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Aliceschule »Vorreiter in Sachen Gesundheit«

Artikel vom 13.02.2010 - 16.00 Uhr

Aliceschule »Vorreiter in Sachen Gesundheit«

Gießen (pd). In ganz Hessen gibt es 159 berufliche Schulen. Nur drei von ihnen dürfen sich Gesundheitsfördernde Schule nennen. Zu diesem erlesenen Kreis zählt seit Freitag auch die Aliceschule.
Außer dem Zertifikat hatte Ministerin Henzler (3. v. r.) der Aliceschule einen 500-Euro-Scheck und ein Indoor-Kletterseil mitgeb
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Außer dem Zertifikat hatte Ministerin Henzler (3. v. r.) der Aliceschule einen 500-Euro-Scheck und ein Indoor-Kletterseil mitgebracht. Darüber freuten sich (v. l.) das SV-Team mit Monia Heinschild, Anne Dymarczik und Schulsprecher Thomas Beermann, Schulleiter Bremer sowie der Leiter der Steuerungsgruppe »Schule und Gesundheit«, Axel Trutti. (Foto: Schepp)
Kultusministerin Dorothea Henzler zeichnete die berufliche Schule im Gleiberger Weg mit dem Gesamtzertifikat »Gesundheitsfördernde Schule« aus. »Sie sind ein Vorreiter in Sachen Gesundheit«, rief die Ministerin Schulleiter Karl-Heinz Bremer zu, der die Urkunde stellvertretend für die gesamte Schulgemeinde in Empfang nahm.

Bremer hatte bei der Feierstunde auf den Beginn des Prozesses auf dem Weg zur gesundheitsfördernden Schule hingewiesen. »Fast genau vor sechs Jahren«, am 17. Februar 2004, habe das Kollegium wegen eines in der Nacht verübten Brandanschlags den Unterrichtsbetrieb nicht wieder aufnehmen können. Mit Engagement, Flexibilität und Tatkraft habe man seinerzeit in Zusammenarbeit mit der Stadt die vielfältigen Aufgaben angepackt und dabei die Folgen des Feuers mehr als nur beseitigt. Lehrerzimmer, der gesamte Verwaltungstrakt sowie die Lehrertoiletten seien neu gestaltet worden. Aus der Bewältigung der Krise habe man zum einen gelernt, dass man ein gemeinsames Ziel braucht und dass man Kollegium und Schülerschaft »etwas zutrauen muss«, so Bremer. Seinerzeit habe der Zug Aliceschule »Fahrt aufgenommen«. Die Schule habe ein Leitbild entwickelt und sich auch gegen kritische Stimmen durchgesetzt. »Konzentrieren wir uns nicht auf das, was uns fehlt, sondern auf das, was wir gut können«, erinnerte der Schulleiter an einen Satz, der schließlich der Schlüssel zum Erfolg werden sollte. Auch ohne »Speisewagen« habe es die Aliceschule ab 2007 geschafft, täglich gesunde Speisen anzubieten. Und im Frühjahr kommenden Jahres »bekommen wir endlich einen Speisewagen«, kündigte Bremer den Bau einer Cafeteria an, die er den Gästen per Computeranimation präsentierte. »Wir können es uns nicht leisten, dass Schüler in die falschen Züge einsteigen und brauchen deshalb für all unsere Schwerpunkte qualifiziertes Zugpersonal«, blieb Bremer auch zum Schluss seiner Ansprache im Bild des Schienenverkehrs.

»Sie können stolz sein auf das, was Sie mit diesem Gesundheitszertifikat erreicht haben«, rief Kultusministerin Henzler Bremer und der Schulgemeinde zu. Sie erinnerte an die Teilzertifikate, die die Schule zunächst »in jahrelanger Arbeit« erworben habe. Wie wichtig Gesundheitserziehung sei, erkenne man schon daran, dass viele junge Menschen sich falsch ernähren und sich zu wenig bewegen. »40 Prozent der Jungen und 70 Prozent der Mädchen treiben zu wenig Sport« zitierte Henzler eine Studie. Diesen Tatsachen trage man an der Aliceschule bereits in den Pausen Rechnung, in denen es weder Süßigkeiten noch Schokolade gibt. Darüber hinaus stehe an der beruflichen Schule viel ernährungsbezogener Unterricht auf dem Programm. Weitere Schwerpunkte seien Konfliktmanagement, Mediation, Suchtprävention und Sexualpädagogik. Weichen würden aber nicht nur in der Schule gestellt. Entscheidend für Jugendliche sei, ob das Umfeld und damit auch die Eltern Vorbildfunktion in Sachen Gesundheitsförderung übernehmen. Die Ministerin lobte die Gesprächskultur der Schule: »Schwierige Themen können hier offen angesprochen werden.«

Die Aliceschule habe nicht nur ein Zertifikat erhalten, »hier wird der Begriff gesundheitsfördernde Schule tatsächlich gelebt«, bekräftigte Stadtrat Harald Scherer. Der Schuldezernent hob den enormen Wert der interdisziplinären Ausbildung an der Schule hervor und erwähnte die gute Vernetzung mit zahlreichen Institutionen. Die Kooperation reiche von der Kreishandwerkerschaft über Alexander-von-Humboldt- und Willy-Brandt- bis zur Fachhochschule. Die Stadt werde die Aliceschule auch künftig nicht nur moralisch unterstützen, sagte Scherer, und kündigte an, dass die Schule für 1,625 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm unterstützt werde. Vorgesehen seien außer der energetischen Sanierung die Erneuerung des Daches sowie der Bau der Cafeteria.

Dr. Helge Braun nutzte seine Ansprache zu einem Plädoyer dafür, dem Thema Gesundheit in Schule und Gesellschaft einen wichtigen Platz einzuräumen. Der Ansatz der Aliceschule, sich im eigenen Haus um Gesundheit zu kümmern, sei »unglaublich wichtig«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die schlüssige Begründung: »Leider nehmen Volkskrankheiten zu und nicht ab.«

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