Gießen (jri). Das moderne Marketing fordert von Produkten und Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal, ein einzigartiges Verkaufsversprechen - englisch »USP« (Unique Selling Proposition) genannt. So gesehen war das Dürerhaus Kühn schon vor 85 Jahren bei seiner Gründung den heutigen Marketing-Experten weit voraus.
Inhaber Horst Wißner mit einem »Handkäs-Dippe«. Viele Produkte im Dürerhaus Kühn werden exklusiv für das Gießener Traditionsgeschäft hergestellt. (Foto: jri)
Denn ein Geschäft mit einem so unverwechselbarem Charakter, einem so individuellen Sortiment und einem so originellen Inhaber findet sich kein zweites Mal in Deutschland. Am Montag feiert Horst Wißner mit seinen treuen Kunden am Kreuzplatz 6 den 85. Geburtag des Dürerhauses Kühn, das Auguste »Gustel« Kühn im Jahr 1925 als »Werkstube« und Kunsthandwerkladen gründete.
Wer das kaum 50 Quadratmeter große Geschäft betritt, taucht in eine andere Welt ein. Wie im Wimmelbuch drängen sich tausende von kleinen bis winzigen Artikeln in den Regalen und Vitrinen - vom fingernagelgroßen Mini-Püppchen aus dem Erzgebirge bis hin zum Gießen-Souvenir, vom »Hessenbub«-Räuchermännchen bis zur Madonnenfigur.
»Ich halte mich an Gustels Prinzip, das Besondere herauszusuchen. Kurzlebige Trends wie Prinzessin Lillifee oder die Diddl-Maus gibt es bei mir nicht«, betont Horst Wißner. Der waschechte Gießener arbeitet seit 1984 im Dürerhaus und ist seit dem Tod seines Geschäftspartners Peter Kühn im Jahr 2004 (der ein Neffe der Gründerin war) alleiniger Inhaber. »Ich stehe hinter allem, was ich anbiete«, sagt der gelernte Sanitär-Großhandelskaufmann, der von seinen fachkundigen Mitarbeiterinnen Ingrid Haus und Gabriele Giezek unterstützt wird. Der 57-Jährige mit dem breiten Schnurrbart (»Es macht mir Spaß, den Menschen ihre Wünsche nach dem Außergewöhnlichen zu erfüllen«) fahndet auf Fachmessen stets nach dem Besonderen und lässt mehrere Artikel exklusiv für das Dürerhaus herstellen - etwa Servietten, Decken oder Küchentücher, die es nur bei ihm und nirgendwo sonst zu kaufen gibt.
Was das Dürerhaus Kühn aber genauso einzigartig macht, ist die Tatsache, dass dort Tradition ungebremst auf Neuzeit prallt. Denn das zweite Standbein des Ladens ist der Ticket- und Kartenverkauf für Konzerte und Veranstaltungen mit den »hippesten« und angesagtesten Künstlern in den modernsten Hallen und Stadien. So verkauft Horst Wißner zum Beispiel Eintrittskarten für die deutsche Newcomer-Band »Unheilig« ebenso wie für Schlager-Legende Udo Jürgens, für Weltstars wie U2 wie für lokale Künstler à la Henni Nachtsheim, für Sportevents in der Fußball-Bundesliga wie im Handball. Dabei kennt der Gießener sehr viele Konzert- und Sporthallen aus eigener Erfahrung und weiß, wo die besten Plätze sind. Auch Sonderwünsche - etwa nach einem geeigneten Platz für Rollstuhlfahrer - kann er mühelos erfüllen.
Bleibt der Kartenverkauf für Wißner das ganze Jahr über ein wichtiger Umsatzgarant, so wird das Kunsthandwerk vor allem in der Vorweihnachtszeit stark nachgefragt. Viele Menschen steuern dann auf der Suche nach einem originellen Geschenk gezielt das Dürerhaus an. Die Symbole Steckenpferd, Spindel, Krug und Leuchter auf dem handgeschmiedeten Firmenschild aus dem Jahr 1935, das auch heute noch vor der gelben Markise am Ladeneingang hängt, weisen auf das traditionelle Sortiment hin, das schon Gründerin Auguste Kühn (sie starb 1983) mit ihrer Schwester Emmy vor über 80 Jahren feilbot.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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