Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Alzheimer »noch nicht heil-, aber behandelbar«

Artikel vom 11.04.2010 - 12.02 Uhr

Alzheimer »noch nicht heil-, aber behandelbar«

800 000 Menschen bundesweit leiden an Alzheimer-Demenz. Die Diagnose bedeutet den fortschreitenden Verfall der Erinnerung und der Wahrnehmung. Jeder fünfte Deutsche über 80 Jahren ist betroffen. »Alzheimer muss als Thema noch viel stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken«, appellierten der Gießener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Dr. Jürgen Rieke sowie Diplom-Psychologin Pamela Hirzmann während einer Telefonsprechstunde der Allgemeinen Zeitung.
Alternativ
Lupe - Artikelbild vergrössern
Dr. Jürgen Rieke und Pamela Hirzmann saßen als Experten am AZ-Telefon.
© srs
Ängste und Sorgen der Patienten sowie ihrer Angehörigen und die Würde der Erkrankten verdienten mehr Beachtung. »Alzheimer-Patienten verlieren zwar ihre Erinnerung. Aber nicht ihr Empfindungsvermögen.« Beide Experten standen am Telefon zwei Stunden lang mit Ratschlägen zur Verfügung. Das Interesse war groß. Im Folgenden einige der Fragen und Antworten.

Immer öfter vergesse ich Namen. Wie finde ich heraus, ob ich Demenz habe?

Rieke: Ab einem gewissen Alter vergessen wir alle hin und wieder Namen oder auch Geburtstage, das ist völlig normal. Wenn man allerdings zunehmend im Alltag nicht zurechtkommt, sollte das untersucht werden. Dafür gibt es Einrichtungen wie Gedächtnisambulanzen, wo eine gründliche Diagnose gestellt wird, unter anderem mit neurologischer und psychiatrischer Untersuchung und einer Messung der Blutwerte. Hier in Gießen zum Beispiel ist das möglich in der Uni-Psychiatrie, in der Vitos-Klinik und im Institut für Diagnostik und Therapie kognitiver Störungen, im Cognet. Eine wichtige erste Anlaufstelle kann auch der Hausarzt sein als Mensch des Vertrauens. Demenz hat ja viel mit Unsicherheit, auch mit Scham zu tun.

Stimmt es, dass Alzheimer nicht heilbar ist?

Hirzmann: Nach heutigem Forschungsstand ist Alzheimer leider noch nicht heilbar, das ist richtig. Es ist aber behandelbar. Der Prozess der Erkrankung kann mithilfe von Medikamenten verlangsamt werden, um bis zu drei Jahre. Wichtig ist dabei vor allem, dass Alzheimer möglichst früh erkannt und dann je nach Stadium behandelt wird.

Meine Mutter ist schwer an Alzheimer erkrankt. Ich pflege sie allein, meine Geschwister rühren keinen Finger. Ich weiß nicht, ob ich das weiter durchhalte.

Rieke: Sie brauchen Unterstützung. Das halten Sie alleine nicht aus. Wir sind in Gießen mit Tagesstätten, auch mit Demenz-Stationen, gut versorgt. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Sie Ihre Mutter mal für ein bis zwei Wochen zur Kurzzeitpflege geben. Zweimal im Jahr stehen Ihnen dafür 14 Tage zu, das übernimmt die Pflegekasse. Es geht vielen Menschen wie Ihnen. Das ist eine belastende Situation. Sie laufen Gefahr, auszubrennen. 60 Prozent der pflegenden Angehörigen sind über 60 Jahre alt und irgendwann körperlich und psychisch überfordert.

Ist Alzheimer erblich? Worin liegt eigentlich die Ursache?

Hirzmann: Erblich ist die Alzheimer-Demenz ab dem 60. Lebensjahr nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht. Das größte Risiko ist derzeit immer noch das Alter. Chronische depressive Verstimmungen über Jahre hinweg werden als Risikofaktoren gesehen.

Wie kann ich Alzheimer vorbeugen?



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 11.04.2010 - 12.02 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang