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Erster »Nachhaltigkeitsbericht« für Gießen

Artikel vom 25.02.2010 - 20.41 Uhr

Erster »Nachhaltigkeitsbericht« für Gießen

Gießen (srs). Die Lokale Agenda 21 veröffentlicht in diesen Tagen erstmals einen »Nachhaltigkeitsbericht« für Gießen. Das 58 Seiten fassende Dokument nimmt anhand von 36 Anhaltspunkten die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahren unter die Lupe.
Den »Nachhaltigkeitsbericht« stellte Diana Löser (3.v.l.) dem Agenda-Rat sowie Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (3.v.r.) un
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Den »Nachhaltigkeitsbericht« stellte Diana Löser (3.v.l.) dem Agenda-Rat sowie Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (3.v.r.) und Stadtrat Thomas Rausch (2.v.r.) vor. (Foto: srs)
Verfasst haben den Bericht gut 20 Gießener Bürger und Mitarbeiter städtischer Fachausschüsse im Rahmen einer eigenen Agenda-Gruppe. Die Autoren begnügen sich nicht mit nüchterner Analyse und Diagrammen. Sie geben für jeden der 36 Aspekte auch Empfehlungen und aktuelle Bewertungen ab - mit Hilfe eines Ampelsymbols. Grün leuchtet die Ampel in Fragen der Gewässergüte in Gießen sowie des ehrenamtlichen Einsatzes der Bürger. »Akuten Handlungsbedarf« hingegen attestiert der Bericht unter anderem Betrieben im Bereich des Umweltschutzes. Darüber hinaus bescheinigt das Papier den Gießenern ein sinkendes »demokratisches Engagement«.

Positiv hebt der Bericht neben einem »erfreulichen Güteanstieg« der Flüsse Lahn und Wieseck auch einen abnehmenden Wasserverbrauch der privaten Haushalte hervor. Dieser sei von täglich 125,6 Litern je Einwohner im Jahr 1995 auf 104,3 Liter 2006 gesunken. Der Bericht würdigt weiter ein hohes kulturelles Angebot in der Stadt sowie im Besonderen das ehrenamtliche Engagement der Gießener - 777 Vereine seien 2005 beim hiesigen Amtsgericht eingetragen gewesen. Mit einem grünen Ampellicht macht das Dokument eine »ausgeglichene Wirtschaftsstruktur« aus. So sei die Anzahl der Neugründungen von Unternehmen in den vergangenen Jahren stets doppelt so hoch wie die Zahl der Regelinsolvenzen gewesen. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind dabei allerdings noch nicht eingeflossen. Die neuesten Zahlen stammen von 2007.

Ein rotes Ampelsignal kennzeichnet unterdessen den Aspekt des Umweltschutzes in Betrieben. Von über 7000 in Gießen gemeldeten Unternehmen zertifiziere nur noch eine Firma ständig nach der EU-Öko-Audit-Verordnung. »Das muss als negatives Ergebnis gewertet werden.« Die Autoren weisen weiter auf die hohe Arbeitslosigkeit hin, die weit über dem Hessen-Durchschnitt liegt. Darüber hinaus empfehlen sie verstärkt »frühzeitige Integrationskonzepte« für Migranten. 47 Prozent der Schulabgänger mit deutschem Pass hatten 2006 das Abitur in der Tasche, jedoch nur 32 Prozent der Absolventen anderer Nationalität.

Bedenklich ist laut Bericht die sinkende Beteiligung der Bürger an den Kommunalwahlen. Gaben Anfang der 70er Jahre noch über 80 Prozent ihre Stimme ab, waren es 2006 nur noch 37,9 Prozent. »Die rückläufige Wahlbeteiligung kann ein Anzeichen für mangelnde Motivation der Bevölkerung sein, sich am politischen Prozess zu beteiligen«, hält der Bericht fest. Dass sie Einfluss nehmen können, müsse für die Wähler wieder »erfahrbar« gemacht werden.

Die Vorgeschichte des ersten »Nachhaltigkeitsberichts« der Lokalen Agenda 21 reicht weit zurück. Am 5. Oktober 2004 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Erstellung eines solchen Berichts. Bald darauf formierte sich die Agenda-Gruppe »Nachhaltige Entwicklung Gießen« und begann, Statistiken zu sammeln und auszuwerten. Bis Ende 2005 sollte das Dokument ursprünglich vorliegen. »Ein ehrgeiziges Vorhaben«, schilderte Diana Löser, die den Bericht nun am Dienstagabend dem Agenda-Rat sowie Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und Stadtrat Thomas Rausch im Kerkradezimmer der Kongresshalle vorstellte. Etliche Hürden seien zu bewältigen gewesen, berichtete die Wissenschaftlerin vom Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung der Justus-Liebig-Universität. »Zum erheblichen Teil beruht der Bericht auf ehrenamtliche Arbeit«, hob sie hervor. Auch die Beschaffung einiger Statistiken habe sich als schwierig erwiesen. »Einige Daten mussten wir vom Statistischen Landesamt zurückkaufen.«

Den Autoren sei bewusst, dass der Bericht den ein oder anderen Fehler enthalte und einige Diagramme nicht mehr aktuell seien. Doch nach der jahrelangen Arbeit sei es nun an der Zeit, den Bericht zu veröffentlichen. Ziel des »Nachhaltigkeitsberichts« unter dem Titel »Lebenswertes Gießen« ist, zur Diskussion anzuregen. Die Mitglieder des Agenda-Rats würdigten das Engagement der Autoren und beschlossen nach einer knapp zweistündigen Sitzung, das Dokument Magistrat und Stadtverordnetenversammlung vorzulegen - mit der ausdrücklichen »Bitte um Beratung«.

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Artikel vom 25.02.2010 - 20.41 Uhr
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