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Ärger um Haussanierung bei der Wohnbau

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Artikel vom 25.08.2014 - 11.35 Uhr

Ärger um Haussanierung bei der Wohnbau

Gießen (ck). »Wo gehobelt wird, fallen Späne«, sagt der Volksmund und meint damit: Wo gearbeitet wird, fällt Schmutz an. Diese Volksweisheit unterschreiben werden derzeit die Mieter des Wohnbau-Doppelhauses Herderweg 12/14.

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Das Gebäude Herderweg 12/14 wird derzeit im Auftrag der Wohnbau Gießen GmbH aufwendig saniert. Von der damit einhergehenden Lärm- und Schmutzentwicklung fühlen sich die Bewohner gestört. (Foto: ck)
© Ulrich Strack
Dort laufen seit einigen Tagen auf Veranlassung der städtischen Wohnungsgesellschaft aufwendige Sanierungsarbeiten, nicht nur an der Fassade und am Dach, sondern auch innerhalb der Wohnungen, wo unter anderem die Bäder entkernt und anschließend neu eingerichtet sowie in den Küchen neue Anschlüsse gelegt werden. Und der dabei durch den Abriss, das Hämmern und Bohren entstehende Lärm und Dreck nervt die Bewohner zunehmend und »führt sie an das Ende ihrer Kräfte«, wie der Gießener Allgemeinen in einem Schreiben seitens der Mieter mitgeteilt wird.

Dabei hätten die Bewohner vorgewarnt sein können: Im Verlauf einer Mieterversammlung war ihnen im April dieses Jahres die auf insgesamt rund zehn Monate terminierte Maßnahme, die auch eine energetische Sanierung umfasst, von Mitarbeitern der Wohnbau vorgestellt und für die damit einhergehenden Unannehmlichkeiten eine Erstattung von zwei Monatsmieten in Aussicht gestellt worden.

Maßnahme komplexer als erwartet

Das Problem an der aus Sicht der Wohnbau dringend erforderlichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahme: Infolge der Größe der Gebäude mit insgesamt 59 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten hat die Wohnungsgesellschaft die Wohnungen zuvor nicht entmietet. Alle Bewohner zwischenzeitlich in anderen Wohnungen unterzubringen, wäre wegen der hohen Zahl nicht möglich gewesen, schreibt die Wohnbau in ihrer Antwort auf die Vorwürfe. Gleichwohl verstehe man den Ärger der Bewohner; die Wohnbau verweist jedoch darauf, dass die Maßnahme durch den notwendigen Ausbau von asbesthaltigen Abflussrohren, von deren Existenz man überrascht worden sei, komplizierter geworden sei.

Andererseits bemühe man sich seitens der Gesellschaft, die Beeinträchtigungen für die Mieter so gering wie möglich zu halten. So hätten diese während der auf drei Tage anberaumten Badsanierung die Möglichkeit, innerhalb des Hauses in einer leerstehenden Wohnung sowie in zwei aufgestellten Badcontainern die Toiletten und Duschen zu nutzen. Diese würden täglich gereinigt, gleiches gelte für die Treppenhäuser. Die Reinigung in den Wohnungen sei nach Bedarf der Mieter ebenfalls vorgesehen.

Sein Unverständnis über die Sanierung im bewohnten Zustand hat inzwischen auch der Mieterverein Gießen zum Ausdruck gebracht. Aus seiner Sicht wäre eine vorübergehende Räumung des Gebäudes angesagt gewesen. Zudem kritisiert er die Erstattung von zwei Monatsmieten angesichts der Belästigungen als »zu niedrig«.

Sanierungscafé geplant

In dem Disput vermitteln will jetzt der Unternehmensmieterrat (UMR) der Wohnbau GmbH. Wie Vorsitzender Peter Sommer der GAZ auf Anfrage mitteilte, plane man die Einrichtung eines sogenannten Sanierungscafés, mit dem man im Troppauer Gebiet seinerzeit bereits gute Erfahrung gemacht habe. Dort könnten sich die Anwohner informieren und miteinander unterhalten. Bezüglich der von Mieterseite ebenfalls monierten Mietsteigerung von einem Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nach der Sanierung sagte Sommer, diese falle nur deshalb so gering aus, weil das Haus Herderweg 12/14 noch in der Mietpreisbindung sei. Ansonsten würden sich solch umfangreiche Maßnahmen stärker auf die Miethöhe auswirken. Anstelle einer kompletten Räumung der Immobilie hätte sich der UMR-Vorsitzende auch vorstellen können, »Extremfälle« – wie beispielsweise eine 92-jährige Frau und eine Mutter mit einem Baby – für die Dauer der Sanierung andernorts unterzubringen. Diese Vorgehensweise sei in der Vergangenheit schon erfolgreich praktiziert worden.

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Artikel vom 25.08.2014 - 11.35 Uhr
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