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Bouffier:»Es ging uns noch nie so gut«

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Artikel vom 22.03.2012 - 16.34 Uhr

Bouffier:»Es ging uns noch nie so gut«

Gießen-Wieseck (pd). Beim Blick aus dem Fenster des Bürgerhauses bestätigte sich das Veranstaltungsmotto: »Hessen blüht«. Das unterstrich Ministerpräsident Volker Bouffier am Mittwoch auf Einladung der Senioren- und der Frauen-Union beim »politischen Frühstück« in Wieseck.

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Politisches Frühstück mit dem Ministerpräsidenten: Volker Bouffier (M.) wurde von der Vorsitzenden der Frauen-Union, Birgit Otto, und dem Vorsitzenden der Senioren-Union, Prof. Klaus Kramer, begrüßt. (Foto: Schepp)
Die Bilanz der Union gerade in Hessen könne sich sehen lassen. Doch trotz positiver Zahlen in Hessen gebe es noch viel zu verbessern. Am Herzen liegt dem Ministerpräsidenten etwa die Reform der Lehrerausbildung. Lehramtsstudenten sollen künftig früher und intensiver mit der Schulpraxis konfrontiert werden. »Die beginnt derzeit für viele erst nach dem 1. Staatsexamen«, so Bouffier.

Der Ehrenvorsitzende der Kreis-CDU machte aber auch deutlich, dass man für die Umsetzung seines erstmals bei der Präsentation des Entwurfs für ein neues hessisches Schulgesetz Ende Januar vorgelegten Vorstoßes etliche Hürden zu überwinden hat. »Es muss eine Abstimmung geben zwischen Schule und Universität«, sagte Bouffier, dem eine Art Praxissemester im dritten Hochschulsemester vorschwebt. »Die Lehramtsstudenten sollen früh genug merken, ob sie für den Beruf geeignet sind. Sie sollen den schulischen Alltag in Form von Elternabenden und Klassenfahrten mitbekommen.« Bis zur Umsetzung der Reform müssten allerdings noch einige »Eitelkeiten« der Beteiligten überbrückt werden.

»Es ging uns noch nie so gut«, hatte der Ministerpräsident seine Bestandsaufnahme begonnen. Das gelte für Deutschland (»wir werden bewundert von der ganzen Welt«), aber auch für Hessen. Von über 40 000 Bewerbern um einen Ausbildungsplatz hätten weniger als ein Prozent keine Lehrstelle bekommen. Zum Vergleich: In Frankreich seien 30 Prozent der jungen Menschen ohne Job, in Spanien mehr als die Hälfte. In Stadt und Kreis Gießen habe die Arbeitslosigkeit im Vergleich der vergangenen 30 Jahre einen Tiefststand erreicht. Im Regierungsbezirk liege sie bei 5,4 Prozent. Hessen haben die höchste Wirtschaftskraft pro Einwohner – noch vor Bayern und Baden-Württemberg. »Das ist das Ergebnis unserer Arbeit«, lobte der Ministerpräsident die eigene Regierung.

Bouffier legte ein Bekenntnis zum Ausbau des Frankfurter Flughafens ab. Beim Flughafen handele es sich um die größte Betriebsstätte Deutschlands und um den »zentralen Herzmuskel unserer Wirtschaft«. Zwar müsse man auch Beschwerden zum Fluglärm ernst nehmen, dabei aber stets bedenken, »dass dies genau die drei Orte drumherum interessiert«. Er verteidigte die für 2020 anvisierte Schuldenbremse. »Wer immer mehr Schulden macht, ist irgendwann komplett handlungsunfähig.« Die Landesregierung aus CDU und FDP werde ihre Schwerpunkte weiter auf Bildung und Ausbildung legen. Man werde bei der U3-Betreuung bis 2013 die Quote von 35 Prozent erreichen. An den Schulen gebe es »so viele Lehrer wie nie«.

Nach Meldungen aus der Zuhörerschaft, die Öffentlichkeit interessiere sich hauptsächlich für die »Riesenschlagzeilen«, bei denen es in den vergangenen Wochen häufig um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Wulff gegangen sei, appellierte Bouffier an die Mitglieder in den CDU-Ortsverbänden, die richtigen Sachverhalte bekannt zu machen. »Wir müssen den Hintern heben und endlich wieder kämpfen.«

