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Empörung über Lokalverbot für Flüchtlinge

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Artikel vom 16.07.2014 - 10.34 Uhr

Empörung über Lokalverbot für Flüchtlinge

Gießen (si). Dass es in Gießen eine Kneipe gibt, in der Flüchtlinge unerwünscht sind - und zwar ausschließlich solche, die aus Algerien und Marokko kommen –, hat viele Menschen empört.

Seit dem vergangenen Donnerstag, als die Gießener Allgemeine Zeitung darüber berichtete, hat die Redaktion etliche Stellungnahmen und Anfragen dazu erhalten, von Bürgern ebenso wie von überregionalen Medien. Auch im Internet wird darüber heftig diskutiert. Dort gehört der Text schon jetzt zu den meistgelesenen GAZ-Artikeln des gesamten Jahres.

Nur wenige Leser zeigten Verständnis für die Entscheidung der Wirtin, ein Lokalverbot für bestimmte Nationalitäten zu verhängen – bei dem die Flüchtlinge zusätzlich sogar noch nach ihrer Sprache sortiert werden. Denn der Zutritt wird nur Nordafrikanern aus den beiden genannten Staaten verwehrt, die kein Deutsch sprechen und sich in ihrer Heimatsprache oder auf Französisch unterhalten. Das sei »blanker Rassismus«, hieß es oft. Gleichzeitig verweist eine kleine Minderheit darauf, dass das Verbot ja wohl Wirkung gezeigt habe. Denn offenbar gebe es jetzt in der Kneipe keine Diebstähle und keinen Drogenhandel mehr. Damit waren Algerier und Marokkaner angeblich aufgefallen.

»Mit Entsetzen« reagierte nun auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf das ausgesprochene Lokalverbot für Flüchtlinge. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme spricht sie von einem »ungeheuerlichen Vorgang«. Dafür gebe es in einer weltoffenen Stadt wie Gießen keinen Platz. Die beiden Zeugen, die den Hinauswurf von drei Nordafrikanern aus dem Lokal mitbekommen hatten, forderte sie auf, Strafanzeige zu erstatten. Darüber hinaus appellierte Grabe-Bolz an die Betreiberin der Gaststätte, sich zu »outen«. »Dann hätten alle Besucher die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob sie eine Lokalität besuchen wollen, die Gäste diskriminiert«.

Den Namen der Wirtin wollten auch viele andere Menschen wissen, meist mit der Begründung, dass sie die Gaststätte dann boykottieren könnten. Die GAZ hat bislang auf die Namensnennung bewusst verzichtet – unter anderem deshalb, weil sie bisher keine direkte Stellungnahme von der Wirtin hatte, sondern »nur« vor einem Kneipenmitarbeiter, der die Fakten allerdings bestätigte. Nachdem die Wirtin zunächst trotz mehrerer Versuche – persönlich in der Gaststätte und per Telefon bei ihr zu Hause – nicht zu erreichen war, meldete sie sich am Freitag in der Redaktion und bot von sich aus ein Gespräch an. Das hätte am Montagabend stattfinden sollten. Am Montagnachmittag sagte die Gießenerin das Treffen dann jedoch ab bzw. bat um eine Verschiebung auf kommende Woche.

Die Wirtin hat übrigens weitere Maßnahmen angeordnet, um unerwünschte Gäste draußen zu halten. Laut einem Hinweisschild an der Eingangstür gehören dazu eine Videoüberwachung, aber auch Taschenkontrollen, zu denen das Personal jederzeit berechtigt ist. Gründe dafür müssen die Mitarbeiter nicht nennen. Besucher, die mit den Durchsuchungen nicht einverstanden sind, haben in der Gaststätte grundsätzlich keinen Zutritt.

