Gießen (ck). Aus der Decke hängen Kabel, der Boden ist noch nicht montiert, in den Wänden warten Löcher auf die zugehörigen Steckdosen, überall liegen Baumaterialien herum, Handwerker eilen - Ameisen gleich - durch das ganze Gebäude: Und das alles soll in rund vier Wochen fertig sein? »Ja, wir wollen das ›Dach-Café‹ noch im Juli öffnen«, sagt Ali Rashidi.
Obwohl noch viele Arbeiten erledigt werden müssen, hat Ali Rashidi gut lachen: In wenigen Wochen möchte er das am 1. März 2008 geschlossene »Dach-Café« wieder eröffnen. (Foto: Schepp)
Der neue Pächter von Gießens höchst gelegener Gastronomie klingt zuversichtlich, denn er weiß, wie ungeduldig die Gießener nach gut zweijähriger Schließung auf die Wiedereröffnung des Wahrzeichens warten.
Und wie sieht das Konzept aus? »Optisch ist vieles ganz neu, also mehr auf die heutige Zeit bezogen; inhaltlich bleibt im Wesentlichen alles beim Alten.« Womit Rashidi vor allem den Gerüchten entgegen treten möchte, die behaupten, dass das »Dach-Café« künftig in erster Linie dem jüngeren Publikum vorbehalten bleiben soll. »Was gut war, bleibt erhalten. Bei mit werden alle Generationen willkommen sein, und das kulinarische Angebot wird vom Frühstück bis zum ›Absacker‹ kurz vor dem Zubettgehen alles umfassen, was man sich vorstellen kann.« Und damit auch die bei vielen Älteren beliebte Kombination aus Kaffee und Kuchen zur Nachmittagszeit. Garant dafür, dass die Kuchen und Torten die von früher gewohnte Qualität haben, ist Dieter Koch, dem Haus seit Jahrzehnten verbunden und auch bei Rashidi wieder Chef in der Backstube im zwölften Stock.
Von dort aus gelangen die Back- und Konditoreiwaren auch in das Kaffee im Erdgeschoss, früher als »Kuchenladen« bekannt. »Heute heißt alles ›Dach-Café‹, weil es sich um eine Einheit handelt.« Womit bereits eine der Änderungen in den Plänen des neuen Pächters angesprochen wäre, seitdem die Wohnbau Gießen GmbH als Eigentümerin des Hauses bei ihm zwecks Abschluss eines Pachtvertrags angefragt hatte. »Anfangs war nur eine neue Möblierung für das Restaurant im Gespräch, dann entschied sich die Wohnbau für eine Komplettsanierung, was mir die Möglichkeit bot, viele eigene Ideen in das Projekt mit einzubringen.« Und schließlich stand er vor der Wahl, das Café im Erdgeschoss zu verpachten oder selbst zu betreiben, woran er zuvor keinen Gedanken verschwendet hatte. »Doch hätte der Pächter Schiffbruch erlitten, hätte er damit meine Backstube in Gefahr gebracht. Also mache ich es selbst«, so die Entscheidung des Gastronomen, der sich in Gießen bereits als Chef des »News Cafè« in der Plockstraße und des »Melchiors« in der Ludwigstraße einen guten Namen gemacht hat.
Rund zwei Jahre Planung und Arbeit stecken in dem Projekt, das Rashidi immer mehr ans Herz gewachsen ist. »Es gibt in Gießen einfach Restaurants, die erhalten werden müssen. Und das Dach-Café steht auf der Liste ganz vorne.« Und wenn man von der neuen, 200 Quadratmeter großen Freiterrasse im 14. Stock oder durch die nun in ganzer Höhe verglasten Wände des Restaurants eine Etage tiefer seine Blicke über Gießen und darüber hinaus schweifen lässt, versteht man, warum ihm dieses Objekt so wichtig ist. Das Panorama ist geradezu überwältigend.
Apropos Restaurant: Im Vergleich zu früher wirkt es nun viel großzügiger, nachdem Wände herausgebrochen und zum Teil durch Säulen ersetzt wurden. In dem vom Fahrstuhl aus linken Bereich wird eine Bar mit eigener Theke eingerichtet, in der Cocktail-Liebhaber bis in die späte Nacht auf ihre Kosten kommen sollen. Die Kuchentheke ist ein Stück Richtung Küche gerückt worden, sodass im Restaurant mehr Platz entstanden ist. Ausreichende Flächen für Familienfeiern sind nach wie vor vorhanden.
Rund 20 festangestellte Mitarbeiter werden nach der Eröffnung für das Wohl der Gäste sorgen, mit weiteren 30 bis 40 Aushilfskräften rechnet Rashidi. Wann genau der Eröffnungstermin sein wird, kann er noch nicht genau sagen. Doch dass es möglichst schnell gehen sollte, ist ihm klar. Denn die Gießener warten darauf...
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