Gießen (if). »Schwarze Mamba« nennen Insider eher scherzhaft das Endoskop, das zur Inspektion des Dickdarms eingesetzt wird. Doch die Bezeichnung ist irreführend: Während der Biss der größten afrikanischen Giftnatter lebensgefährlich ist, vermag das bei der Darmspiegelung eingesetzte Endoskop über Erkennung und Entfernung von Krebsvorstufen und über die Früherkennung von Darmkrebs Leben zu retten.
Oberarzt Dr. Stertmann (l.) - hier mit Dr. Peter Collet - wurde für 25-jährige Organisation und Moderation der Fortbildungsveranstaltungen der Bezirksärztekammer geehrt. (Foto: if)
Das haben die Daten bestätigt, die dieser Tage bei der alljährlichen Fortbildungsveranstaltung der Bezirksärztekammer in Verbindung mit der Klinik für Allgemein-,Viszeral- und Thoraxchirurgie des Uniklinikums (Direktor Prof. Winfried Padberg) im früheren Sporthotel Wettenberg genannt wurden.
Die bisher gewonnenen Ergebnisse der seit 2002 eingeführten Regelung, wonach gesetzlich Versicherte ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine vorsorgliche Koloskopie haben, belegen: Darmkrebs - einst als schicksalhaft unheilbar gefürchtet - hat umso bessere Heilungsaussichten, je frühzeitiger er erkannt wird. Daher sollte künftig die vorsorgliche Darmspiegelung bereits ab dem 50.Lebensjahr angeboten werden. Zugleich gelte es, noch mehr Anspruchsberechtigten zu einer Teilnahme zu motivieren: »So könnten weitere 1000 der heute noch immer jährlich 6000 Darmkrebs-Todesfälle in Deutschland verhindert werden«.
Eingeführt durch den Vorsitzenden der Bezirksärztekammer, Dr. Edgar Pinkowski, gab einleitend Dr. Manfred Leistner (Mittelhessisches Darmzentrum) einen Überblick über die derzeitige Situation: Seit 2002 haben 2,8 Millionen gesetzlich Versicherte die Möglichkeit der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen, dabei wurden bei 33 000 Untersuchten fortgeschrittene Adenome - Krebsvorstufen - sowie in insgesamt 5104 Fällen »kolorektale Karzinome« diagnostiziert: Das Durchschnittsalter der Patienten -Männer und Frauen nahezu gleich - betrug dabei rund 69 Jahre. Um noch immer bestehende Ängste vor der Untersuchung abzubauen, sprach sich Dr. Leistner für eine verstärkte Information aus. Er zitierte dabei eine Befragung von Teilnehmern an der Vorsorgeuntersuchung: 94 Prozent würden sie weiterempfehlen oder wieder durchführen lassen.
Auf die Besonderheiten des erblich bedingten Darmkrebs-Risikos, das in rund sechs Prozent aller Erkrankungen vorliegt, ging danach der Leiter der Inneren Abteilung des Evangelischen Krankenhauses, Dr. Henning Schnell-Kretschmer, ein: Heute weiß man, dass ein familiär gehäuftes Auftreten auf inaktivierten »Krebs-Reparaturgenen« beruht. Dr. Peter Collet, der vom größten deutschen Endoskopiezentrum in Mannheim vor kurzem an die Gießener Unichirurgie wechselte, wies nachdrücklich darauf hin, dass nicht nur Vorstufen, sondern selbst frühe Karzinome endoskopisch behandelt werden können, während der Anästhesist Dr. Christoph Lichtenstein das Prinzip der „Fast-track«- Chirurgie zur Senkung von Verweildauer und Morbidität, zu Stress- und Schmerzreduktion, erläuterte und Dr. J. Rohlfs Möglichkeiten des Komplikationsmanagements darstellte. Was schließlich speziell die Behandlung des Rektum-Karzinoms - des Enddarm-Krebses - angeht, unterstrich Dr. W. Schief die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit aller beteiligten Disziplinen, vom Hausarzt über den »Endoskopiker«, den Chirurgen, Onkologen, Radiologen und Pathologen. Mit der Ehrung von Oberarzt Dr. Wilhelm Alfred Stertmann, der seit 25 Jahren die beliebten gemeinsamen Informationsveranstaltungen organisiert und moderiert, klang der Abend aus.
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