Gießen (pd). In Gießen wird es nach den Sommerferien eine Mittelstufenschule geben. Entsprechende Pläne sollen an der Alexander-von-Humboldt-Schule in der kommenden Woche bei einer Konferenz abgesegnet werden.
»Wir haben gut vorgearbeitet«, ist sich Rektorin Editha Köhler sicher, dass das Kollegium der Haupt- und Realschule den Plänen der Schulleitung folgt.
»Wir kämpfen um unseren Erhalt«, verdeutlichte Köhler die dramatische Situation der Weststadt-Schule, die vor allem aus der schwachen Akzeptanz des Hauptschulzweigs resultiert. Für diese Schulform seien die Anmeldezahlen Jahr für Jahr sehr gering. Das neue Konzept, das am Freitag von Ministerpräsident Roland Koch und Kultusministerin Dorothea Henzler vorgestellt worden war, sieht eine gemeinsame so genannte Aufbaustufe in den Klassen 5 bis 7 vor. Anschließend folgt eine Unterteilung in einen praxisorientierten (Jahrgänge 9 und 10) sowie einen mittleren Bildungsgang (Jahrgänge 8 bis 10). Das Konzept des Landes sieht ferner in der siebten Klasse eine »Kompetenzfeststellung« für jeden Schüler vor. Am Ende der neunten Klasse steht nach wie vor der Hauptschulabschluss, nach der zehn der Realschulabschluss.
An der Alexander-von-Humboldt-Schule hat man bereits zu Schuljahresbeginn die Stufe 5 im Verbund unterrichtet und damit gute Erfahrungen gemacht. »Nachdem wir das angekündigt hatten, haben wir prompt weitere Anmeldungen erhalten«, berichtete die Rektorin. Das Konzept der Landesregierung erinnere sehr an die Förderstufe. »Wenn es dann noch ein Jahr länger geht, finden Eltern das sehr attraktiv.« Allerdings mahnt die AvH-Schulleiterin auch eine Umstellung bei den maximalen Klassengrößen an. Für Mittelstufenschulen soll es eine Klassenhöchstgrenze von 20 Schülern geben. Momentan liege die Obergrenze bei 25 Schülern. Köhler: »Kleinere Klassen wären auch im Hinblick auf unser Einzugsgebiet sehr wichtig.«
Nur am Rande hat sich bisher das Kollegium der Pestalozzischule mit dem Thema beschäftigt. Angelika Gieck als Rektorin der Grundschule mit Förderstufe sowie Haupt- und Realschule kündigte auf Anfrage an, das Konzept der Landesregierung in der nächsten Gesamtkonferenz zu diskutieren. Als Förderstufenschule praktiziere die »Pesta« ohnehin das, was in dem Modell als gemeinsame Aufbaustufe bezeichnet wird. Auch der Unterricht in Jahrgang 7 werde an der Pestalozzischule »sehr offen« gestaltet, sodass es in dieser Stufe problemlos möglich sei, am Unterricht der Realschule teilzunehmen.
Im Bereich des Staatlichen Schulamtes Gießen/Vogelsberg gibt es einige Schulen, die Teile des vom Land vorgestellten Modells bereits umgesetzt haben, berichtete Christoph Fellner von Feldegg. Der stellvertretende Schulamtsleiter nannte die Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar, die die Stufen 5 bis 7 als Eingangsbereich zusammengefasst habe, sowie die Vogelsbergschule in Schotten. Fellner bezeichnete das in Wiesbaden vorgestellte Modell als »ersten Lösungsschritt zur Rettung der Hauptschule«.
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