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Der Schlammbeiser hat die Narrenbühne verlassen

Artikel vom 14.01.2012 - 16.30 Uhr

Der Schlammbeiser hat die Narrenbühne verlassen

Gießen (ta). Als 2011 der Auftritt des Schlammbeisers bei der GFV-Prunksitzung unangekündigt ausfiel, hieß es Axel Pfeffer pausiere aus privaten Gründen; 2012 werde er wieder zu erleben sein.Doch das war nur die offizielle Version. Tatsächlich hatte sich Pfffer damals bereits innerlich und endgültig von der Narrenbühne verabschiedet.

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Eine sozusagen historische Aufnahme: Axel Pfeffer bei seiner letzten GFV-Prunksitzung im Februar 2010. (Foto: srs)
Das bedeutet: Wenn bei der Prunksitzung am 18. Februar das Finale um Mitternacht näherrückt, dann wird das treue Publikum nicht den gewohnten Höhepunkt des Programms erleben

Nach über zwei Jahrzehnten und exakt 19 Aufritten endet damit eine Ära in der Gießener Narretei. Über die Gründe, warum er sich zurückgezogen hat, mag Axel Pfeffer, der auch als langjähriger Senats- und Sitzungspräsident große Meriten in der Gießener Fassenachts-Vereinigung erworben hatte, nicht öffentlich sprechen. Doch offenbar hat der Handwerksmeister den Eindruck gewonnen, dass der Schlammbeiser und dessen stadtpolitische Themen bei einem Teil des Publikums und auch in der GFV-Führung nicht mehr so gefragt sind wie früher. Letztlich dürfte es sich auch um ein Generationsproblem handeln –Pfeffer ist inzwischen 67.

Begonnen hatte die Tradition der Schlammbeiser-Auftritte im Jahr 1989. Damals war der amtierende Sitzungspräsident, der zuvor in anderen Rollen auf der Narrenbühne aktiv gewesen war, zu vorgerückter Stunde plötzlich in einem Kostüm auf der Bühne erschienen, das für gut zwei Jahrzehnte zu seinem Markenzeichen werden sollte: Mit weißblauem Hemd, rotem Schal, hochgekrempelter Arbeitshose, Schiebermütze und Gummistiefeln, dazu die Arbeitsgeräte des einstigen Gießener Schlamp-Eisers, eine lange Eisenstange und ein Holzeimer.

Als Verkörperung des historisch verbürgten Fäkalienholers, der mit der Stange die Abort-Kübel aus den engen Gassen zwischen den Wohnhäuser gezogen hatte, profilierte sich Axel Pfeffer, indem er mit feiner und manchmal auch derber Ironie das Stadtgeschehen durch den Kakao zog. Seine Wanderung zwischen Klamauk und Satire begleitete er mit einer unnachahmlichen Gestik und Mimik. Die »Opfer« aus der Kommunalpolitik im Publikum sprach er dabei gern direkt an, aber nie verletzend oder hämisch. Der tosende Beifall hinterher bewies, dass die Sitzungsbesucher sich köstlich amüsiert hatten.

Die alljährlichen Auftritte pflegte der Hobbykomödiant, der für viele nur » der Axel« heißt, in den Wochen zuvor zwar sorgsam einzustudieren, Aber auf der Bühne (oder genauer: auf dem Podest) reagierte er dann oft auch spontan und hielt sich nicht an die aufgeschriebene Reihenfolge der Pointen. So brachte er Ehefrau Marga, die ihm stets in der ersten Reihe die Zettel mit den groß geschriebenen Stichworten entgegen hielt, regelmäßig an den Rand der Verzweiflung.



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Artikel vom 14.01.2012 - 16.30 Uhr
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