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Bela B: Volles Haus in den Hessenhallen

Artikel vom 15.11.2009 - 21.00 Uhr

Bela B: Volles Haus in den Hessenhallen

Gießen (axc). Dirk Albert Felsenheimer, besser bekannt als Bela B, ist vor allem bekannt als Schlagzeuger der »Ärzte«. Am Samstag füllte er mit seinen Sprechstundenhilfen »y Los Helmstedt« die Gießener Hessenhallen. Gut 1400 Patienten - die meisten zwischen 15 und 50 - fanden sich ein, darunter etliche mit »Ärzte«-Klamotten am Leib, doch auch viele Fans, die das schwarz-weiße Bela B-Logo mit dem Blitz (Reverenz an die Horrorgenre-Affinität des Chefs) trugen.
Bela (r.) ist der »Human Boss«. Den Jungs der Band bleibt seine Maske.	(Foto: axc)
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Bela (r.) ist der »Human Boss«. Den Jungs der Band bleibt seine Maske. (Foto: axc)
Der 1962 in Berlin geborene Drummer, Sänger und Komponist hatte sich mit seinem CD-Debüt »Bingo« (2006) erstmals aus der kultigen Praxisgemeinschaft gelöst, um mal auf eigene Rechnung zu arbeiten. Kürzlich nun erschien des Teilzeitarztes zweites Solo-Opus unter dem Titel »Code B« - kein Hustenmittel, sondern eine höchst abwechslungsreiche Dosis Rock 'n' Roll mit mehr als nur homöopathischen Anteilen von Punk, Power Pop und New Wave.

Punkt 20.15 Uhr betreten zunächst die fünf von »y Los Helmstedt« das Behandlungszimmer, bevor der Held des Abends, der sich nicht ohne Ironie selbst »Human Boss« nennt, hinter dem Vorhang hervortritt, die Showtreppe hinabsteigt und sich das Mikro greift. Eins ist schnell klar: Nicht Stethoskope, Scheren und Skalpelle sind die Instrumente des Abends, sondern Gitarren, Gitarren und Gitarren. Zu Beginn tragen alle außer Bela selbst - in Anspielung auf das aktuelle CD-Cover - Bela-Masken, und auch sonst herrscht wie in jeder gut geführten Praxis eine strenge Kleiderordnung: Schwarz und Weiß sind die Farben des Abends.

Bela, der das Schlagzeugspiel dem Kollegen Danny Young überlässt und durchweg elektrische und akustische Gitarren bedient, entledigt sich recht fix des gestreiften Jacketts und bestreitet die restlichen gut 100 Minuten in rotem Hemd mit Krawatte. Der Mann ist eben ein echter Rock 'n' Roll-Fan, und so verwundert es nicht, dass Bassist Holly Burnette auch mal (»Nein«) zum Kontrabass greift und die Gitarristen Gary Schmalzl und Olsen Involtini viele kleine, feine Licks und Soli beisteuern, die die Grenzen zwischen Rock'n'Roll und New Wave in Sekundenschnelle verwischen. »Was ist nur los?« ist eine der wenigen Gelegenheiten, zu denen Keyboarderin und Sängerin (Ina) Paule Klink, die man sonst eher als Schauspielerin (»Wilsberg«, »Tatort«) kennt, musikalisch etwas beitragen kann. Als sie ihre zweifellos schöne Haarpracht löst, ist sie mehr mit dem Sortieren derselben als mit dem Tastendrücken beschäftigt. Erst in der zweiten Hälfte des Konzerts spielt sie auch im vorderen Bühnenbereich tanzend wie Duett singend eine Rolle.

Trotz der hervorragenden Abmischung der Sounds von immerhin vier Gitarren (inklusive Bass) bleibt der quirlige Bela B die Hauptperson. Nicht nur seine neuerdings oft in angenehmen tieferen Lagen operierende Stimme kommt charmant rüber (obwohl er kein technisch begnadeter Sänger ist), sondern vor allem sein Umgang mit den Patienten, die jede seiner branchenüblichen An- und Mitmachereien jubelnd mitträgt: Ob er wie bei der Fernsehgymnastik die vierstellige Menge zum punktgenauen Jubeln, zum Hüpfen oder Stillstehen auffordert, ob er sich - natürlich auf Englisch - über deutsche Kollegen amüsiert, die ihre deutschen Fans auf Englisch ansprechen, oder sich laut Gedanken macht, ob er seine Patienten als Freunde bezeichnen darf: Immer ist es eine Mischung aus ironischer Distanz zum Showbusiness und ehrlichem Genießen der Anerkennung als eigenständig praktizierender Solokünstler.

Der Versuch, die rockende Sprechstunde nach 70 Minuten zu beenden, scheitert natürlich kläglich. Zu sechs weiteren Nachbehandlungen, unter anderem mit der aktuellen Single »Altes Arschloch Liebe« und der Ballade »One-Night Stand« im Glitzerkostüm mit Paule Klink sich räkelnd auf der Showtreppe, werden Bela und »y Los Helmstedt« ins Sprechzimmer zurückgejubelt.

Insgesamt eine höchst heilsame Therapie - und das zu 99 Prozent ohne Zutaten aus dem Medizinschrank der »Ärzte«.

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Artikel vom 15.11.2009 - 21.00 Uhr
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