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Artikel vom 22.03.2012 - 16.34 Uhr
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Leserkommentare
(31.03.2012 14:24)
kleinerengel
Politische Lüge
Bouffiers Kommentar zum Flughafenausbau hat offenbar das Ziel, die von den extremen Auswirkungen der stadtnahen 4. Landebahn geplagten zigtausend Menschen öffentlich zu diffamieren.
Wie will Bouffier denn die Beschwerden zum Fluglärm ernst nehmen, wenn er gleichzeitig die Lüge äußert, daß „dies genau die drei Orte drumherum interessiert“? Damit läßt er doch erkennen, wie wenig er sich für die Menschen – und für viele, die von anderen Mißständen in der Region betroffen sind, wie man den Leserkommentaren entnehmen kann - einzusetzen gedenkt.
Bouffier will die hessischen Bürger für dumm verkaufen – das wird ihm aber nicht gelingen. Die Medien berichten seit Monaten darüber, daß jeden Montag Tausende am Frankfurter Flughafen gegen die neue Landebahn demonstrieren, und wer die Bilder im Fernsehen oder in der Zeitung gesehen hat, weiß, daß Dutzende von betroffenen Städten und Gemeinden dabei sind. Allein ca. 63 Bürgerinitiativen gegen Fluglärm sind aktiv, in Hessen, Rheinland-Pfalz und darüber hinaus.
Wer hoch fliegt, kann tief fallen. Für 2013 kann nur gelten: Bouffier muß weg!
(29.03.2012 10:45)
Heiligenthal
Falsche Behauptungen
Ich finde es erschreckend, dass Völker Bouffier hier ohne jeden Kommentar oder eine begleitende Betichterstattung, falsche Aussagen verbreiten kann. Die Behauptungen zum Flughafenausbau sprechen der Realität Hohn. 3 Orte sollen betroffen sein? Betroffen sind Hunderttausende Menschen in den Großstädten Frankfurt, Mainz und Offenbach, dem Norden Darmstadts, dem südliche Rheinhessen, Raunheim, Kelsterbach, Flörsheim, Hochheim. Leider könnte diese Aufzählung weiter gehen! Wir in Rhein-Main können nur hoffen, dass trotz dieser unkritischen Berichtetstattung diese äußerst schwierige Situation auch in Ost- und Nordhessen zur Kenntnis genommen wird.
(28.03.2012 13:18)
HT-Info
Ja liebe Leser
uns ging es noch nie so gut.
Man sollte vielleicht erwähnen, dass Herr Bouffier sein näheres Umfeld mit "uns" meint, nicht die Hessen an sich.
(24.03.2012 15:16)
wolf
Realitätsverlust?
In welcher Welt lebt unser Ministerpräsident eigentlich?
Wenn man liest,
- dass eine Kommune nach der anderen Überlegungen anstellt, unter den 'Rettungsschirm' zu kriechen,
- viele Kommunen und Landkreise bis über die Ohren verschuldet sind,
- Arbeitnehmer auf Kosten der 'Gewinnmaximierung' einiger Aktionäre oder Vorstände (oder wie am Bsp. des Klinikums GI/MR zu Lasten der Patienten-Versorgung) auf die Straße gesetzt werden,
- Zig-Tausende von Haus-Eigentümern im RheinMain-Gebiet wegen massiver Lärm-Belastung durch den Flughafenausbau auf die Straße gehen,
frage ich mich, von welchem 'WolkenKuckucksheim' Herr Bouffier herabgestiegen kommt, um eine solche Aussage zu treffen.
Oder hat er diese Erkenntnis etwa auf dem Golfplatz in der Runde seiner Kabinettsmitglieder gewonnen?
(23.03.2012 17:06)
Nanuk
Schlechte Wahl!
Wie kann man so unverfroren sein und angesichts der absolut angespannten Lage im Klinikum einen solchen Satz absetzen! Hier hat Herr Boeffier aber wirklich garnichts begriffen. Erst verkaufen, das Personal illegal absetzen, dann konstatieren: "Es ging uns noch nie so gut". Das wird sich bei der nächsten Wahl hoffentlich rächen.
(23.03.2012 10:05)
developer
Bouffier im Wunderland
Der Ministerpräsident sollte sich mal nicht unter seines Gleichen feiern lassen, während andere Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre Zukunft haben.
Aber warum eigentlich nicht? Schließlich gehören er und seine Anhänger ja zu denjenigen, die vom Arbeitsplatzabbau am Klinikum noch profitieren, indem dadurch ihre Gewinne maximiert werden.
(23.03.2012 08:29)
HilmarHirnschrodt
Bouffiers Himmelkukuksheim
Mag sein, dass es Volker Bouffier noch nie so gut ging - er ist ja auch noch nicht lange Ministerpräsident und der große Schuldenkrisenkollaps konnte gerade noch mal abgewendet werden; für z.B. die Klinikmitarbeiter Gießen-Marburg, die vielen Leiharbeiter und Niedriglöhner in Deutschland und alle die das Schulden-Schlamassel auszubaden haben, sieht das leider ganz anders aus. Noch lässt es sich für die da oben auf Kosten der Allgemeinheit und der künftigen Generationen prima gut leben - fragt sich nur wie lange noch?
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