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»Eritrea-Festival«: Handgemenge und Demo

Artikel vom 08.07.2012 - 23.13 Uhr

»Eritrea-Festival«: Handgemenge und Demo

Gießen (srs). Ein Demonstrationszug durch die Innenstadt und in Gewalt mündende Proteste haben am Wochenende ein »Eritrea-Festival« in den Hessenhallen begleitet.

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Innen tanzten von Freitag bis Sonntag 2000 Gäste zu Konzerten von Musikern aus ihrer Heimat, lauschten Seminaren und verfolgten einen Schönheitswettbewerb. Draußen demonstrierten derweil am Samstag 250 Eritreer für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in ihrem Land. Unter ihnen marschierte auch der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, der Grünen-Politiker Tom Koenigs. Vor den Hessenhallen kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Die Gewalt brach am Samstag just während eines heftigen Gewitters aus. Es schüttete und hagelte, da trafen gegen 11.40 Uhr vor den Hessenhallen Besucher des Festivals und Demonstranten aufeinander. Zuerst flogen Beleidigungen, dann flogen Fäuste. Pfefferspray sprühend und mit Schlagstöcken drohend trennten Polizeikräfte den Pulk. Anschließend nahmen sie 36 Eritreer – allesamt Demonstranten, überwiegend aus der Schweiz angereist – in Gewahrsam und brachten sie auf das Polizeipräsidium. Beamte stellten Stöcke, Eier und Reizstoff sicher. Einige der Eritreer haben wohl mit Anklagen wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung zu rechnen. Die Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen, erklärte die Polizei auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Am Samstagabend waren die Eritreer wieder aus dem Gewahrsam entlassen.

Offenbar wurden durch die Prügelei drei Menschen – Besucher des Festivals – verletzt. Nähere Auskünfte über die Schwere der Verletzungen konnte die Polizei nicht geben. Ihren Angaben zufolge wurde ein Verletzter in die Uni-Klinik transportiert. Ein Gast des Festivals, der Gießener Tsegay Feshaye, berichtete, Demonstranten hätten ihn verfolgt und mit einem Stock geschlagen.

Knapp vier Stunden lang marschierten Eritreer am Samstagnachmittag über die Rodheimer Straße und durch die Neustadt bis zum Kirchenplatz und wieder zurück zu den Hessenhallen. »Nieder mit der Diktatur«, riefen sie. Das Festival in den Hessenhallen diene zur »Propaganda und Werbung für die Militärdiktatur Eritreas«, erklärten sie auf Flugzetteln. Die Gegner der Festveranstaltung waren zum Teil weit angereist, mehrere wie der unter Oppositionellen Eritreas bekannte Musiker Tezareb waren aus der Schweiz nach Gießen gefahren.

»Demokratie und Freiheit jetzt« forderte Tom Koenigs in einer Kundgebung auf dem Kirchenplatz. Die Menschenrechte würden in Eritrea »mit Füßen getreten«. Das Festival in den Hessenhallen sei eine »Provokation für jeden Bürger Hessens«, hob der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag hervor. Die Passanten auf dem Kirchenplatz forderte er auf, sich über die Lage in Eritrea zu informieren. Weitere Reden hielten der Grünen-Stadtverordnete Klaus-Dieter Grothe sowie die Vizepräsidentin des Exilrats der Eritreer, Freweyni Habtemariam, die »mehr Gefängnisse als Schulen« in Eritrea beklagte und Worte an die Besucher des Festivals richtete: »Wacht auf. Hängt das Bild des Diktators ab.«

In den Hessenhallen tanzten unterdessen die Gäste zu Klängen von Musikern wie Yonas Mengstu und saßen zu kulinarischen Köstlichkeiten ihrer Heimat beisammen. Besucher des Festivals marschierten am Samstagnachmittag für eine halbe Stunde zu einer eigenen Demonstration rund um die Hessenhallen. Jugendliche saßen in Seminaren und verfolgten am Abend einen Wettbewerb zwischen sechs Schönheiten um die »Miss Eritrea-Festival 2012«. In einem Zelt plauderte der Botschafter Eritreas, Petros Tseggai, unter anderem mit den Stadtverordneten Michael Janitzki vom Linken Bündnis und Michael Beltz von der Linken. Das jährliche Festival diene den Eritreern als »Treffpunkt, um die eritreische Kultur zu erleben und sich über die Lage in Eritrea zu informieren«, hob Tseggai im kurzen Gespräch mit der Allgemeinen hervor. Dass sich die Stadtverordnetenversammlung gegen das Festival ausgesprochen hatte, bezeichnete er als »politisch nicht klug, nicht korrekt«.

Am Freitagabend hatten die Grünen in die Kongresshalle zu einer Informationsveranstaltung zur Menschrechtssituation in Eritrea geladen.

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Artikel vom 08.07.2012 - 23.13 Uhr
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