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Bewegung kann das Diabetes-Risiko mindern

Artikel vom 14.09.2008 - 21.04 Uhr

Bewegung kann das Diabetes-Risiko mindern

Gießen (if). »Eins - zwei - vier - abtauchen« und »Eins - eins - vier - kicken«: Wer am Samstag zur Morgenstunde einen Blick in den großen Saal der Kongresshalle warf, wähnte sich an fernöstliche Gemeinschaftsgymnastik erinnert. Eine ebenso charmante wie fröhliche Dame kommandierte einige hundert Besucher des »11. Gießener Diabetikertages«, die daraufhin eine Art Schattenboxen vollführten.
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Anja Renfordt, fünffache Kickbox-Weltmeisterin, zeigte zusammen mit den Gastgebern Prof. Reinhard G.Bretzel, Dr. Jutta Liersch und Dr. Michael Eckhard vom Podium aus, dass man selbst sitzend - mit Elementen sogar aus dem Kampfsport - den Rat »Mehr Bewegung im Alltag« befolgen kann. Richtige Bewegung, richtig dosiert, das nahmen alle rund 1200 Besucher der vom Diabetes-Schulungszentrum an der Medizinischen Uniklinik III mit dem Deutschen Diabetikerbund organisierten Veranstaltung mit nach Hause, kann das Diabetes-Risiko wesentlich verringern.

Schirmherr Oberbürgermeister Hans-Peter Haumann begrüßte die Veranstaltung unter der Devise »Diabetes -Risiko Erkennen - Vorbeugen - Gesund leben« ebenso wie deren Initiatoren und die Mitwirkenden aus der Abteilung für Sportmedizin und der Diätschule. Der Direktor der III. Medizinischen Klinik, Prof. Bretzel - eben aus Rom vom Europäischen Diabetikerkongress mit 17 000 Teilnehmern zurück -, betonte die Bedeutung einer angemessenen medikamentösen Diabetes-Behandlung ebenso wie gezielte Strategien zur Vermeidung von Folgeschäden.

Angesichts der weltweit wachsenden Diabetes-Gefährdung sei Handeln angesagt, zitierte Dr. Liersch zum Auftakt der Podiumsdiskussion Kofi Annan, den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Dr. Eckhard, ärztlicher Leiter des Diabetes-Schulungsteams, erwähnte in diesem Zusammenhang, dass der frühere Begriff »Altersdiabetes« für die Zuckerkrankheit vom Typ II mittlerweile überholt ist: Sie macht sich bereits in zunehmend jüngerem Lebensalter bemerkbar. Prof. Stefan Wudy, Leiter des größten hessischen Diabetes-Zentrums für Kinder, das in der Kinderklinik rund 300 zuckerkranke Kinder - normalerweise mit einem Typ-1-Diabetes - betreut, bestätigte: Neuerdings gehört zu seinen Patienten in der Ambulanz ein gutes Dutzend kleiner, meist übergewichtiger »Typ-2-Diabetiker« im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.

Der jüngste Herzinfarkt-Patient, der unlängst auf der Intensivstation des Gießener Uniklinikums lag, war eben 18. Er entpuppte sich als zuckerkrank, ohne es geahnt zu haben. »Diabetes wird oft erst nach Herzinfarkt diagnostiziert«, bestätigte Dr. Siegbert Stracke aus der 1. Medizinischen Klinik (Direktor Prof. Harald Tillmanns): Man merkt nichts, denn Zucker tut nicht weh. Der Kardiologe: »Drei von vier Diabetikern sterben nicht an Diabetes. Sie sterben am Herzinfarkt.« Andererseits: Drei von vier Herzinfarkt-Opfern weisen bereits - vielfach ohne es zu wissen - Störungen des Zuckerstoffwechsels auf. Die bereits bestehende koronare Herzkrankheit ist dann »klinisch stumm«, weil der Zucker nicht nur die Herzmuskelzellen selbst, sondern auch die Nerven des Herzmuskels geschädigt hat und - wenn überhaupt - oft nur gelegentliche Herzstiche eine Gefährdung signalisieren. Treten doch Schmerzen auf, sind sie meist untypisch. Dabei, so hat sich erwiesen, sind die von unerkanntem Diabetes bedingten Gefäßschäden gewöhnlich langstreckig. So sind sie bei gleichzeitig diabetisch verengten Koronarien vielfach nicht mehr durch einen Herzkatheter zu weiten und mit einem Stent zu versorgen. Es wird eine Operation erforderlich.

Den tröstlichen Beweis, dass man bei der richtigen Einstellung nicht nur mit Diabetes gut zurechtkommen, sondern sogar erfolgreich Leistungssport betreiben kann, trat bei den Hörern im Saal wie bei den über 100 Eltern, die selbst aus der weiteren Umgebung mit ihren Diabetes-Kindern ins Kerkrade-Zimmer gekommen waren, Anja Renfordt als »Stargast« der Veranstaltung an. Bei ihr war bereits im Alter von anderthalb Jahren Diabetes diagnostiziert worden. »Bewegung ist immer gut«, befand dazu der Gießener Sportmediziner Prof. F. C. Mooren - nicht ohne bis dahin sportentwöhnte Sechzigjährige allerdings vor der plötzlichen Aufnahme beispielsweise von Marathon zu warnen: »Sport«, so befand er, »soll Freude und Spaß machen und nicht der Leistungsgesellschaft geschuldet sein.« Und wer ein Diabetes-Risiko hat, sollte zuerst den Rat erfahrener Mediziner einholen.

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Artikel vom 14.09.2008 - 21.04 Uhr
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