Gießen (son). Eine gelungene Mischung aus Akrobatik, Humor und Spannung wurde den Zuschauern unter der Zirkuskuppel des »Großen Russischen Staatscircus« geboten. Schon die Premierenvorstellung am Donnerstagnachmittag zog viele Besucher in das große gelbe Zelt am Messeplatz.
Julia und Rodion Girgenow demonstrierten ihre Körperbeherrschung. (Fotos: Schepp)
Die Clowns sorgten für humorvolle Überleitungen von einem Programmpunkt zum nächsten, bildeten gleichsam den roten Faden durch die rund zweistündige Vorstellung. Der große Oleg Popov, der mal alleine, mal mit seiner Frau Gabriele und Kollege Wladimir Fesenko in der Manege stand, verstand es, mit seinen Reprisen das Publikum zu verzaubern. Nicht fehlen durfte die berühmte Sonnennummer des inzwischen 79-jährigen Künstlers. Auch sein geliebter Hund Tschudo (deutsch: Wunder) hatte einen Auftritt: Er klaute seinem Herrchen die Wurst vom Teller - und dem Altmeister ein bisschen die Schau. Popovs armenischer Kollege Gagik Avetisyan, der Charlie Chaplin verkörperte und den Pausenclown gab, setzte auf die Mitarbeit des Publikums. So inszenierte er eine spontane Hochzeit zwischen zwei Gästen, verleitete sie zum imaginären Motorradfahren oder ließ eine aus vier Zuschauern zusammengewürfelte Rockband mit Luftgitarre und rastalockigem Sänger auftreten.
Anmutige Körperbeherrschung zeigten Juliette Girgenov und ihr Partner Rodion. Die beiden ließen es in ihren Akrobatikvorstellungen am Boden und am Seil knistern und überzeugten auch in ihrer Magic-Show im zweiten Teil des Programms als Illusionisten. Die russischen Olympiasieger Kiroushenkov und Shulga beeindruckten mit Handstandakrobatik das Publikum. Begeisterten Beifall, besonders der weiblichen Zuschauer, bekamen die Reckakrobaten der Vitaly Zurawel Gruppe, die sich als gut gebaute Arbeiter mit entblößten Oberkörper und zerrissenen Jeans präsentierten. Welche Kunststücke mit dem eher unspektakulären Diavolo möglich sind, zeigten Anton und Katja Tarbeev. Einen Raunen ging durchs Publikum, als Anton mit scheinbarer Leichtigkeit drei Diavolos meterhoch durch die Luft wirbelte und geschickt wieder auffing.
Dass Tiere sich nur mit Liebe und Leckerlis dressieren lassen, führten Igor Markevitch und seine Partnerin Marina vor. Mit einer Schar quirliger Pudel, einem kleinen Pinscher und zwei knuddeligen Berner-Sennenhunden sorgten sie für Kurzweil und Spaß in der Manege. Auch Dompteur Heiko Olf hatte seine vier Löwen gut im Griff, und »Gypsy King« Iuri Volodchenkov fühlte sich auf dem Rücken seines Pferdes sichtlich wohl und spendierte seinem vierbeinigen Partner nach jedem Kunststück eine Mohrrübe.
Für ein furioses Finale sorgten schließlich die vier Fahrer des brasilianischen Diorio Motorrad Stunt Teams mit ihrem PS-starken Auftritt in einer Stahlkugel. Als alle vier Fahrer mit bis zu 80 kmh Geschwindigkeit in der teilbaren Kugel von nur 4,20 Meter Durchmesser in wilder Fahrt kreisten, hielten die Zuschauer den Atem an.
Noch bis zum 21. Februar bieten die Künstler und Artisten gute Unterhaltung, Spannung und Nervenkitzel. Täglich finden zwei Vorstellungen statt. Die Nachmittagsvorstellung am Freitag um 16 Uhr ist besonders für Familien vorgesehen. »Happy Hour« mit Aperitif und Fingerfood im Foyer gibt es am Samstagnachmittag. Und bei der Vorstellung am Sonntagmorgen um 11 Uhr werden ein Croissant sowie Kaffee oder Tee gereicht. Letzte Gelegenheit in Gießen bietet die Vorstellung am Sonntag um 14.30 Uhr.
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