Gießen (ti). Erst war er für sie wie ein Vater, später wurde er ihr Zuhälter. Und als die 24-jährige Tochter seiner Ex-Frau nicht mehr für ihn anschaffen gehen wollte, machte er seine schlimmsten Drohungen war: Nach einem gescheiterten Versuch, sie aus einem Bordell in Kleinlinden wieder mit nach Rumänien zu nehmen, biss er der jungen Frau ein Teil ihres linken Ohres ab und drückte ihr mit seinen Fingern in die Augen, wodurch sie schwere Verletzungen erlitt.
Wegen Zuhälterei, Körperverletzung, Nötigung und versuchter schwerer Körperverletzung wurde der 37-jährige Rumäne Marius N. gestern von der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichtes zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.
»Das ist absoluter Vernichtungswille«, erklärte Richter Dr. Johannes Nink in der Urteilsbegründung. Wer so handelt, tue dies im Bewusstsein: »Wenn ich sie nicht mehr haben kann, dann eben auch kein anderer.« Mehrmals hatte Marius N. der jungen Frau gedroht, sie zu verstümmeln und zu töten, wenn sie nicht für ihn arbeitet. Das tat sie vorwiegend in Nürnberg, wo er sie im Frühjahr 2007 hingeschickt hatte. Einnehmen musste sie mindestens 500 Euro am Tag beziehungsweise 1000 Euro an den Wochenendtagen. Regelmäßig kam er in das Bordell, um sie zu kontrollieren, hatte sich in der Nähe eine Wohnung gemietet. Im April 2008 gelang der jungen Frau erstmals die Flucht. Doch er spürte sie auf und setzte sie erneut mit Drohungen unter Druck. Im Mai flüchtete sie ein zweites Mal und kam nach Kleinlinden, wo sie erneut anschaffen ging. Diesmal jedoch auf eigenen Wunsch. Auch dort spürte er sie auf, aber sie ging nicht mit. Er drohte ihr und dem Betreiber des Etablissements, alle umzubringen. Die Situation eskalierte.
Der Angeklagte selbst hatte immer wieder betont, er habe die Tochter seiner Ex-Frau aus dem Milieu befreien wollen und sei in eine Schlägerei mit dem Kleinlindener Bordellbetreiber und seinen Leuten verwickelt worden. Dabei habe er die 24-Jährige aus Versehen verletzt. In den Augen von Staatsanwalt Klaus Bender »absolut unglaubhaft« und »mit der Realität nicht in Einklang zu bringen«. Und auch die Zeugenaussagen während des Prozesses hatten eine andere Sprache gesprochen. Niemand hatte eine solche Auseinandersetzung beobachtet, von der der Angeklagte - ganz abgesehen davon -, keinerlei Verletzungen davon getragen hatte. Bender: »Vielleicht sollten Sie sich mal als Märchenerzähler versuchen«.
Unklar blieben im Prozess die Motive der 24-Jährigen, die auch nach ihrer Flucht weiter als Prostituierte arbeitete. »Wir wissen nicht, ob sie gezwungen wurde oder ob es auch ein Stück freiwillig ist«, so Nink. Dennoch könne Marius N. der Kammer nicht weiß machen, »dass er nicht der Nutznießer gewesen war«. Nink: »Sie war das schönste Mädchen, die Männer standen bei ihr Schlage bis auf die Straße.«
Den Vorwurf des Menschenhandels hielt die Kammer nicht für erwiesen, da die Freiheiten der 24-Jährigen noch zu groß gewesen seien. Sie hatte einen Pass, es gelang ihr zweimal die Flucht.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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