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Clearinggruppe wächst derzeit auf 39 Plätze

Artikel vom 03.09.2010 - 08.00 Uhr

Clearinggruppe wächst derzeit auf 39 Plätze

Gießen (kw). Staatssekretärin Petra Müller-Klepper lobte bei Besuch die Caritas-Einrichtung für junge Flüchtlinge.
Gegen finanzielle Kürzungen im Sozialbereich sprach sich die CDU-Politikerin Petra Müller-Klepper aus.
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Gegen finanzielle Kürzungen im Sozialbereich sprach sich die CDU-Politikerin Petra Müller-Klepper aus.
»Junge Menschen mit einem schweren Schicksal werden hier angenommen und ganzheitlich gefördert. Wir als Politik können sehr dankbar sein, dass wir den Caritasverband als Partner haben. Die Kooperation hat sich bewährt und hervorragend entwickelt.« Voll des Lobes war Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, am Donnerstag nach einem Besuch in der Clearinggruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Diese platzt aus allen Nähten (die AZ berichtete). Die CDU-Politikerin unterstützte nicht nur ausdrücklich die Erweiterungspläne. Sie sprach sich auch grundsätzlich gegen finanzielle Kürzungen im Sozialbereich aus.

Die Staatssekretärin versprach den Caritasdirektoren Eva Hofmann und Joachim Tschakert darüber hinaus mehr Druck auf diejenigen hessischen Kreise, die zur Zeit ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, die jungen Flüchtlinge ihrer Quote gemäß aufzunehmen. Es habe darüber Gespräche im Landkreistag gegeben. Wer sich bis November nicht bereit erkläre, bekomme die Jugendlichen »zugewiesen«, erklärte Müller-Klepper. Diese Solidarität sei unabdingbar.

Die erste Stabilisierung der Jugendlichen nach ihrer Ankunft in Deutschland sowie die Abklärung ihrer Situation ist Aufgabe der Clearinggruppe. Die Erziehungsleiterin Taraneh Ghasemi und Mitarbeiterin Anika Krohn nannten dazu Zahlen. Mit acht Plätzen in einer Wohnung in der Nordstadt begann 2004 die hessenweit zuständige Einrichtung, die zum Kinder- und Jugendheim St. Stephanus gehört. Sie musste immer wieder vergrößert werden, denn die Zahl der jungen Flüchtlinge wuchs rasant: Im ersten Jahr wurden knapp 30 gezählt, 2009 waren es 77, dieses Jahr waren es bis Juli schon 68. Zur Zeit ist wieder eine Erweiterung im Gange, voraussichtlich gibt es ab Herbst 39 Plätze an dann drei Standorten im Stadtgebiet. Bisher wurden insgesamt 328 Jugendliche - davon nur 82 Mädchen - aus 46 Nationen betreut. Sie verbringen zwischen einer Woche und einem halben Jahr in der »Clearinggruppe«. Im Schnitt vergehen derzeit knapp zwei Monate, bis für sie Plätze in Jugendhilfeeinrichtungen gefunden werden.

In dieser Zeit sollen sie zwar keine engen Bindungen an Gießen entwickeln und deshalb beispielsweise nicht in Fußballvereinen mitspielen. Zugleich aber »haben sie ein Recht darauf, zu leben wie normale Kinder und Jugendliche«, betonte St.-Stephanus-Leiter Ulrich Dorweiler. Um einen entsprechend förderlichen Alltag bemühten sich die Sozial- und Diplom-Pädagogen.

Dies sei schwierig vor allem deshalb, weil inzwischen sehr viele - Dorweiler sprach von über 80 Prozent - traumatisiert seien. Das gelte beispielsweise für die vielen Flüchtlinge aus Somalia. Tschakert erzählte von Folter, Peitschenhieben und ausgeschlagenen Zähnen bei Polizei-Verhören. Manche bräuchten schon in der Clearingphase psychiatrische Hilfe. Außerdem belaste ihre unsichere Rechtslage die Jugendlichen. Ghasemi nannte es eine große Erleichterung, dass im Asylverfahren sei Mai auch diejenigen über 16 Jahre in der Regel juristische Unterstützung durch einen so genannten Ergänzungspfleger erhalten.

»Sie haben ein dichtes Netzwerk geknüpft, um für junge Menschen in Not optimale Hilfe zu leisten«, würdigte Müller-Klepper. Aus dem Weltbild der Caritas heraus würden die Flüchtlinge nicht »verwaltet«, sondern als Menschen angenommen, sagte sie nach Gesprächen auch mit Bewohnern. Die »hochwertige und engagierte Arbeit«, die hier wie in vielen anderen Sozialbereichen geleistet werde, verdiene die Unterstützung der Politik. »Auch Sie sind mit dem Herzen dabei«, bescheinigte wiederum der Diözesan-Caritasdirektor Thomas Domnick der Staatssekretärin. (Foto: Schepp)

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Artikel vom 03.09.2010 - 08.00 Uhr
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