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Drama um Spenderherz für kleinen Muhammet

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Artikel vom 02.08.2014 - 10.00 Uhr

Drama um Spenderherz für kleinen Muhammet

Gießen (ta). Das Universitätsklinikum Gießen sieht sich seit etwa zwei Wochen heftiger Kritik im Internet ausgesetzt. Vor allem auf Facebook wird kritisiert, dass eine Herztransplantation für den 22 Monate alten Muhammet Eren abgelehnt wird.

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© Red
Nachdem nun nach langem Zögern die Eltern des Kleinkindes das Kinderherzzentrum von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden haben, können die Ärzte sich endlich wehren und klarstellen, dass sie an die deutsche Gesetzeslage gebunden sind. Die sagt eindeutig: Wenn ein anderes Organ geschädigt ist, kann kein Spenderherz eingesetzt werden. Eren hat jedoch eine schwere Hirnschädigung erlitten, bevor er nach Deutschland transportiert wurde.

Muhammet Eren leidet seit der frühen Säuglingszeit infolge einer Herzmuskelerkrankung an einer fortschreitenden Herzschwäche. Der tragische Fall wurde Ende 2013 in der Türkei durch die Tageszeitung »Hürriyet« bekannt. Sie rief ihre Leser zu einer Spendensammlung für eine Herztransplantation auf, die rund 400 000 Euro erbrachte. Auf Wunsch der Eltern sollte diese Transplantation im Kinderherzzentrum Gießen erfolgen.

Kurz vor dem Transport nach Deutschland kam es allerdings in der Heimat des Jungen zu einem etwa halbstündigen Kreislaufstillstand, der eine längere Phase an Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig machte. Bei der Ankunft in Gießen am 31. März war die Herzkreislaufsituation weiterhin instabil (kardiogener Schock). Die Ärzte mussten Notfallmaßnahmen ergreifen, um das Leben von Muhammet Eren zu retten. Seitdem ist der Junge an ein Kunstherz angeschlossen.

Die weiteren Untersuchungen ergaben allerdings, dass Muhammet – höchstwahrscheinlich durch die langen und zum Teil auch unkontrollierten Wiederbelebungsmaßnahmen – eine irreversible Hirnschädigung erlitten hat, verursacht durch die verminderte Durchblutung und den dadurch herabgesetzten Sauerstoffgehalt in dem Organ. Diese Hirnschädigung wurde von internen und später extern hinzugezogenen Experten beurteilt. Dabei stellte sich heraus, dass das Kind womöglich auch an einer familiär bedingten Herzmuskelschwäche mit Skelettmuskelbeteiligung (Verdacht auf Mitochondriopathie) leidet.

An Transplantationsgesetz gebunden

Damit war für alle beteiligten Ärzte klar: Der dauerhafte Hirnschaden ist eine Kontraindikation für eine Herztransplantation. Das Gießener Uniklinikum hält sich bei dieser Entscheidung strikt an das Transplantationsgesetz und die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Aufnahme von Herzpatienten in die Warteliste.



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Artikel vom 02.08.2014 - 10.00 Uhr
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Leserkommentare
(07.08.2014 00:05)
Ingrid1
Viele Fragen
Warum wurde die Transplantation nicht in der Türkei durchgeführt? Warum ist es in der Türkei durch Mangelversorgung zu einer Hirnschädigung gekommen? Und in Umkehrschluss: Wäre die Versorgung eines herztransplantierten Patienten gewährleistet?
Es stehen sehr wenige Organe zur Transplantation zur Verfügung. Auch hier sollte es keine Schuldzuweisungen geben. Es ist die überdachte Entscheidung jedes Individuums, sich für oder gegen Organspenden zu entscheiden.
Traurig und erschütternd zugleich ist es, dass eine solche Operation, die in jedem Land Europas State of the art ist, in der Türkei nicht durchgeführt werden kann.
Ich verstehe durchaus die Verzweiflung von Eltern, deren Kind dringend ein Spenderorgan braucht. Aber es gibt einen klaren gesetzlichen Rahmen. Bitter für die Eltern, mein Mitgefühl ist bei ihnen. Tauschen möchte ich nicht.
(05.08.2014 18:26)
history99
"Verweigert"?
Den Begriff "verweigert" finde ich in diesem Zshg. völlig unangemessen: Schließlich geht es überhaupt nicht darum, einem bestimmten Patienten die Transplantation zu verweigern. Vielmehr geht es darum, zu entscheiden, wer eines der *wenigen* Spenderorgane bekommt. Der Skandal liegt darin, dass gerade in Deutschland die Bereitschaft zur Organspende minimal ist. Ich möchte nicht entscheiden müssen, welcher von vielleicht 10 Patienten das eine verfügbare Organ bekommt. Schließlich bedeutet die Entscheidung, dem einen eine Überlebenschance zu geben, gleichzeitig auch, die anderen elend sterben lassen zu *müssen*. Wenn die Bereitschaft selbstverständlich wäre, gäbe es bei manchen Organen vielleicht gar keine solche Warteliste. Der zweite Skandal ist, dass die Eltern die Kosten tragen müssen. Das hat aber der türkische Staat zu verantworten, wenn er kein angemessenes Krankenversicherungssystem hin bekommten sollte, nicht das betreffende Krankenhaus. Und: Woher kommt eigentlich die Erwartungshaltung, man müsse nur das Geld aufbringen, und dann kommt man völlig ohne Berücksichtigung der med. Umstände auf die Warteliste. Sind die Plätze dort käuflich?
(05.08.2014 12:17)
Max Mustermann
@EinSchwätzer
Arbeiten Sie im medizinischen Bereich und haben häufiger Kontakt mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturbereichen? Ich schon.
Dabei geht es nicht darum, dass Menschen anderer Kulturkreise schlechte Menschen wären oder sonst irgendwas, was rechtes Gesocks in diesem Zusammenhang gerne mal äußert.
Es geht darum, dass einige der Leute aus dem genannten Kulturkreis häufig äußerst aufbrausend und unverständig reagieren und dabei auch gerne mal zur Aggression gegenüber dem schuldlosen Personal neigen. Das darf man selbstverständlich nicht verallgemeinern, ist aber nicht durch Zufall häufiger zu beobachten.
Man muss bei solchen Aussagen sehr genau die Grenzen zu Äußerungen aus dem rechten Spektrum ziehen. Durch bloßes Leugnen verschlimmert man solche Probleme aber eher.
PS: Falls Sie nicht wissen wo Süden liegt, einfach mal einen Kompass nutzen. ;-)
(05.08.2014 09:54)
EinSchwätzer
Diese Südländer..tststs
Ach dieses "südländische Temperament"...
Bei solchen Formulierungen schlägt gleich mal mein MITTELHESSISCHES TEMPERAMENT durch!
P.S. Wo liegt dieses "Südland" überhaupt?
(03.08.2014 22:31)
Engel27
@max Mustermann
Den passenden link dazu habe ich vorhin gepostet!!!!
(03.08.2014 22:28)
Engel27
Hier bitteschön....
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/organspenden-verweigerte-herztransplantation-loest-debatte-aus-1.2073245
Bitteschön. Da steht es, was Franke behauptet! Ein Hintergrundbericht einer Ìberregionalen Zeitung zu dieser Sache.
(02.08.2014 23:45)
Mit Herz
Schwere Hirnschädigung????
Aufgrund der schweren Hirnschädigung sollte dieser kleiner starker Mann laut Ärzte taub und blind sein. Aber er sieht, hört, kennt die Eltern und kann sogar lachen trotz seinen Schmerzen. Eine 20 prozentige Hirnschädigung wurde festgestellt. Was ist schon 20 Prozent bei einem Kind??? Auch wenn ich nicht vom Fach bin, kann ich sagen, dass 20 Prozent keine schwere Hirnschädigung ist. Warum wurde er zweimal operiert und an ein Kunstherz angeschlossen, wenn sie wussten, dass er keine Chance hat, auf die Liste zu kommen? Um sein Leben zu retten???? Nein ganz bestimmt nicht!
(02.08.2014 22:31)
Ungehalten
@franke
ihre voreilig feche vermutungen versus gesetzlicher vorgaben, -gehören-gelöscht.
(02.08.2014 18:52)
Max Mustermann
@Franke
Gibt es für diese Unterstellung irgendwelche näheren Anhaltspunkte? Ansonsten sollte man die für sich behalten.
Dramatischer ist in meinen Augen, dass die Klinik Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, weil südländisches Temperament die Mitarbeiter bedroht. Und warum? Weil man nicht in der Lage ist gesetzliche Rahmenbedingungen zu begreifen.
(02.08.2014 15:09)
Franke
OP-Preis steigt häppchenweise
In Ihrem Bericht über den Fall des türkischen Jungen , dem vom UGKM die Herztransplantation verweigert wird, fehlt dich wichtige und pikante Information , dass das Klinikum den Preis für die Behandlung von anfänglich 178.000 Euro stückweise auf zuletzt 400.000 Euro hochgesetzt hat. Wie es zu den steigenden Vorauszahlungsforderungen auf das Doppelte gekommen ist, darüber erklärt sich das Klinikum nicht. Böse Zungen könnten annehmen, dass dieses Vorgehen Methode hat, um die Eltern des Kindes von einer OP abzubringen und die finanzielle Schmerzgrenze zu testen. Das wäre perfide.
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