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Artikel vom 16.07.2014 - 10.34 Uhr
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Leserkommentare
(20.07.2014 21:32)
EinSchwätzer
Rassismus
Diskriminierung aufgrund der etnischen Herkunft nennt man RASSISMUS! Lokalverbot für Deutschlandtrikots? Finde ich gut! Nationalismus ist die Wurzel des Faschismus!
Nur Deutsche (was soll das überhaupt sein?!?) können rassistisch sein? So ein Quatsch!
Deutsche passen sich im Ausland der heimischen Bevölerung an?!? Wohl noch nie auf Malle gewesen! Ich sage nur: man spricht Deutsch!
Wenn Menschen aus einer physischen oder wirtschaftlichen Notlage nach Deutschland flüchten, kann man nicht erwarten, dass sie sofort Deutsch sprechen! Ein kleiner Blick über den Tellerrand des mitteleuropäischen Wohlastands hinaus würde vielen Leuten gut tun! Soziales Pflichtjahr in Afrika für alle Schulabgänger!
(18.07.2014 18:26)
Linguas
Brauerei
Es könnte auch interessant sein zu erfahren, wie die Brauerei der Kneipe zu dem Gebahren der Wirtin steht. Was die Spatzen so von den Dächern pfeifen, ist der Name des in Frage stehenden Gasthauses von Logos der Brauerei aus dem Herzen der Natur eingerahmt.
(18.07.2014 14:24)
_Lisa_
Kunden
Wenn der Vorwurf stimmt das, anderssprechende Personen dort Drogen verkaufen, muss es doch auch die Nachfrage bei den Gästen geben!
Wer sind den die Kunden und welche Sprache sprechen sie den?
Woher stammt das Geld was zum Drogenkauf genutzt wird?
Welche Hautfarbe haben die Gäste?
Das sind wichtige Fakten die der Betreiber der Gaststätte berücksichtigen muss.Ich möchte nicht neben einen Drogensüchtigen sitzen der auf Entzug ist und kein Geld für neue Drogen hat !
Ich denke das ist ein Fall für Günter Wallraff!
(18.07.2014 12:45)
Joanna88
Lächerlich!!!!!!
Ich finde es ja echt amüsant, zu sehen das eine Wirtin deren ganze Familie Ausländer sind, Sie selbst Ausländerin ist als Rassistin beschimpft wird. Da merkt man ja schon, dass sich die meisten Leute, mit Ihren wirklich einfach dummen Aussagen total Oberflächlich sind. Das nächste was ich auch interessant finde ist, dass es nur Männer sind, die doch tatsächlich die Zeit und das Geld haben sich in Kneipen oder Wettbüros zu setzen und zu zocken oder zu saufen. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Frauen Zuhause sind und Ihren Verpflichtungen nachgehen, Ihr weniges Geld was Sie nicht selbst verdienen für Wichtige Sachen ausgeben bzw. nutzen zum Beispiel für ein Wörterbuch. Somit kommen wir zum Thema Sprache. Alleine wenn ich nur zum Urlaub in ein fremdes Land fliege, bereite Ich mich darauf vor! Es würde sich nicht lohnen die Sprache zu lernen, jedoch würde ich Mir die wichtigsten Wörter merken wollen, alleine schon zum Schutz wie z.B. Wo ist das nächste Krankenhaus? Wo ist die nächste Polizeistation? Können Sie mir den Weg beschreiben? usw. und bestimmt nicht etwas wie "Ein Bier Bitte". Würde oder müsste ich komplett in ein anderes Land umziehen und dort leben, wäre das erste was ich auf schnellstem Wege lerne, die Landessprache und hätte keine Zeit mich in eine Kneipe zu setzen oder Wettbüro oder sonstiges. Ich glaube nicht das Immigration in einer Kneipe beginnt.
(17.07.2014 16:52)
Butterkuchen
Das wahre Problem
Das ware Problem ist doch die fehlende Integration. Ihr wollt, dass Migranten sich integrieren und integriert werden. So sollte das auch sein. So ist es richtig. Die meisten Menschen denken, so funktioniert es auch in Deutschland. Alles in bester Ordnung. Aber so ist es nicht. Integrierte Menschen sind anständig und halten sich am die Gesetze
