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Aufräumarbeiten nach Tornado werden noch Tage dauern

Artikel vom 13.08.2008 - 23.45 Uhr

Aufräumarbeiten nach Tornado werden noch Tage dauern

Gießen (si). Auch am »Tag danach« hat der Tornado, der am frühen Dienstagabend über Gießen gefegt ist, noch den Einsatz vieler Helfer gefordert. Städtische Arbeiter waren ab 6 Uhr morgens damit beschäftigt, umgestürzte Bäume zu beseitigen und Wege zu sichern, auf denen sich das Astwerk teils meterhoch stapelte.
Welche zerstörerische Kraft der Tornado entwickelte, war gestern beispielsweise an der Volkshochschule in der Fröbelstraße zu se
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Welche zerstörerische Kraft der Tornado entwickelte, war gestern beispielsweise an der Volkshochschule in der Fröbelstraße zu sehen.
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Vor allem im besonders stark betroffenen Gebiet rund um die Ludwigstraße mussten sich auch viele Hausbesitzer und Mieter über die Beseitigung der Schäden kümmern. Dachdecker, aber auch Glaser hatten dort alle Hände voll zu tun. Immer noch nicht zu beziffern ist der Sachschaden, den die nur wenige Minuten tobende Windhose angerichtet hat. Er dürfte sich um eine Millionen-Summe handeln. Verletzte gab es offenbar nicht - obwohl sich viele Menschen im Freien befanden und auch etliche Autos beschädigt wurden. Der Tornado hatte sich - wie gestern berichtet - aus südwestlicher Richtung der Stadt genähert. Um 17.45 Uhr entfaltete er seine volle Kraft zunächst über dem Klinikum. Schon dort entwurzelte er Bäume, einer kippte direkt auf die Pforte der Chirurgie. In einem Gebäude drückten die Böen sogar eine Bürowand ein - einer der viele Schäden, die erst gestern vollends sichtbar wurden. Wie mit einem Messerschnitt zog die Windhose dann im weiteren Verlauf über eine nur wenige hundert Meter breite Schneise durch die Ludwigstraße hin zum Alten Friedhof und dann zum Philosophenwald - am Gebäude der Volkshochschule in der Fröbelstraße verursachte er die letzten schweren Schäden. Am Ursulum löste sich der Tornado dann buchstäblich auf. Das alles ging so schnell, dass selbst etliche Anwohner der stark betroffenen Gebiete die Katastrophe nicht richtig mitbekamen. In der Bruchstraße beispielsweise nahmen Mieter nur diffus »ein Krachen« wahr - beim Blick aus dem Küchenfenster sahen sie dann, dass ihr Garten verwüstet war und kaum ein Baum mehr stand.

Um 17.49 Uhr rückte die Feuerwehr zu ihrem ersten Einsatz aus. 137 weitere folgten bis gegen Mitternacht. Rund 125 Kräfte von Berufsfeuerwehr und den Wehren aller Stadtteile sowie aus Heuchelheim und Lich - so Einsatzleiter Ernst-Jürgen Becker gestern - sicherten Dächer, an denen Ziegel herabzustürzen drohten, sperrten Straßen und zogen Bäume zur Seite, die den Verkehr behinderten. Eine Sonderschicht legten auch die Mitarbeiter von Liegenschafts- und Gartenamt ein. Für sie ging der Einsatz gestern Morgen nahtlos weiter. Ganz schlimm sah es am Alten Friedhof aus, wo alte Bäume wie Streichhölzer umgeknickt waren. Sie wurden zersägt und abtransportiert; zudem mussten Bäume gefällt werden, weil Gefahr bestand, dass sie umstürzen könnten. Auch am kleinen Park am Alten Friedhof kam schweres Gerät zum Einsatz, deshalb wurde die Licher Straße um 8.45 Uhr kurzzeitig gesperrt. Hier wie auch am Philosophenwald ließ die Stadt zudem rund ein Dutzend Autos »umsetzen«, weil sie die Aufräumarbeiten behinderten oder weil Gefahr bestand, dass sie beschädigt werden könnten. Die Kosten für das Abschleppen werde die Stadt übernehmen, versicherte Dezernent Thomas Rausch gestern.

Dass die Arbeiter noch mehrere Tage »alle Hände voll zu tun haben«, ist für den Stadtrat sicher. Vorrang hätten die Straßen und öffentlichen Plätze, im Philosophenwald könne es auch noch etwas länger dauern. Die Bürger sollten dort vorerst nicht spazieren gehen, es sei viel zu gefährlich, warnte Rausch eindringlich - tatsächlich waren hier und anderswo gestern »Tornado-Touristen« unterwegs, die die Lage aus nächster Nähe begutachten wollten. Einige Schaulustige drängten sich sogar in Bereiche vor, die mit rot-weißem Band abgesperrt waren. »Der Tornado hat größere Schäden hinterlassen als sein Vorgänger im vergangenen Jahr«, meinte der Stadtrat in einer ersten Zwischenbilanz. Im Juli 2007 war eine Windhose über die Fußgängerzone hinweggezogen und hatte unter anderem im Neuenweg gewütet.

Wenn es überhaupt einen Nutznießer des schweren Unwetters gibt, dann sind das auch jetzt wieder einige Handwerksbetriebe. Vor allem die Dachdecker waren gestern gefragt. Sie hätten »immens viel zu tun«, sagte Anke Meyer für die Kreishandwerkerschaft. Im Zentrum des Tornados seien an »fast jedem Haus« zumindest Ziegel zu Bruch gegangen. Oft müssten auch hervorstehende Gauben repariert werden.

Wer kommt für die Schäden auf?

Auf die richtige Versicherung kommt es auch beim Tornado an. Hausbesitzer, bei denen das Dach abgedeckt oder eine Mauer beschädigt wurde, benötigten eine Sturm-Hagel-Versicherung, sagte der Sprecher des Bezirks Gießen im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), Günter Weidemann. Sie bezahle auch bei Folgeschäden, wenn beispielsweise durch das Dach Regenwasser eingedrungen sei. Bei Schäden am Hausrat greife die Sturm-Hausrat-Versicherung. Autofahrer, deren Wagen durch umherfliegende Gegenstände beschädigt wurden, könnten dies über ihre Teilkasko-Versicherung regulieren. Grundsätzlich greifen alle diese Versicherungen erst ab Windstärke 8 (»stürmischer Wind«). Dass diese erreicht bzw. überschritten wurde, steht außer Frage, obwohl der Deutsche Wetterdienst gestern dazu keine offiziellen Angaben machte. (si)

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Artikel vom 13.08.2008 - 23.45 Uhr
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