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An »unsägliches Leid« in Gießen erinnert

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Artikel vom 29.08.2012 - 16.06 Uhr

An »unsägliches Leid« in Gießen erinnert

Gießen (fd). »Ich möchte ganz herzlich Dankeschön sagen, dass Sie uns die Hand zur Versöhnung reichen«, begrüßte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt und ihre Angehörigen zur 15. Begegnungswoche im Schlosskeller.

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Den Auftakt zur Begegnungswoche machte eine Begrüßung im Schlosskeller. Am Dienstag folgte eine Gedenkstunde. (Fotos: Schepp)
Aus Israel, Großbritannien und den USA waren sie angereist. Erstmals allerdings ohne Josef »Jossi« Stern, der dem »Verein ehemaliger Gießener und der Umgebung« in Haifa vorsteht. Der 91-Jährige ließ Grüße und einen Text überbringen.

Ein kleines Tütchen zog Dr. Gabriel Nick aus der Tasche. Andere taten es dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Gießen gleich. Gemeinsam verstreuten sie Erde aus ihren Gärten rund um das Mahnmal für die vertriebenen und ermordeten Juden auf dem Neuen Friedhof. Es ist ein Symbol dafür, dass die Toten ein Zuhause haben.

»Sie sind zurückgekehrt an einen Ort, der zuletzt geprägt war von Antisemitismus, Deportation und Ermordung«, erklärte Grabe-Bolz im Rahmen einer Gedenkstunde, bevor das jüdische Totengebet El Male Rachamim gesprochen wurde. »Wir erinnern an dieses unsägliche Leid«, so die Oberbürgermeisterin. Ignorieren, Schweigen, Wegschauen dürfe keinen Platz mehr haben.

Am 16. und 17. September jährt sich zum 70. Mal die Deportation der Juden aus Mittel- und Oberhessen im Jahr 1942. Damals wurden 150 Gießener und 190 Juden aus dem Kreis, Alsfeld, Büdingen und Lauterbach in die Goetheschule gebracht. Darunter Frauen, Kinder und Senioren. Von dort schleppte man sie zum Güterbahnhof und transportierte sie in Viehwaggons zur Ermordung in die Vernichtungslager im Osten.

Anlässlich der Gedenkstunde im Rahmen der Begegnungswoche verlas Dietlind Grabe-Bolz auf dem Neuen Friedhof einen Text, den ihr Josef »Jossi« Stern geschickt hatte. Er bezieht sich darin auf die Tage im September 1942 und die folgenden Jahre. »Das letzte, was er hörte in seinem Vaterland, war Schreien«, heißt es dort. Zusammen mit Dr. Gabriel Nick legte die Oberbürgermeisterin am Jüdischen Mahnmal einen Kranz nieder.

Im Rahmen der 15. Begegnungswoche besuchen die ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt und ihre Angehörigen Herbstein und Alsfeld, nehmen an einer Bootstour auf der Lahn teil, besuchen die ehemalige Synagoge sowie die Chambré-Stiftung in Lich und feiern den Gottesdienst im Jüdischen Gemeindezentrum in Gießen.

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Artikel vom 29.08.2012 - 16.06 Uhr
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