Das Kinder- und Jugendtelefon Gießen feierte 30-jähriges Bestehen
Gießen (gen). Kaum aufgelegt, und es klingelt schon wieder, pausenlos - 11 061 Mal war 2008 die »Nummer gegen Kummer« gefragt. Grund genug für das Kinder- und Jugendtelefon Gießen, zusammen mit dem Trägerverein »Eltern helfen Eltern« und deren Vorsitzender Annette Tegethoff sein 30-jähriges Bestehen zu feiern.
Das Kinder- und Jugendtelefon Gießen feiert seinen 30. Geburtstag - hier mit der Leiterin Kerstin Preiß und Prof. Ralph Dawirs, dessen Vortrag auf großes Interesse stieß. (Foto: gen)
Die Veranstaltung fand am Freitag im Alten Schloss statt. Am 4. Dezember folgt ein Benefizkonzert im Rathaus.
Armut, Gewalt, Missbrauch, Einsamkeit, Mobbing, Angst vor der Schule oder Probleme mit der ersten großen Liebe: Das sind nur einige der Gründe, die Kinder und Jugendliche zum Telefon greifen lassen. Oft haben sie niemand in ihrem Umfeld, mit dem sie über ihre Probleme reden können, ohne weitere Schwierigkeiten befürchten zu müssen. Beim Kinder- und Jugendtelefon dagegen warten geschulte Beraterinnen und Berater, und der Anruf ist anonym und kostenlos. Er taucht nicht einmal auf der Telefonrechnung auf. Es lohnt sich also, die Nummer bekannt zu machen: 0800/111 03 3.
Dafür warb Kerstin Preiß, die Leiterin des Kinder- und Jugendtelefons Gießen, in ihrer Begrüßungsansprache. Ihr Dank galt insbesondere den Ehrenamtlichen, die in der Regel zweieinhalb Stunden alle 14 Tage zum Einsatz kommen. Dieser Dienst sei sehr anstrengend und persönlich oft so belastend, dass eine Supervision Pflicht sei und gern in Anspruch genommen werde.
Wegen der zugesicherten Anonymität fehlten auch direkte Rückmeldungen. Umso dankbarer sei man daher für den Brief einer Beobachterin: Sie schildert, wie ein Junge nur noch habe sterben wollen. Warum, hätten weder die Mutter noch der Lehrer herausgefunden. Auch einige Tage in einer Klinik, wo der Junge nur ruhig gestellt worden sei, hätten keine Hilfe gebracht. Gut sei es ihm erst wieder nach einem Anruf beim Kinder- und Jugendtelefon gegangen. »Ich habe nur geredet!«, so die einzige Erklärung.
Zu den Gratulanten gehörten Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich als Jugenddezernentin der Stadt, Kreisbeigeordneter Rolf-Dieter Beinhoff sowie Marie-Luise Kohnhorst aus dem Bundesvorstand von »Nummer gegen Kummer« und Verone Schöninger, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hessen. Von der Entstehung und Entwicklung des Gießener Kinder- und Jugendtelefons erzählten Pionierinnen in einer Talkrunde. Eine verkehrte Welt der Familienrollen präsentierte der knapp 15-jährige Jörg Müller als Marvin in einem Sketch.
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