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Anfragen nach Gewerbeflächen nehmen zu

Artikel vom 08.09.2010 - 10.00 Uhr

Anfragen nach Gewerbeflächen nehmen zu

Gießen (ck). Wenn man die Nachfrage nach Gewerbeflächen als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune betrachtet, dann muss einem um die Stadt Gießen derzeit nicht bange sein. Nachdem im gesamten Vorjahr bei der Stadt insgesamt 115 Flächen nachgefragt wurden, waren es im ersten Halbjahr 2010 schon 68.
37 Prozent der Interessenten legen Wert auf unbebaute Flächen. In Lützellinden etwa erstreckt sich rechts von dem damals noch ni
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37 Prozent der Interessenten legen Wert auf unbebaute Flächen. In Lützellinden etwa erstreckt sich rechts von dem damals noch nicht fertiggestellten Autohof (im Vordergrund) das Gewerbegebiet »Rechtenbacher Hohl«.
»Das sind etwa 60 Prozent des Vorjahresniveaus«, wie Harald Scherer, Dezernent für Wirtschaftsförderung, und Abteilungsleiterin Sabine Wilcken-Görich am Dienstag in einer Zwischenbilanz vor der Presse berichteten.

Zur Steigerung beigetragen haben vor allem die Bereiche Büroflächen/-gebäude und Sonderflächen/Sonderobjekte - darunter fallen beispielsweise Areale für Kultur, Freizeit und Gastronomie sowie Senioren- oder Studentenwohnungen. Leicht zugenommen hat auch der Bedarf für unbebaute Grundstücke, der mit 37 Prozent (vor Büroflächen mit 24 Prozent) ohnehin immer schon den größten Anteil an den unterschiedlichen Kategorien hatte. Leicht zurückgegangen ist dagegen die Nachfrage nach Hallenflächen. Das hänge, so Wilcken-Görich, vermutlich mit der konjunkturellen Situation in Deutschland zusammen, da sich das produzierende Gewerbe noch nicht von seinen Tiefstständen erholt habe und demzufolge noch vorsichtig bei der Ausweitung der Kapazitäten sei.

Wer sich mit einem Unternehmen in Gießen ansiedeln möchte, für den spielt der Hebesatz nicht die ausschlaggebende Rolle, so die Erfahrung der hiesigen Wirtschaftsförderung. Vielmehr müssten »die Bedingungen des Standorts stimmen«. Dabei rücken die sogenannten »weichen« Standortfaktoren immer stärker in den Mittelpunkt: Gibt es in ausreichender Zahl Fachkräfte, was kosten Strom und Wasser oder wie hoch sind die Lohnkosten, seien oft gestellte Fragen. Ähnliches gelte für das vorhandene Angebot in Sachen Kultur und Sport sowie den Wohnwert, was den Gießener Verantwortlichen zeige, dass man auf das »Gesicht« der Stadt achten müsse. Gut aufgestellt sieht Wilcken-Görich Gießen bei der Betreuung für unter dreijährige Kinder - auch danach werde zuweilen konkret gefragt.

Die Erfahrung zeige, dass Unternehmen hohe Anforderungen an die Gewerbeflächen und ihre Umgebung stellen. Erwartet werde vor allem, dass sich die Gebiete in einer Richtung profilierten. Ein sinnvoller Gewerbemix sei erwünscht, nach Möglichkeit sollten Zulieferer und Abnehmer nahe beieinander liegen. Auf die Versorgung mit Fernwärme und die vorhandene Infrastruktur (Breitbandanschluss, Technologietransfereinrichtungen, Gastronomie) werde zunehmend Wert gelegt. Und: Das Grundstück muss quasi sofort bebaubar sein, auch wenn der Entscheidungsprozess, sich hier niederzulassen, Monate gedauert hat. »Ob Bebauungspläne, Umweltauflagen oder Brandschutz, es muss stets schnell gehen«, sieht Scherer eine Flexibilität in der Verwaltung als wichtigen Standortvorteil. Schließlich gelte es, beim Wettbewerb der Kommunen um Firmen nach Möglichkeit die Nase vorn zu haben. Aus diesem Grund werde sich die Stadt auch wieder an der »Expo Real«, der Messe für Gewerbeimmobilien, in München beteiligen, um dort vor allem für die Themen Logistik und Produktion zu werben; denn beim produzierenden Gewerbe habe Gießen großen Aufholbedarf.

Dagegen wären umfangreiche Flächen für den Einzelhandel praktisch beliebig zu verkaufen. Der Bereich boomt nach wie vor, eine zu starke Ausdehnung sei in Gießen jedoch aus politischen Gründen nicht erwünscht, so die Abteilungsleiterin Wirtschaftsförderung.

Im Jahr 2010 hat die Abteilung bisher ein Dutzend Immobilien erfolgreich vermittelt - drei Grundstücke der Stadt wurden verkauft, eines verpachtet. Dazu kommen acht weitere Vermietungen von Privatimmobilien, bei denen die Stadt als Vermittler auftritt oder die Kontakte anbahnt. (Foto: Henß)

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Artikel vom 08.09.2010 - 10.00 Uhr
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