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Frauenverbände fordern Stabsstelle für Senioren bei der Stadt

Artikel vom 22.03.2010 - 20.50 Uhr

Frauenverbände fordern Stabsstelle für Senioren bei der Stadt

Gießen (jri). Eineinhalb Jahre hat sich die Arbeitsgemeinschaft Gießener Frauenverbände mit dem Thema »Älter werden in Gießen« beschäftigt. Das Ergebnis, ein mehrseitiges Arbeitspapier, wurde jetzt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz übergeben. Eine wichtige Hauptforderung ist die Einrichtung einer Stelle »Sozialplanung für ältere Menschen« in der Stadtverwaltung.
Dietlind Grabe-Bolz (2. v. r.) erhält von (v. l.) Marianne Zielinski, Elisabeth Bender und Inge Bietz das Arbeitspapier zum Them
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Dietlind Grabe-Bolz (2. v. r.) erhält von (v. l.) Marianne Zielinski, Elisabeth Bender und Inge Bietz das Arbeitspapier zum Thema »Älter werden in Gießen«. Rechts Ursula Passarge. (Foto: Schepp)
»Eine solche Demografiebeauftragte könnte eine zentrale Anlaufstelle für die zunehmende Zahl an Senioren in Gießen sein. Andere Städte wie Wetzlar oder Darmstadt haben so eine Stelle bereits eingerichtet«, sagte die AGGF-Vorsitzende Elisabeth Bender. Zusammen mit Inge Bietz und Marianne Zielinski überreichte sie das auch vom Seniorenbeirat unterstützte Papier im Beisein der städtischen Frauenbeauftragten Ursula Passarge an Grabe-Bolz.

Wichtig ist der Arbeitsgemeinschaft vor allem die Abkehr von einem negativen Altenbild, das ältere Menschen als hilfsbedürftig, zurückgezogen und krank sieht. »Wir brauchen realistische Leitbilder, die sich an den Ressourcen und Potenzialen der Menschen über 60 orientieren«, sagte Inge Bietz, stellvertretende AGGF-Vorsitzende und Vorstandsmitglied im Seniorenbeirat. Die Gruppe der über 60-Jährigen sei heterogen, vielfältig und bunt. Und es sei keineswegs so, dass diese Gruppe nur auf die Unterbringung im Altenheim warte. Deshalb müssten gezielt Angebote geschaffen werden, um ältere Menschen zu aktivieren, ihnen Mobilität und Freizeitangebote zu ermöglichen, damit sie nach dem Berufsleben nicht »in ein Loch fallen«, wie Marianne Zielinski skizzierte.

»Ich freue mich, dass so viel Engagement und Sachverstand in das Arbeitspapier eingeflossen ist«, sagte Grabe-Bolz. Das Anliegen stoße bei ihr auf offene Ohren. Sie verstehe Altenpolitik als partizipativen Prozess, an dem alle Beteiligten mitwirken können. Zu der geforderten Stelleneinrichtung eines Demografiebeauftragten sagte das Stadtoberhaupt: »Dies muss in Zeiten leerer Kassen ja keine neue Stelle sein. Für eine solche Position kann auch eine interne Lösung aus dem vorhandenen Personal gefunden werden.«

Unterstützung erhielten die AGGF-Frauen von der Frauenbeauftragten Ursula Passarge. »Wir brauchen dringend eine eigene Seniorenplanung für die Stadt«, sagte sie. Zwar gebe es schon viele Handlungsfelder und Angebote für Senioren, doch eine richtige zentrale Stelle sei noch nicht vorhanden.

Ende 2008 lebten in Gießen rund 15 250 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. 5 640 von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt schon 75 Jahre und älter. »Es ist davon auszugehen, dass bald ein sehr hoher Anteil über 80-jähriger Frauen alleine in Gießen lebt und sich ohne familiäre Anbindung versorgen muss«, schreibt die AGGF in dem Arbeitspapier. Ziel sei es, dass Ältere so lange wie möglich selbstständig, aktiv und eigenbestimmt in der eigenen Wohnung leben können. Hilfreich dabei seien unter anderem alternative und barrierefreie Wohnformen (z. B. Mehrgenerationenhäuser), eine an die Bedürfnisse alter Menschen angepasste Infrastruktur in der Stadt (Mobile Läden, Lieferservice, Fahrdienste, Besucherkreise), maximale Mobilität (Niederflurbusse, lesbare Fahrpläne, abgesenkte Straßenübergänge, ausreichend Sitzgelegenheiten), soziale Teilhabe (Treffpunkte für Senioren und Generationen, Förderung von Nachbarschaftshilfe, Seniorenreisen und Seniorenuniversität) und gute medizinische Versorgung. Auch ältere Migranten müssten einbezogen werden. »Wir brauchen also eine kommunale Altenplanung und eine koordinierende und planende Stabsstelle dafür«, bekräftigten die Vertreterinnen der Arbeitsgemeinschaft ihre Forderung. Die Zukunftsfähigkeit der Stadt lebe von der Solidarität der Generationen, heißt es abschließend in dem Arbeitspapier .

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Artikel vom 22.03.2010 - 20.50 Uhr
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