Gießen (mö). Noch in diesem Jahr will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das vom Verfall bedrohte Relief auf der Außenmauer der Bergkaserne restaurieren lassen. Dies teilte auf Anfrage dieser Tage der für das ehemalige Bundeswehr-Areal zuständige Objektmanager Michael Hollmann mit.
Vom Verfall bedroht ist das Keramik-Relief des Gießener Künstlers Carl Bourcarde neben der Einfahrt zur früheren Bergkaserne. Jetzt soll das Kulturdenkmal saniert werden. (Foto: Schepp)
»Das wird definitiv noch in diesem Jahr passieren. Der Zustand kann so nicht bleiben«, sagte Hollmann. Ende vergangenen Jahres war der Platz vor dem Kulturdenkmal bereits abgesperrt worden, aber dann verhinderte der Wintereinbruch den Baubeginn.
Die Gießener Kunsthistorikerin Dagmar Klein, die das Relief aus dem Jahr 1938 in ihre Stadtführung zum Thema »Krieg und Frieden« einbezogen hat, freut sich über die Ankündigung der BIMA. »Das wäre schön, wenn es endlich gemacht wird.« Viele kunsthistorisch interessierte Gießener machten sich seit Jahren Sorgen über den Zustand des Reliefs, das bereits Schäden aufweise, berichtete Klein. Auch bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt begrüßt man das Vorhaben der BIMA. Es habe seit Jahren Bestrebungen gegeben, das denkmalgeschützte Objekt zu sichern, sagte der AZ Magistratssprecherin Claudia Boje.
Zugleich warnte Fachfrau Klein hinsichtlich der Darstellung vor vorschnellen Urteilen. »Das ist keine typische Nazi-Kunst, und der Künstler war auch kein Nazi«, betonte die Stadtführerin. Im Gegensatz zu der sonst üblichen monumentalen Größe von Skulpturen und Denkmälern der NS-Zeit behalte das von Carl Bourcarde gefertigte Keramikrelief das »menschliche Maß«. Nach Recherchen Kleins war das Relief im Februar 1938 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Klein vermutet, dass die Kunst-am-Bau-Arbeit von der Firma Gail gespendet wurde. Das Relief zeigt eine Soldatengruppe in mittelalterlich-martialischer Ritterpose und idealisierte Szenen aus dem Leben der Landbevölkerung.
Anders als Klein kommt die Autorin in der 1993 vom Landesamt für Denkmalpflege herausgegebenen Gießener Denkmaltopographie zum Schluss, es handele sich um eine typische Arbeit für die »ideologisierte und instrumentalisierte Kunstauffassung der NS-Zeit« und mithin ein historisch wichtiges Dokument. Die Verfasserin spricht hinsichtlich der Darstellung von einer »Blut-und-Boden-Romantik«, die zwischen Realismus und Monumentalisierung schwanke.
Was den Sachstand zur Weiternutzung des Gesamtareals Bergkaserne betrifft, sagte der AZ Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch, dass derzeit die Erschließungsplanung mit der BIMA abgestimmt werde. Im Vordergrund stehe dabei die Führung der Hauptachse, die zwischen Licher und Grünberger Straße verlaufen soll. Wie berichtet, sieht die Rahmenplanung einen Nutzungsmix aus Wohnen, Dienstleistungen und einem Verbrauchermarkt auf der Konversionsfläche vor. Die Erschließung wird von der Stadt vorfinanziert.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
Marktplatz stellen. Damit soll die Trinkerszene verdrängt werden. Was
halten Sie davon?