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Bänninger: Großeinzelhandel wird neu bewertet

Artikel vom 02.12.2009 - 22.15 Uhr

Bänninger: Großeinzelhandel wird neu bewertet

Gießen (mö). Planungsdezernent Thomas Rausch (CDU) rückt von der bisherigen Linie des Magistrats ab, dass in Gießen keine neuen Flächen für großflächigen Einzelhandel mehr ausgewiesen werden sollen.
Eigentümer und Investor Daniel Beitlich vor der Dachlandschaft der Bänninger-Industriebranche. Ab 2011 wollen Beitlich und sein
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Eigentümer und Investor Daniel Beitlich vor der Dachlandschaft der Bänninger-Industriebranche. Ab 2011 wollen Beitlich und sein Partner Martin Bender auf elf Hektar eine Gewerbegebiet mit Einzelhandelsschwerpunkt entwickeln. (Foto: Schepp)
Dieses Thema sei gegenwärtig »anders zu beurteilen als vor acht Jahren«, sagte Rausch am Dienstagabend im parlamentarischen Bau- und Planungsausschuss, der sich mit der Zukunft der rund elf Hektar großen Industriebrache Bänninger befasste. Planungsamt sowie die Investoren Daniel Beitlich und Martin Bender informierten den Fachausschuss über die Rahmenplanung, die unter anderem die Ansiedlung großer Fachmärkte aus dem Bereich Sport und Heimwerkerbedarf sowie kleinere Einheiten vorsieht, auch aus dem Segment Biolebensmittel. Die eigens gegründete Entwicklungsgesellschaft »Schiffenberger Weg« hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, nach dem Planungsjahr 2010 bereits 2011 mit den Erschließungsarbeiten zu beginnen.

Rausch begründete seinen Sinneswandel mit Veränderungen in der gesamten Handelsbranche. Dass die klassischen Warenhauskonzepte in die Krise geraten würden, sei vor Jahren noch nicht absehbar gewesen. Es sein nun einmal eine Tatsache, »dass Karstadt so dasteht, wie es dasteht«. Außerdem werde Gießen als zentrale Stadt zu den Gewinnern des demographischen Wandels gehören und wachsen. Dieser Tatsache und der Nachfrage der Konsumenten nach »neuen Konzepten« müsse Rechnung getragen werden. Gleichwohl sollen auf dem Bänninger-Areal nur »innenstadtverträgliche« Angebote platziert werden. Zu dieser Fragestellung werde ein Gutachten in Auftrag gegeben, kündigte Rausch an und versicherte: »Es wird hier nicht irgendetwas wahllos angesiedelt«.

Investor Beitlich erklärte ohne Umschweife, dass die Erschließung einer Fläche mit einem derartigen Altlastenproblem nur dann refinanziert werden kann, wenn kapitalkräftige Filialisten, die die entsprechenden Grundstückspreise zahlen können, größere Flächen erwerben. Entsprechende Anfragen, darunter vom französischen Sportartikler Decathlon, lägen vor. Aus Sicht von Beitlich ist Gießen mit bestimmten Einzelhandelsangeboten keineswegs überversorgt, so zum Beispiel mit Baumärkten. Es gebe aber auch Interessenten aus dem Gießener Einzelhandel, die sich für das Projekt im Schiffenberger Tal interessierten. Neben dem Einzelhandel sei vorgesehen, anderes Gewerbe und Dienstleister, darunter aus dem Freizeitbereich, auf dem Bänninger-Areal anzusiedeln.

Die »enorme Sanierungsnotwendigkeit« betonte auch Dr. Holger Hölscher vom Planungsamt der Stadt. 31 Verdachtsflächen, darunter Tankstellen, Öltanks, Säurebecken und Formsanddeponien, seien identifiziert worden. Seit 1909 sei auf dem Gelände produziert worden, dies mit entsprechenden Folgen für den Untergrund. Wie Investor Beitlich sagte, muss ein Großteil der Gebäude, die 56 000 Quadratmeter Fläche bedecken, abgerissen werden. Erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden soll die alte Bänninger-Verwaltung samt Kastanienhof und Kriegerdenkmal im Nordwesten des Areals, während der gesamte südöstliche Bereich abgeräumt werden müsse. Ein entsprechender Abrissantrag sei bei der Stadt bereits eingereicht worden.

Was die Verkehrserschließung betrifft, können sich die Investoren eine Nord-Süd-Achse durch das Gebiet vorstellen, die am Sandkauter Weg in einen Kreisverkehr mündet. Mit einer Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) habe man jenen Projektentwickler für die weitere Arbeit verpflichtet, der für die Stadt Gießen bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt hatte, sagte Beitlich.

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Artikel vom 02.12.2009 - 22.15 Uhr
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