Gießen (kw). In der Nordstadt soll ein neuer Kindergarten entstehen. Die sei die beste Möglichkeit, dem Mangel an Betreuungsplätzen in diesem Bereich zu begegnen, hieß es am Donnerstagabend im Jugendhilfeausschuss.
Die Einrichtung mit 70 Plätzen solle möglichst bald eröffnet werden, und zwar vorzugsweise am nördlichen Rand der Innenstadt oder in der südlichen Nordstadt. Ungewöhnlich ist das Vergabeverfahren, das das Jugendamt vorgeschlagen hat: Den Zuschlag bekommen soll derjenige freie Träger, der als erster einen geeigneten Standort findet und sich mit einem Konzept bewirbt. Dabei würden die üblichen Qualitätskriterien selbstverständlich beachtet, hieß es in der Sitzung.
In der Nordstadt leben so viele Familien mit Kindern wie nirgends sonst in Gießen. Gleichzeitig gibt es verhältnismäßig weniger Kindergartenplätze als anderswo - dieses Problem wurde in den Fachgremium immer wieder besprochen. Nun spitze sich die Lage zu, erläuterte am Donnerstag die Jugendhilfeplanerin Gabriele Keiner. Für die 895 im Viertel lebenden Kinder zwischen drei und sechs reichten die 657 Plätze kaum aus; es gebe Wartelisten. Hinzu kämen immer wieder Kinder, die gar nicht angemeldet waren, aber plötzlich vor der Tür stehen. Für die 711 Krabbelkinder unter drei Jahren gebe es nur 101 Plätze, der Versorgungsgrad von 14 Prozent liegt um ein Drittel unter dem Gießen-Durchschnitt (21 Prozent).
Die vorhandenen Einrichtungen sind überwiegend städtisch und unterliegen damit strengen Sparvorgaben. Zwar wurden sie in letzter Zeit personell etwas gestärkt, können aber nicht deutlich mehr Plätze oder bessere Öffnungszeiten anbieten. Dies Problem wäre gelöst mit einer Kindertagesstätte unter Regie eines freien Trägers, die Anspruch auf öffentliche Zuschüsse hat, aber nicht zum engen städtischen Stellenplan gezählt würde.
Das Jugendamt hat eine Einrichtung mit vier Gruppen ins Auge gefasst: Zehn Krabbelkinder unter drei Jahren sollen Platz finden, außerdem in drei Gruppen je 20 Kindergartenkinder. Durch dieses Zusatzangebot könnte man auch die Gruppen in den städtischen Nordstadt-Kitas verkleinern, sagte Keiner. Dies sei wegen der oft schwierigen sozialen Umstände sinnvoll. Für Kinder aus benachteiligten Familien sei zudem der Kindergartenbesuch besonders wichtig. Zur Zeit gingen in der Innen- und Nordstadt nur 76 Prozent der Fünf- und Sechsjährigen in den Kindergarten, Gießen-weit liegt diese Quote bei knapp 93 Prozent.
Diskutiert wurde im Jugendhilfeausschuss über die Vergabe an den schnellsten Verein. »Sollte nicht das beste Konzept den Ausschlag geben?«, fragte Astrid Dietmann-Quurck (Aktion junge Menschen in Not). Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) entgegnete, das Jugendamt werde natürlich darauf achten, dass die Standards stimmen. »Wir können uns auf die hohe Qualität unserer freien Träger verlassen«, bekräftigte die CDU-Stadtverordnete Christine Wagener. Gabriele Keiner und der Jugendamts-Leiter Andreas Prinz betonten, eine Ausschreibung wäre sehr langwierig.
»Und was passiert, wenn sich kein Verein für den Kindergarten-Betrieb findet?«, fragte Inge Bietz (SPD). Wenn bis zum Herbst tatsächlich nichts geschieht, müsste die Stadt neu überlegen, entgegnete Prinz. Der Nordstadt-Experte Ralf Volgmann (CVJM) berichtete, er wisse von freien Trägern, die bereits Interesse daran geäußert hätten, zusätzliche Betreuungsplätze in dem Quartier zu schaffen; allerdings durch Vergrößerung vorhandener Kitas. Das Gremium stimmte der Vorlage schließlich einstimmig zu.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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