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Eine Forderung: Intercity nutzen ohne Aufschlag

Artikel vom 19.05.2010 - 14.42 Uhr

Eine Forderung: Intercity nutzen ohne Aufschlag

Gießen (kw). »Auf der Straße wird viel Geld ausgegeben für ein ›staufreies Hessen‹, auf der umweltfreundlicheren Schiene haben sich die Bedingungen verschlechtert - ein Unding!«, findet Dr. Franz Grolig. Fünf Monate nach den weit reichenden Änderungen im Zugverkehr zwischen Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet hat der Wölfersheimer mit einigen Mitstreitern die Initiative »Main-Weser-Bahn im Takt« gegründet.
Ihr Ziel: Zwischen Siegen, Marburg, Gießen und Frankfurt sowie den kleinen Zubringerstrecken sollten wieder zuverlässige Verbindungen entstehen. Einer von mehreren Vorschlägen: Intercity-Züge sollten ohne Aufschlag für Inhaber von Nahverkehrstickets nutzbar sein.

Gemeinsam mit Jürgen Lerch vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus sowie Michael Rückl gab Grolig am Dienstag bei einem Pressegespräch den Startschuss für die Initiative. Dass es vor und kurz nach dem Fahrplanwechsel im Dezember in etlichen betroffenen Orten vereinzelte Proteste gab, wissen alle drei sehr gut: Sowohl Grolig als auch Rückl sind im Wetteraukreis für die Grünen kommunalpolitisch aktiv. »Wir versuchen diese Initiativen zu bündeln«, so Rückl. Ansprechen wollten sie zum einen Politiker aus Mittelhessen mit dem Ziel, dass diese sich gemeinsam für die Region statt jeder für seine Gemeinde oder den eigenen Kreis einsetzt.

Zum anderen wollen sie mit Flugblättern »Druck organisieren über die Fahrgäste«. Viele dieser Betroffenen hätten resigniert und äußerten sich kaum. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) habe nur 29 schriftliche Beschwerden gegen den neuen »Wackelfahrplan« registriert - bei täglich rund 40 000 Reisenden auf der Strecke. »Aber wir hören das Grummeln«, so die drei Pendler und zitieren einen Leidensgenossen: »Die Umstellungen kosten mich rechnerisch einen Arbeitstag im Monat.« Manche seien wohl von der Bahn aufs Auto umgestiegen; Zahlen dazu habe der RMV nach eigenen Angaben noch nicht.

Dass der Fahrplan »aus dem Takt« geraten ist, haben Vertreter von Bahn und RMV immer eingeräumt und bedauernd erklärt, es gehe nicht anders. Weil die Deutsche Bahn AG den zweistündlich verkehrenden Intercity Karlsruhe-Hamburg nun auf der Schnelltrasse fahren lässt, ist er eine halbe Stunde früher als bisher in Gießen. Der Nahverkehr muss sich danach richten. Für Pendler, die in Gießen ein- oder aussteigen, hat sich wenig geändert - umso mehr für viele in der Umgebung. So halten weniger Züge in Großen-Linden, Langgöns und Bad Nauheim, in vielen Orten sind Anschlüsse verloren gegangen, die Abfahrzeiten wechseln. Besonders unbeliebt sei der »langsame« Mittelhessen-Express, der alle zwei Stunden - um dem IC Platz zu machen - fast 20 Minuten in Gießen steht und dann an so vielen Bahnhöfen hält, dass er eine geschlagene Stunde nach Frankfurt braucht.

Die Initiative - die unter anderem von Fahrgastbeiräten und Gewerkschaften in Marburg und im Wetteraukreis unterstützt wird - hat dem detaillierte Verbesserungsvorschläge entgegengesetzt und vor einigen Wochen an den RMV weitergegeben. Dazu gehört die Beschleunigung des Regionalexpress-Zugs Siegen-Gießen-Frankfurt, eine Regionalbahn Gießen-Friedberg im Halbstundentakt, neue RE-Halte in Bad Nauheim und Butzbach sowie die kostenlose Intercity-Nutzung. In ebenjene Züge, die durch Gießen fahren, könne man in Stralsund mit dem Nahverkehrsfahrschein einsteigen, so die Initiatoren.

Im Internet auf der Seite www. probahn-bus.org/mwb-im-takt gibt es nähere Informationen. Dort können sich Interessierte unter anderem eine »Musterbeschwerde« und das Info-Flugblatt zum Verteilen herunterladen.

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Artikel vom 19.05.2010 - 14.42 Uhr
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