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Droht der Uni-Medizin»unbeherrschbares Defizit«?

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Artikel vom 19.12.2013 - 08.49 Uhr

Droht der Uni-Medizin»unbeherrschbares Defizit«?

Gießen (pd). Die angespannte Finanzlage des Fachbereichs Medizin an der Justus-Liebig-Universität war am Mittwoch Thema im Uni-Senat. Zugleich setzten sich Studenten mit einer Blutspendeaktion für eine bessere Ausstattung ein.

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Viele Studenten waren gestern dem Aufruf »Bluten für die Uni« gefolgt. (Foto: pd)
Finanziell mag es nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein sein. Der Symbolwert, den das Aktionsbündnis »Medizinstudierende gegen die Finanznot der Hochschulmedizin« am Mittwoch mit der Sammlung von mehr als 3600 Euro beisteuerte, ist jedoch enorm. Rund 250 angehende Ärzte folgten dem Aufruf »Bluten für die Uni«, etwa zwei Drittel wurden schließlich zur Spende an der Blutbank zugelassen. Anlass der Aktion war die prekäre Finanzsituation des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität (die GAZ berichtete). Im laufenden Haushaltsjahr habe man eine schwarze Null schreiben können, weil der Fachbereich Rücklagen aufgelöst habe, 2014 werde es ein »unbeherrschbares Defizit« geben, prognostizierte Tim Steinwede vom Aktionsbündnis im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Rund 9,6 Millionen Euro würden der Fakultät im kommenden Jahr fehlen, hieß es auf einem Flugblatt. Die defizitäre Haushaltslage bedrohe akut die Lehre am Fachbereich Medizin und damit mittel- und langfristig auch die Ausbildung der künftigen Ärzte. Zu der mehrstündigen Aktion der Studenten auf dem Klinikumsgelände gehörten musikalische Einlagen sowie Kuchen, Obst und Grillgut für die zahlreichen Blutspender.

Forderung: Mehr Landesmittel

Nicht ganz so stimmungsvoll wurde die finanzielle Schieflage der Medizin am Nachmittag in der Sitzung des Senats der Universität erörtert. Eine Bestandsaufnahme der Situation am Fachbereich gab Prof. Joybrato Mukherjee. Dazu blickte er zunächst zurück. Der Universitätspräsident erinnerte an die Verhängung einer Haushaltssperre im Frühjahr, die im Juni durch Bewirtschaftungsauflagen ersetzt worden sei. Im Juli habe der Fachbereichsrat Medizin eine Strukturkommission eingerichtet. Seit dem Sommer habe es fünf Sitzungen des Gremiums mit Präsident und Kanzler gegeben. Der Budgetplan für 2013 weise einen Verlust von 4,9 Millionen Euro zum Jahresende aus. Ziel für das kommende Jahr müsse es sein, »das Defizit im besten Falle unter dem aktuellen zu halten«.

Zu den Gründen für die finanziell schwierige Situation am Fachbereich zählte Mukherjee auch die für Gießen negative Entwicklung der Landesmittel. Habe der Anteil für die Gießener Hochschulmedizin aus dem Medizincluster 2009 noch bei 31,2 Prozent gelegen, so erhalte man inzwischen weniger als 30 Prozent aus diesem Topf. Hier habe sich in den vergangenen Jahren eine Verschiebung zugunsten der Frankfurter Goethe-Universität ergeben. Mukherjee forderte die Korrektur dieser »Fehlentwicklungen«.

Mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg gebe es Vereinbarungen zur Anpassung des Personalkontingents auf der Grundlage des Kooperationsvertrags. Eine Strukturkommission habe die Aufgabe, einen »Konsolidierungspfad« für die Jahre 2014 bis 2017/18 festzulegen. Dazu gehöre die Anpassung von Strukturen und Stellenplänen am Fachbereich Medizin. Vorrang habe die Sicherstellung der Lehre, die Einhaltung rechtlicher Zusagen und Bindungen sowie familienpolitischer Maßnahmen, so Mukherjee. Das Uni-Präsidium habe in Absprache mit dem Dekanat des Fachbereichs ein Forum Medizinentwicklung eingerichtet, das erstmals am 15. Januar stattfinden soll.

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Artikel vom 19.12.2013 - 08.49 Uhr
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