Gießen (mö). Nachdem die Stadt wegen der Bauarbeiten in der Licher Straße eine neue Verkehrsführung angekündigt hat, wächst in der Anneröder Siedlung die Sorge, dass die Verkehrsbelastung noch größer wird.
Der untere Anneröder Weg, der am Bahnhaltepunkt auf die Licher Straße stößt, wird ab der kommenden Woche zum Nadelöhr. (Foto: Schepp)
Anlass ist die Absicht, den stadteinwärts fließenden, sogenannten »Anliegerverkehr« ab kommender Woche nur noch über den Anneröder Weg auf die Licher Straße zurückzuführen.
Der untere Anneröder Weg ist schmal, schon immer eine Einbahnstraße und momentan an einer Stelle noch weiter verengt worden, weil am Bahnhaltepunkt Licher Straße gearbeitet wird. Diese Baustelle hängt nicht mit dem Ausbau der Licher Straße zusammen, sondern ist Teil der »Ertüchtigung« der Vogelsbergbahn. Die Anwohner, die ohnehin verärgert sind, weil es sich beim »Anliegerverkehr« tatsächlich um ganz normalen Umleitungsverkehr handelt, der in die Innenstadt gelangen will, befürchten jetzt, dass das Nadelöhr Anneröder Weg trotz des verhängten Parkverbots zu Rückstaus führt. Die Heinrich-Fourier-Straße ist zwar noch befahrbar, aus ihr kann aber nur nach links Richtung Lich/Autobahn abgebogen werden.
Ganz unberechtigt erscheint die Sorge einerseits nicht, weil die geschlossene Bahnschranke trotz der relativ kurzen Schließzeiten schon immer zu Rückstaus auf der Licher Straße führte und die Stadt jetzt im unteren Teil des Anneröder Wegs zudem eine Behelfsbushaltestelle einrichten will. Halten dort die Busse der Linien 2 und 220, muss der nachfolgende Verkehr anhalten.
Diese Umstände freilich machen die Strecke durch die Anneröder Siedlung andererseits für die vielen »Anlieger« unattraktiv. Bislang ignorieren die allermeisten Pkw-Lenker, die auf der Bundesstraße 457 Richtung Innenstadt unterwegs sind, nämlich die offizielle Umleitung, die über das Europaviertel zur B 49 und die Grünberger Straße in die City führt. »Hier fährt ganz Mittelhessen durch«, beklagte ein Anwohner des Anneröder Wegs gestern, dass zahlreiche Pkw mit Vogelsberger sowie Friedberger Kennzeichen und sogar der Schwerverkehr die Variante »Nur für Anlieger« nutzen, um schneller in die Innenstadt zu gelangen. Diese Rechnung dürfte ab Montag auch aus einem weiteren Grund nicht mehr aufgehen. Die Licher Straße wird ab dem Lutherberg stadteinwärts gesperrt. Dann geht's über die Georg-Philipp-Gail-Straße zur Grünberger Straße.
Unterm Strich führt die von der Stadt verkündete Verkehrsführung zu einer Fahrtzeitverzögerung, die die Zahl der »Anlieger«, die durch die Anneröder Siedlung fahren, eigentlich deutlich reduzieren müsste. Rat an die Radfahrer: Ihr Recht, den unteren Anneröder Weg gegen die Einbahnstraße zu benutzen, sollten sie ab Montag besser nicht mehr in Anspruch nehmen. Die legale Geisterfahrerei ist an dieser Stelle schon bei wenig Verkehr nicht ganz ungefährlich.
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