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Auch Kleingärtner sollen eingebunden werden

Artikel vom 24.04.2010 - 12.55 Uhr

Auch Kleingärtner sollen eingebunden werden

Gießen (srs). Mit skeptischem Blick schauten 60 im Konzertsaal des Rathauses versammelte Kleingärtner nach vorne, raunend und tuschelnd. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich griff zum Mikrofon und hielt gleich zu Beginn die für die Gäste entscheidende Nachricht fest, die sie während des Abends mehrfach wiederholte: »Nichts wird gegen Ihren Willen unternommen.«
Zwar sollen die in der Wieseckaue beheimateten Kleingartenvereine zur Landesgartenschau 2014 eingebunden werden. Zudem sei nach 2014 die Gründung eines »Kleingartenparks« mit mehr öffentlichen Flächen ein Ziel. Dabei handle es sich allerdings nur um Vorschläge. Kein Pächter der im Eigentum der Stadt stehenden Kleingärten werde gezwungen, seine Parzelle abzugeben oder zu verändern, betonte die Bürgermeisterin während eines Informationsabends für Kleingärtner am Donnerstag.

Drei Kleingartenvereine haben ihren Sitz in der Wieseckaue, dem anvisierten Herzstück der Landesgartenschau: die Vereine »Erholung und Freizeit«, »Sellnberg West« sowie die Kleingärtner am Waldbrunnenweg. Deren Mitgliedern stellte Weigel-Greilich das Konzept vor. So sei im Plan des Wettbewerbsgewinners vorgesehen, die Wegverbindung zwischen dem Wiesecker Wohnquartier und dem Parkgelände der Landesgartenschau »großzügig« zu verbreitern. Um dafür Raum zu gewinnen, sollen frei werdende Parzellen an den Rändern der Kleingartenvereine nicht weiter verpachtet werden. Auch ein Umzug von direkt an den Verbindungswegen liegenden Gärten in leer stehende Parzellen käme dem Plan entgegen. »Aber kein Garten wird zwangsgeräumt oder gegen den Willen des Pächters verkleinert«, wiederholten sie sowie der Leiter des Liegenschaftsamts Reiner Volk. »Wenn sich jedoch jemand entscheidet, seine Parzelle abzugeben, werden ihm bei der Entschädigung sicher keine finanziellen Nachteile entstehen.« Dazu kündigte Volk ein Schreiben an die Kleingärtner in den kommenden Wochen an. Den Vereinen werden »nur zur Rechnung gestellt, was ausschließlich der eigenen, nicht der gemeinschaftlichen Nutzung dient«, betonte er weiter.

Weigel-Greilich äußerte indes auch eine vorsichtige Bitte. Der ein oder andere Bereich der Kleingartensiedlungen wirke »abgeschottet«. »Mehr Öffnung ist ein Ziel. Denken Sie über Ihre Außenwirkung nach.« Einige Kleingärtner könnten beispielsweise während der Landesgartenschau Besucher in ihre Parzellen einladen. Langfristig sei in der Wieseckaue außerdem ein »Kleingartenpark« mit mehr öffentlich genutzten Flächen wie Kinderspielplätzen und Grünanlagen ein Ziel. Parzellen könnten als Seniorentreff dienen oder auch gemeinsam mit Kindergärten bewirtschaftet werden.

Mehrere Kleingärtner äußerten Zweifel an den Plänen. »Was, wenn die Stadt jetzt Parzellen übernimmt, für sie dann doch keine Verwendung findet und nach der Landesgartenschau wieder zurückgibt. Wer pflegt diese Gärten? 2014 sind die doch verwildert«, äußerte der stellvertretende Vorsitzende des Stadt- und Kreisverbands der Kleingärtner, Ralf Knetsch. Sein Vorschlag: Die Stadt könne den »finanziell leidenden« Vereinen Spenden übergeben, um die Anlagen zu verschönern. Der im Saal anwesende Wilhelm Sörries vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen erwiderte: »Die Kleingartenvereine haben jedes Jahr die Möglichkeit, Förderanträge zu stellen. Aus Gießen ist in diesem Jahr bisher keiner eingegangen.« Der Vorsitzende des Stadt- und Kreisverbands der Kleingärtner Wilfried Korell erklärte, die Zuwendungen kämen in aller Regel zu spät. »Schäden beheben wir dann lieber gleich selbst.«

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Artikel vom 24.04.2010 - 12.55 Uhr
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