Gießen (ann). »Mein Name ist Marcus und ich packe Champagner in meinen Koffer.« Etwa 20 angehende Lehrer sitzen in einem Kreis auf Stühlen bei der Kennenlernrunde. Sie wirken alle noch etwas nervös und unsicher und sind gespannt, was in der Woche und vor allem in den kommenden drei bis fünf Jahren auf sie zukommt.
Aller Anfang ist schwer - oder vielleicht doch nicht? In der Einführungswoche lernen die Studierenden ihr Fach und ihren Studienort kennen. (Foto: Schepp)
In dieser und in der kommenden Woche werden 240 Mentoren die »Erstis« in der Studieneinführungswoche betreuen. Dieses Jahr muss die Einführung für die Studierenden aus organisatorischen Gründen auf zwei Wochen aufgeteilt werden. Diese Woche findet die Studieneinführung für die zukünftigen Lehramtsstudierenden statt; ab kommende Montag folgen die übrigen Studierenden.
»Ich sehe vor mir einen Berg an Fragen und hoffe, dass ich diese Fragen in dieser Woche beantwortet bekomme«, so die künftige Grundschullehrerin Christine. Wer sich das Wochenprogramm anschaut, das ihre Mentorin für die Gruppe erarbeitet hat, ist sich sicher: die angehenden Lehrer werden gut vorbereitet ins Studium gehen und die Stadt sowie das (Nacht-)Leben hier kennenlernen. Die Mentoren erklären, wie man den Stundenplan für das Semester erstellt, wo man sich zu Veranstaltungen und Prüfungen anmeldet, wo die Bibliotheken sind und vieles mehr, was die Anfänger interessiert und zum erfolgreichen Studium beitragen soll. Natürlich aber auch solche Sachen, die zum Überleben auf dem Campus beitragen: Wo gibt es Kaffee? Kommt aus den blauen Kästen wirklich eine Tasse, wenn man den Studienausweis auf den Scanner legt? Und wo ist eigentlich die Mensa? Natürlich stehen auch »gemütliches Beisammensein« und eine Kneipentour auf dem Plan für die Neustudenten.
Nur in einigen Studiengängen ist die Einführungswoche verpflichtend. Den übrigen Studierenden wird die Teilnahme empfohlen. Sie wurde auch schon für die alten Magister- und Diplomstudiengänge angeboten - zu Zeiten des gestuften und modularisierten Studiums gibt es aber noch mehr Dinge zu beachten, die den »Erstis« in der Woche vor Vorlesungsbeginn von den erfahrenen Studierenden näher gebracht werden. Und deshalb sind dieser Tage an der Uni auch scharenweise junge Menschen zu sehen, die alle noch etwas fragend und nervös aussehen.
Neben den Informationen, die die Mentorinnen und Mentoren geben, werden Fachvertreter den Studierenden die wichtigsten Ratschläge zu den Fächern und dem Studium erteilen. Auf einem »Markt der Möglichkeiten« stellen sich dann am kommenden Mittwoch (ab 16.30 Uhr) universitäre Institutionen wie das Studentenwerk, das Hochschulrechenzentrum, aber auch außeruniversitäre Einrichtungen wie Banken, Krankenkassen und Vereine vor und informieren die Neuankömmlinge über die wichtigsten Dinge, die mit dem Leben in der Universitätstadt und an der Hochschule zusammenhängen. Vor diesem »Markt« werden die Erstsemester im Audimax (Philosophikum II) offiziell von JLU-Präsident Prof. Stefan Hormuth begrüßt.
Viele Studierende haben sich Gießen bewusst als Studienort ausgesucht, da sie die Stadt vorher kannten oder aus der Nähe kommen. Andere sind deshalb hier, weil sie keine Studiengebühren zahlen wollen, die es in einigen Bundesländern immer noch gibt. Oder weil, wie andere erklären, ihre Fächerkombination nur an der Justus-Liebig-Universität angeboten wird. Manche haben Absagen von ihrer Wunsch-Hochschule erhalten. Auf die Frage nach dem ersten Eindruck der Stadt antworten die Neuankömmlinge einhellig, dass sie an vielen Stellen trist sei - man aber auch schöne Stellen entdecken könne. Doch es komme ja nicht unbedingt auf das »Aussehen« des Studienortes an. »Die Menschen hier sind freundlicher als bei mir zu Hause«, sagt eine Studentin aus Wuppertal. Und das kann durchaus wichtiger sein als eine schöne Altstadt.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
Marktplatz stellen. Damit soll die Trinkerszene verdrängt werden. Was
halten Sie davon?