»Elementary School«: Stadt droht Millionendesaster bei Schulsanierung
Gießen (mö). Der Stadt droht im Zusammenhang mit der Sanierung der früheren US-Grundschule an der Grünberger Straße ein Millionendesaster. Das Sanierungsvorhaben, das sich im Laufe der Planungs- und Genehmigungsphase ohnehin schon verteuert hatte, ist vor einigen Tagen vom Hochbauamt der Stadt gestoppt worden. Die Baustelle wurde geschlossen und die mit der Sanierung beauftragte Fachfirma aus Baden-Württemberg abgezogen.
Die Sanierung der früheren US-Grundschule ist gestoppt.
Grund für den Abbruch der Arbeiten ist dem Vernehmen nach der miserable Zustand der in den Jahren 1977 und 1978 gebauten Schule. Zu den näheren Umständen des Baustopps mochte sich Schuldezernent Harald Scherer mit Rücksicht auf den erst am Mittwoch nach Gießen zurückkehrenden Baudezernenten Thomas Rausch nicht äußern. Wie die AZ erfuhr, wird ein Abriss der Schule nicht mehr ausgeschlossen.
Bedeckt hält sich auch das mit der Sanierung beauftragte Unternehmen aus Hildrizhausen bei Böblingen. Es seien »nicht vorhersehbare Ereignisse« eingetreten, alles sei »in der Schwebe«, so ein Firmensprecher, der davon ausgeht, dass der einmal von der Stadt Gießen erteilte Auftrag auch ausgeführt werden kann. »Wir sind vertraglich gebunden«, sagte der Firmensprecher.
Die Stadt hatte die »Elementary School« im Oktober 2008 für rund 2,6 Millionen Euro vom Bund gekauft, dies mit breiter Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Ob die Stadt die Bausubstanz des Gebäudes vor dem Kauf hat prüfen lassen, wird eine der Fragen sein, die der Magistrat in den kommenden Tagen wird beantworten müssen.
Bitter ist die eingetretene Situation für die Helmut-von-Bracken-Schule, denn die bislang im Schulzentrum Ost beengt untergebrachte sonderpädagogische Einrichtung sollte zum kommenden Schuljahr in die frühere Grundschule der US-Streitkräfte einziehen. Dass dieser Zeitplan eingehalten werden kann, erscheint beim Blick auf die stillgelegte Baustelle unwahrscheinlich. Schuldezernent Scherer will sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen, bevor eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen worden ist. Er wies aber darauf hin, dass auch die Gesamtschule Ost und die Korczak-Schule betroffen sein würden, weil beide die durch dem Umzug der Bracken-Schule freiwerdenden Räume nutzen wollen.
So oder so ist das Sanierungsprojekt ein Beispiel für die Probleme, die eine Beteiligung an den Sonderinvestitionsprogrammen von Bund und Land für eine Kommune mit sich bringen kann. Als die Stadtverordnetenversammlung im März 2009 die vom Land genehmigten 19 Gießener Bau- und Sanierungsvorhaben beschloss, war hinsichtlich der »neuen« Bracken-Schule von einem Gesamtinvestitionsbedarf in Höhe von 3,6 Millionen Euro die Rede, wobei 2,4 Millionen Euro als Darlehen von Bund und Land kommen sollten. Dann stiegen die Kosten auf knapp 4,5 Millionen Euro, schließlich auf gut 6,7 Millionen Euro, wobei Umgestaltungen im Außenbereich dabei noch nicht einmal berücksichtigt waren. Das Hochbauamt begründete die Verteuerungen in einer Magistratsvorlage mit dem »Zeitdruck«, unter dem die Konjunkturprogramm-Projekte hätten geplant werden müssen. Gutachterliche Aussagen unter anderem zum Brandschutz sowie zur Haustechnik hätten erst später vorgelegen und zuvor nur eine »grobe« Ermittlung des Investitionsbedarfs ermöglicht.
Unterm Strich wären an der Stadt auch ohne die jetzt aufgetretenen Probleme also rund sieben Millionen Euro hängengeblieben, rechnet man den Kaufpreis ein und zieht das Darlehen ab, das freilich auch noch teils von der Kommune mitfinanziert werden muss. Jetzt muss sich die Stadt auf eine zusätzliche Belastung in Millionenhöhe einstellen.