Ausstellung »Rosenstraße 76« in der Kongresshalle eröffnet
Gießen (son). Mit einer derart großen Resonanz hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Der kleine Saal in der Kunsthalle der Kongresshalle platzte aus allen Nähten bei der Eröffnung der Ausstellung »Rosenstraße 76«. Schnell wurden noch Stühle herangeschafft, sodass auch ein Teil des großen Saals, in dem die Ausstellung zum Thema häusliche Gewalt selbst beherbergt ist, von den Zuhörern des Auftaktvortrages genutzt werden konnte.
Unter den zahlreichen Gästen bei der Ausstellungseröffnung »Rosenstraße 76« waren auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (l.), Pfarrerin Sylvia Puchert (Geschäftsführende der Ev. Frauen in der EKHN, 2. v. l) und Staatsminister Jürgen Banzer (5. v. r.). (Foto: son)
Zuvor waren die Gäste von Renate Adler vom Stadtverband Gießen der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau begrüßt worden. Adler dankte den zahlreichen Mitstreitern, welche die Ausstellung erst möglich gemacht hätten.
Auch Frauenbeauftragte Ursula Passarge freute sich, dass man in Gießen auf ein breites Netzwerk unterschiedlichster Verbände, Initiativen und Einrichtungen bauen könne. Zum Thema häusliche Gewalt meinte sie: »Ich dachte, ich wüsste schon viel darüber, aber ich habe noch viel dazugelernt und einiges ging mir auch unter die Haut.« Für Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ist häusliche Gewalt kein Randthema. »Die ›Rosenstraße 76‹ kann in jeder Stadt sein, in der eigenen Nachbarschaft.« Man müsse daher eine Kultur des Hinschauens entwickeln, das Thema enttabuisieren, die Gewaltopfer stärken und dazu beitragen, eine zivile, humane Gesellschaft zu stärken. »Dazu kann diese Ausstellung einen wichtigen Beitrag leisten.«
Staatsminister Jürgen Banzer freute sich aufrichtig, Schirmherr der Veranstaltung zu sein und betonte, dass »der Schlag zu Hause« genauso strafbar sei, wie der Schlag auf offener Straße. Pfarrerin Sylvia Puchert von der EKHN glaubte an den besonderen Erfolg der Ausstellung, die den Besucher in eine scheinbar ganz normale Wohnung führe. »Für Opfer häuslicher Gewalt ist das Zuhause keine Heimat mehr, sondern der Ort, an dem sie Angst haben und auf der Hut sein müssen«, machte sie das Beklemmende der Ausstellung deutlich. Dekan Frank-Tilo Becher hoffte, dass die Ausstellung die Besucher für das Thema Gewalt sensibilisiere.
Für die verhinderte Referentin Dr. Monika Schröttle, die sich wissenschaftlich am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung mit dem Thema Häusliche Gewalt beschäftigt, sprangen Passarge und Barbara Heck-Odignal von der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt vom SkF ein und stellten die Ergebnisse von Schröttles Untersuchungen zum Thema »Gewalt gegen Frauen in Deutschland« vor.
»Jede vierte Frau in Deutschland hat oder hatte bereits Erfahrungen mit Häuslicher Gewalt«, sagte Passarge. Rund 10 000 Frauen hatte Schröttle für ihre empirischen Studien befragt. Die Wissenschaftlerin hatte Ausmaß und Formen von Gewalt gegen Frauen untersucht, Schweregrade und Muster von Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen differenziert und Risikofaktoren herausgearbeitet. Erschreckende Erkenntnis: Rund 37 Prozent der Befragten gaben an, Opfer von körperlicher Gewalt zu sein oder gewesen zu sein, 58 Prozent von sexueller Gewalt und 42 Prozent von psychischer Gewalt.
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