Auch private Hilfspolizisten verteilen jetzt »Knöllchen«
Gießen (mö). Sie tragen die Uniformen mit dem Hoheitszeichen der Stadt Gießen und sind dennoch keine Beschäftigten der Kommune. Die Rede ist von den privaten Hilfspolizisten, die die städtische Ordnungstruppe seit Ende letzten Jahres verstärken.
Wie der zuständige Stadtrat Thomas Rausch auf Anfrage bestätigte, tun vier »Hipos«, die von einer privaten Sicherheitsfirma kommen, Dienst für die Stadt Gießen. Ihr Betätigungsfeld beschränke sich ausschließlich auf die Überwachung des ruhenden Verkehrs, betonte Rausch.
Nach seinen Worten zahlt die Stadt für die vier privaten Hipos Stundensätze an die Sicherheitsfirma. Es handele sich bei den Mitarbeitern um »voll ausgebildete Kräfte«, die die städtische Ordnungsverwaltung in die Lage versetzten, »viel flexibler« auf die zahlreichen Wünsche aus der Bevölkerung nach mehr Präsenz der Hilfspolizei zu reagieren. »Wir haben damit mehr Ressourcen für andere Aufgaben frei«, sagte Rausch, der in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Forderungen nach mehr Geschwindigkeitskontrollen verweist. In vielen anderen Städten sei der Einsatz von Mitarbeitern privater Sicherheitsdienste seit langem üblich, fügte der Ordnungsdezernent hinzu. Der Einsatz der Privaten sei auf zunächst ein Jahr begrenzt.
Die politische Zustimmung hatte der Magistrat bereits vor einem Jahr erhalten. Damals hatte die Koalition aus CDU, Grünen und FDP im Rahmen der Haushaltsberatungen beantragt, für die Bezahlung der privaten »Hipos« Mittel zur Verfügung zu stellen, um einen personellen Engpass bei den städtischen Bediensteten zu überbrücken. Damals hatte Rausch in einer Ausschusssitzung erklärt, die eigene Hilfspolizei sei aufgrund von Erkrankungen dauerhaft nur zu 75 Prozent einsatzfähig. Da Neueinstellungen zulasten des städtischen Stellenplans von der Finanzaufsicht des Regierungspräsidiums nicht genehmigt würden, habe man sich entschlossen, Privatfirmen zu beauftragen. Deren Mitarbeiter seien ausreichend qualifiziert und könnten sofort anfangen, dagegen müsste man neue städtische Kräfte erst noch ausbilden. Zeitarbeitsfirmen würden bei der Vermittlung der Ordnungshüter nicht eingeschaltet, versicherte der Magistrat.
SPD und Linke kritisierten das Vorhaben als »schleichende Privatisierung« städtischer Dienstleistungen.
Die Summe der Verwarnungsgelder und die Zahl der »Knöllchen« ist im vergangenen Jahr übrigens auch ohne die private Verstärkung gestiegen. Diesen Anstieg führt Rausch aber vor allem auf den Einsatz eines neuen Geschwindigkeitsmessgeräts zurück. Laut Statistik des Ordnungsamts stieg die Zahl der ertappten Temposünder 2009 auf fast 25 000 (2008: 15 000). Mit über 380 000 Euro bildeten die Schnellfahrer die größte Einnahmequelle innerhalb der Gießener Verwarnungsgeldbilanz.
Die Ausbildung zur Politesse/Hilfspolizist würde 3 bis 6 Monate dauern. In sofern kann ich nachvollziehen, dass die Stadt keine eigenen Mitarbeiter auf einstellt, wenn der Grund für die Einstellung kranke eigene Mitarbeiter sind. Dass die externen Mitarbeiter deutlich schlechter ausgebildet sein sollen, kann ich dem Artikel nicht entnehmen. Warum sollte nicht auch ein privater Sicherheitsdienst ausgebildete Mitarbeiter beschäftigen, wenn es dafür eine Nachfrage bei Städten und Gemeinden gibt? Viele entscheidender ist aber wohl, dass die Stadt keine zusätzlichen Stellen genehmigt bekommt und somit eine Einstellung grundsätzlich nicht möglich ist. In sofern finde ich es völlig richtig, dass man dann externe Mitarbeiter einstellt, denn die refinanzieren die eigenen Kosten vermutlich sehr gut durch die Knöllchen. Ich bin zumindest dankbar über jedes Knöllchen, welches verteilt wird, denn ein kleiner Teil der Gießener Autofahrer schert sich kein Bisschen um Parkverbote, obwohl es in der ganzen Stadt genügend legale Parkmöglichkeiten gibt. Man muss nur manchmal dann auch 200m zu Fuß gehen, so wie es auch von jedem Fahrgast des ÖPNV verlangt wird. Alleine das Parken auf den Gehwegen scheint in Mittelhessen so stark ausgeprägt zu sein, dass man da nur mit Knöllchen gegenan gehen kann. Wenn ich Autofahrer darauf anspreche, halten diese das meist für völlig OK, weil sie ja nicht anderen Autos im Weg stehen wollen und stattdessen lieber Gehwege zerstören und Fußgänger behindern.
(10.02.2010 10:52)
Harry
Autsch
Privater Sicherheitsdienst = keine Ausbildung, meist nur kurze Schulung. Schlecht bezahlte Mitarbeiter, Stundenlöhne von 6-8? keine Seltenheit in der Branche. Mitarbeiter haben meist noch einen Zweitjob um über die Runden zu kommen, daher niedrige Motivation und teils aggressives Auftreten (was man vielleicht daher verstehen kann, es aber nicht besser macht). Zitat aus dem Text: "Deren Mitarbeiter seien ausreichend qualifiziert und könnten sofort anfangen, dagegen müsste man neue städtische Kräfte erst noch ausbilden." Okay, private Sicherheitsdienste bilden also zum Knöllchenschreiben aus? Und das würde ewig dauern bis die Stadt da jmd eingearbeitet hat? Nummernschild notieren, Verkehrsschilder lesen und das mit Foto und Handcomputer festhalten. Diese Argumentation klingt jetzt für den geübten Allgemeine Leser nicht wirklich plausibel. Oder meinen die vielleicht eher die Ausbildung "lästige Querulanten und Nörgler" die sich über Knöllchen beschweren, ruhig zu stellen? Wohl eher zweiteres. Ob die Stadt sich da einen Gefallen tut?
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
Marktplatz stellen. Damit soll die Trinkerszene verdrängt werden. Was
halten Sie davon?
Viele entscheidender ist aber wohl, dass die Stadt keine zusätzlichen Stellen genehmigt bekommt und somit eine Einstellung grundsätzlich nicht möglich ist. In sofern finde ich es völlig richtig, dass man dann externe Mitarbeiter einstellt, denn die refinanzieren die eigenen Kosten vermutlich sehr gut durch die Knöllchen. Ich bin zumindest dankbar über jedes Knöllchen, welches verteilt wird, denn ein kleiner Teil der Gießener Autofahrer schert sich kein Bisschen um Parkverbote, obwohl es in der ganzen Stadt genügend legale Parkmöglichkeiten gibt. Man muss nur manchmal dann auch 200m zu Fuß gehen, so wie es auch von jedem Fahrgast des ÖPNV verlangt wird. Alleine das Parken auf den Gehwegen scheint in Mittelhessen so stark ausgeprägt zu sein, dass man da nur mit Knöllchen gegenan gehen kann. Wenn ich Autofahrer darauf anspreche, halten diese das meist für völlig OK, weil sie ja nicht anderen Autos im Weg stehen wollen und stattdessen lieber Gehwege zerstören und Fußgänger behindern.