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Bahnhofstreppe: Gutachter halten »Teilrestaurierung« für möglich

Artikel vom 22.07.2010 - 21.59 Uhr

Bahnhofstreppe: Gutachter halten »Teilrestaurierung« für möglich

Gießen (mö). Die historische Treppe am Bahnhof kann in Teilen restauriert werden und muss nicht komplett nachgebaut werden. Eine Sanierung an Ort und Stelle ist nicht möglich. Das sind die wichtigsten Aussagen des Gutachtens des Karlsruher Büros für Baukonstruktionen, das der Allgemeinen Zeitung vorliegt.
Die Experten aus Karlsruhe untersuchten im vergangenen Dezember die alte Treppe am Bahnhof.	(Foto: Schepp)
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Die Experten aus Karlsruhe untersuchten im vergangenen Dezember die alte Treppe am Bahnhof. (Foto: Schepp)
Das Bauwerk muss mit Beginn der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes abgebaut und zwischengelagert werden. Für eine spätere Wiederverwendung kommen vor allem die historischen Sandsteine in Frage, während die alten Granitstufen nicht zu retten sind. Auch der Unterbau ist schadhaft und sollte aus Stahlbeton neuaufgebaut werden. Das Widerlager der Brücke und die Stützmauern der Treppe sind dagegen intakt. Die Experten hatten das Kulturdenkmal Ende letzten Jahres im Auftrag der Stadt untersucht.

Diese Aussagen decken sich mit den Informationen, die Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch zum Inhalt des bislang nicht veröffentlichten Gutachtens gegeben hat. Rausch sprach stets von der Möglichkeit, nicht schadhafte Steine später wieder einzubauen.

Quantifiziert wird diese Perspektive von den Gutachtern allerdings nicht. Es heißt nur, dass »Originalsteine (...) ohne Probleme dauerhaft restauriert werden können«. Abschnittsweise müsse aber von einer »Erneuerung« ausgegangen werden, insbesondere auf der stark angegriffenen Wetterseite des Bauwerks. Dazu heißt es dann weiter: »Ob einzelne besser erhaltene Zwischenteile verbleiben können oder ob besser ganze Teilabschnitte der Treppenanlage neu hergestellt werden, kann nur in Absprache mit Auftrageber und Denkmalamt im Zuge der Entwurfs- und Ausführungsplanung festgelegt werden.«

Damit fällt bei der Detailplanung des Wiederaufbaus der Unteren Denkmalschutzbehörde eine besondere Rolle zu. Und genau das weckt bei den ehrenamtlichen Denkmalschützern Argwohn, sei die Behörde in Gießen doch Teil des Hochbauamst und damit Rausch unterstellt. Der wiederum habe kein gesteigertes Interesse am Denkmalschutz, wird dem CDU-Stadtrat unterstellt. Kritik an ihm kommt aus den Reihen des städtischen Denkmalbeirats, der bereits vor Wochen monierte, nicht rechtzeitig in die Planung einbezogen worden zu sein. Vorsitzender Peter Diehl bekräftigte diese Kritik dieser Tage in einem Beitrag der »Hessenschau« und sprach von »Missachtung« durch den Magistrat. Andere Mitglieder erinnern sich an eine Sitzung des Beirats von Ende Mai, als es auf Nachfragen zum Thema Bahnhofstreppe an die Fachleute der Stadtverwaltung keine Anworten gegeben habe. Dies sei mit der Bemerkung begründet worden, die Stadt müsse in der Angelegenheit »mit einer Stimme sprechen«. Nach dem Eindruck von Teilnehmern der Runde sei dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde von Rausch ein »Maulkorb« verpasst worden.

Der Fachdezernent wiederum hatte vor der entscheidenden Sitzung des Stadtparlaments am 1. Juli versichert, die Stadt werde den Empfehlungen der Gutachter folgen. Neben dem Wiedereinbau der alten Steine gehört dazu eine exakte Einmessung der »steintechnischen Gesamtkonstruktion«, um den Wiederaufbau möglichst detailgetreu durchführen zu können.

Eine andere Empfehlung der Gutachter ist dagegen bislang nicht öffentlich worden, was daran liegen könnte, dass sie weder der Meinung der überwiegenden Mehrheit im Stadtparlament noch der der Bürgerinitiative, die derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelt, entspricht. Die Experten aus Baden mahnen nämlich an, mit Anpflanzungen in der Nähe der - dann neuen - Treppe zurückhaltend zu sein. Denn andernfalls bestünde die Gefahr, dass das Bauwerk durch Überwucherungen und Wurzeln erneut beschädigt wird. Überhaupt hat das, was die Gießener Verantwortlichen dem Kulturdenkmal, das um 1893 errichtet wurde, in den letzten Jahrzehnten an »Pflege« angedeihen ließen, bei den Gutachtern keinen guten Eindruck hinterlassen. Zitat: »Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die historische Treppenanlage einen › überwucherten‹ Gesamteindruck mit vielen optisch störenden Veränderungen macht. Für Ortsfremde ist die für das Ensemble des Bahnhofes wichtige Treppenanlage derzeit nur eingeschränkt erkennbar.«

Bei den von den Gutachtern geschätzten Kosten in Höhe von knapp 950 000 Euro wurde von einem kompletten Nachbau ausgegangen, da eine Teilrestaurierung nicht teurer käme.

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Artikel vom 22.07.2010 - 21.59 Uhr
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