Aber jeder der in Gießen oder einer Stadt wohnt weiß, dass nicht alle so sind. Die meisten nicht integrierten fallen häufig kriminell auf. Fragt an der nächsten Polizeidienstelle nach.
Der Wirtin war das sicherlich bekannt. Sie hat nur was gegen französisch sprechende gesagt. Nicht aber gegen deutsprachige oder andere Migranten. Ein anderes Problem ist die Ignoranz vieler "Gutmenschen" . Sie sind davon überzugt alle Deutschen verhalten gegenüber Ausländern unfair und rassistisch und Ausländer sind arme unschuldige Menschen.
(17.07.2014 16:47)
WolfgangD
Was soll die Aufregung?
Wenn das korrekt ist, was bisher von der Allgemeinen geschrieben wurde (Lokalverbot für Algerier und Marrokaner ohne deutsche Sprachkenntnisse), dann kann man von Diskriminierung sprechen, aber doch nicht von Rassismus.
An alle Empörten: Es gibt in diesem Land Lokale, in denen man keine ‚rechten‘ Gäste haben will und es gab zur Zeit der Fußball-WM in Berlin Gaststätten, in denen keine Gäste mit Deutschland-Trikots, -Schminke oder –Fahnen willkommen waren. Diese Diskriminierung scheint aber kein Thema zu sein.
(17.07.2014 11:30)
EinSchwätzer
Selber Bla
@Butterblume: Wenn sich Leute daneben benehmen und deswegen rausgeworfen werden, würde sich niemand darüber beklagen. Wenn aber generell alle Nordafrikaner dort keinen Zutritt mehr haben, dann ist das rassistisch! Und RassistIn ist, wer rassistisches tut. Fertig aus!
@PeterPan73: Das ganze Statement zeugt von einer generellen Unsensibilität gegenüber Rassismus! Beispiele: Die Türsteher und die Besitzer sind "Ausländer" und können deswegen keine Nazis sein?!
Leider Falsch: Arschlöcher gibt es überall!
Die beiden Kommentare zeigen ganz deutlich einen typischen Reflex, den Menschen an den Tag legen, wenn Leute in ihrem Umfeld plötzlich rassistisches Verhalten an den Tag legen. Dann folgen oft entschuldigungen wie: die/der meint das ja garnicht so; eigentlich ist die/der ganz anders usw.
Oft werden dann auch die als Unruhestifter beschuldigt, die das rassistische Verhalten offen gelegt haben, statt der Wahrheit ins Auge zu blicken und zu akzeptieren, dass man RassistInnen im Bekanntenkreis hat!
(17.07.2014 00:54)
peterpan73
BlaBlaBla
Habe etliche Abende in dieser Kneipe verbracht mit Menschen aller möglichen Herkunft und Rasse , und keiner hat in der zeit jemals Probleme gehabt, im Gegenteil . Die Leute die an der Tür am Wochenende arbeiten sind auch Ausländer und nach meiner Kenntnis sind die Besitzer auch keine Deutschen , also fällt das mit den braunen gesellen flach und auch noch nie welche gesehen . Die hier so schlau schreiben sollen doch mal der Realität ins Auge schauen , was sich abends für Leute in der Stadt rum treiben . Habe es des öfteren mitbekommen , wie sich manche arme Asylanten in der Kneipe benehmen , sei es Diebstahl , Getränke anderer Gäste werden genommen und getrunken , verkauf von weichen Drogen , sie bereiten den anderen Gästen ein Unwohlsein , die sich tagtäglich dort bis in frühen Morgenstunden mit guter Musik , günstigen Getränken und guter Stimmung amüsieren wollen . Für mich die beste Bierkneipe in Giessen , wo ich als Jugendlicher-Ausländer(by the way) schon in den 80er war und auch weiterhin gehen werde .Und wenn manche Entscheidungsträger in der Stadt nicht die Probleme lösen können , muss man manchmal selber Entscheidungen treffen. Und die hier zum Boykott aufrufen gehen sowieso nie dahin , also spart euch das. Die wahren Giessener wissen was Sache ist und stehen voll und ganz hinter der Besitzerin.
