 1 bis 10. Früchte tragen inzwischen auch die Vorlaufkurse, die 2002 an heimischen Schule eingeführt wurden. Ziel dieser Kurse ist es, ausländische Kinder schon vor Beginn der Grundschulzeit beim Erwerb der deutschen Sprache zu fördern und ihnen so einen guten Schulstart zu ermöglichen. Ebenfalls positiv auf die PISA-Resultate wirke sich die Tendenz zu mehr Ganztagsangeboten an heimischen Schulen aus, so Hanisch.
Der Stadtschülerrat nimmt die PISA-Ergebnisse zum Anlass, »ein Ende der sozialen Auslese« zu fordern. Stadtschulsprecher Kamyar Mansoori sieht in den Resultaten der Studie einen weiteren Beleg dafür, »wie stark die Erfolgschancen von Schülerinnen und Schüler im deutschen Bildungswesen vom Bildungsabschluss der Eltern abhängen«. Bildung müsse allen Schüler unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft im gleichen Maße zur Verfügung stehen, fordert Mansoori.
Auch die Gießener Schüler Union sieht nach wie vor Handlungsbedarf bei der weiteren Verbesserung des Bildungssystems. Kreisvorsitzender Christopher Lipp zeigt sich jedoch zunächst einmal erfreut über den Aufwärtstrend der deutschen Schüler beim PISA-Vergleichstest. Das individuelle Fördern und Fordern der Schüler, besonders im Bereich der Lese- und Sprachkompetenz, müsse im Mittelpunkt der bildungspolitischen Bemühungen stehen.
Was hat sich wirklich verbessert? Wir haben immer noch die Kleinstaaterei im Bildungssystem mit 16 verschiedenen Plänen, Prüfungen etc. Die Bemühungen um Absenkungen des Niveaus sind weitergegangen und gehen weiter (in Berlin wurde bei einer Diskussion gefordert, Noten und Sitzenbleiben abzuschaffen). Wir haben immer noch eine große Zahl von 15-Jährigen, die nicht lesen können. Wir haben immer noch eine große Zahl von Schulabbrechern allgemein und in besonders großer Zahl in einer bestimmten Migrantengruppe. Wir haben nach wie vor schlimme Zustände in Problemschulen.
Wir haben immer noch die Kleinstaaterei im Bildungssystem mit 16 verschiedenen Plänen, Prüfungen etc.
Die Bemühungen um Absenkungen des Niveaus sind weitergegangen und gehen weiter (in Berlin wurde bei einer Diskussion gefordert, Noten und Sitzenbleiben abzuschaffen).
Wir haben immer noch eine große Zahl von 15-Jährigen, die nicht lesen können.
Wir haben immer noch eine große Zahl von Schulabbrechern allgemein und in besonders großer Zahl in einer bestimmten Migrantengruppe. Wir haben nach wie vor schlimme Zustände in Problemschulen.