(16.07.2014 21:53)
Butterkuchen
Überreaktion
Alle Menschen sind Menschen. Keiner besser oder schlechter, egal welche Hautfarbe, Sprache, etc... Ihr reagiert alle über! Es ging darum, dass die Männer kriminell waren und deshalb raus geflogen sind. Sie hätten auch blond und hell sein können! Die Wirtin hat sich regelrecht an den Erkennungszeichen orientiert und das waren in diesem Fall die Hautfarbe und die Sprache. Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Ich bin der Meinung, Migranten sollen behandelt werden wie wir Deutschen, aber ist ein Deutscher KRIMINELL wird er auch bestraft! Wollt ihr in einer Kneipe essen wo Drogen gedealt werden? Ich nicht. Was wirklich schlimm ist, ist dass man in Deutschland nicht sagen, wenn ein Migrant etwas geklaut hat( Kommt vor) sonst wird man mit dem braunen Hammer nieder geschlagen. Aber eigentlich seid IHR nicht besser als die Nazis, ihr macht eine Frau runter, die ihr nicht kennt, nur weil sie anderer Meinung ist. Das schlimme ist, sie hat bestimmt nichts gegen Migranten sondern nur gegen KRIMINELLE!
(16.07.2014 18:09)
gissenus anticus
offenlegen
Ich habe kein Problem damit, dass die Wirtin ihr "Hausrecht" in Anspruch nimmt. Dann möchte ich aber auch wissen, welches Etablissement das ist. Sie darf dann man ihren Unterstützern und Spießgesellen gerne ihre Schankwirtschaft mit dem Mief der 50er Jahre weiterpflegen. Alle anderen werden das Haus aber gerne zu meiden wissen.
(16.07.2014 16:09)
hesse
Inhaber des Hausrechtes
Das ist natürlich richtig.
Ich als Kunde habe aber auch das Recht, zu erfahren, welche Kneipe so rassistisch geführt wird.
ICH MÖCHTE KEINEN BRAUNEN GESELLEN BEGEGNEN, WENN ICH FIEDLICH EIN BIER TRINKEN MÖCHTE.
(16.07.2014 15:11)
Gracchus
Eine ....
.... Gaststätte ist grundsätzlich ein privater Gewerbebetrieb. Der Inhaber des Betriebes ist Inhaber des Hausrechtes. Er kann entscheiden, wer den Betrieb als Gast aufsuchen darf und wer nicht bzw. wer ihn eventuell verlassen muß.
Ob es sich hierbei um eine Gaststätte oder Cafeterie oder Ähnliches handelt, ist juristisch gesehen irrelevant.
(16.07.2014 15:00)
TimL
Wichtige Information
Ich finde es schon aus Selbstschutz wichtig zu erfahren, um welche Gaststätte es sich handelt. Schon die Möglichkeit, dass nach Gutdünken der Bedienung meine Tasche durchsucht werden kann, erweckt in mir Unwohlsein. Mir ist bislang nirgendwo ein Schild aufgefallen (wer achtet da schon drauf). Dazu kommt, dass mein Schwiegervater schwarz ist und französisch spricht. Das bedeutet für mich, dass ich ihn bei seinem nächsten Besuch darauf hinweisen muss, dass es in Gießen ein Lokal gibt, in das er nicht gehen darf. Das beschähmt mich als alteingessenen Gießener, der seine Heimatstadt liebt, in einem Maße, das ich hier kaum wiedergeben kann ...
(16.07.2014 13:50)
nrew
Schild mit Hinweis
Das Verhalten der Wirtin beweist, dass sie im Sinne des Gaststättenrechtes "zur Führung einer Gaststätte nicht geeignet ist", da elementare gesetzliche Bestimmungen (Menschenrechtsverletzung, Rassismus usw.) verletzt werden. Ihre Konzession hat sie somit zu Unrecht und ist zu enziehen.
(16.07.2014 11:50)
hesse
Schild mit Hinweis auf
Taschenkontrollen sind ein echt guter Hinweis. Jetzt wird es hoffentlich nur kurze Zeit dauern, bis ein Kommentator hier den Namen nennt.
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