Gießen (pd). Zu einer Panne im Mathematik-Abitur kam es am Freitag an einer Gießener Schule. Weil der Stoff einer Prüfungsaufgabe im Unterricht nicht behandelt worden war, konnten die 17 Prüflinge des Leistungskurses bei der schriftlichen Klausur am Freitag eine Aufgabe nicht lösen.
Das berichteten am Montag auf AZ-Anfrage Schulamtsleiter Heinz Kipp und sein Stellvertreter Christoph Fellner von Feldegg. Den Abiturienten war von ihrer Lehrerin bei der Verteilung der Fragen zugesichert worden, dass ihnen aus der fehlenden Aufgabe keine Nachteile entstehen werden. Das bestätigten auch die beiden Vertreter der Aufsichtsbehörde, die für die kommenden Tage ein Gespräch mit den Schülern ankündigten.
Nichts bekannt ist den beiden Schulamtsdirektoren dagegen von Problemen, die nach Angaben der Landesschülervertretung (LSV) Hessen vom Wochenende im Zentralabitur bei Mathematik-Grundkursklausuren sowie bei Prüfungen in Deutsch aufgetaucht sein sollen. Am Montag ruderte Tim Huß vom LSV zurück. Formal rechtlich habe es keine Versämnisse seitens des Kultusministeriums gegeben, räumte der Landesschulsprecher nach einem dreistündigen Gespräch im Ministerium ein.
Zu der Mathe-Panne an der Gießener Schule war es gekommen, weil ein Themenfeld aus der Analytischen Geometrie, das Rechnen mit Matrizen, im Unterricht nicht behandelt worden war. In der Abi-Klausur war jedoch eine Frage aus diesem Spektrum gestellt worden. Nach Angaben der beiden Schulamtsdirektoren hatte es im vergangenen Jahr zunächst einen Einführungserlass aus dem Kultusministerium gegeben, in dem das Thema Rechnen mit Matrizen als fakultativer - also freiwilliger - Unterrichtsbestandteil genannt worden war. In einem später versandten Durchführungserlass sei aus dem freiwilligen ein verpflichtender Teil geworden. Im Unterricht sei der Stoff allerdings nicht behandelt worden.
Insgesamt sei das Ganze »sehr unglücklich gelaufen«, sagte der stellvertretende Leiter der betroffenen Schule am Montag auf AZ-Anfrage. Allerdings sei der entsprechende Erlass erst zum Schuljahresende in der Schule angekommen, als die Schüler kurz vor dem Wechsel in die Stufe 13 standen. Der betreffende Stoff werde aber normalerweise im Jahrgang 12 behandelt. Nach ihm vorliegenden Informationen habe es das Problem auch andernorts gegeben.
Auch das Schulamt möchte, dass den Abiturienten durch die nicht gelöste Aufgabe kein Nachteil entsteht. Die Vertreter der Aufsichtsbehörde wollen in den kommenden Tagen ein Gespräch mit den 17 betroffenen Schülern führen und Lösungen anbieten. Eine Möglichkeit soll darin bestehen, dass der Anteil der Aufgabe, die etwa zehn Prozent der Gesamtpunktzahl der Klausur ausmacht, nicht gewertet wird. Als Alternative soll den Abiturienten angeboten werden, die Arbeit zum vorgesehenen Termin nachzuschreiben. Allerdings werde dann - anders als nach der Mathe-Panne im letzten Jahr - auf jeden Fall die Note der Nachklausur ins Abitur eingehen, bekräftigte Fellner von Feldegg.
Im vergangenen März hatte es bei der zentralen Mathematik-Klausur Fehler in der Aufgabenstellung gegeben. An den Gießener Oberstufenschulen hatten die Fachlehrer die Ungereimtheiten jedoch frühzeitig bemerkt und die Schüler informiert. Seinerzeit hatte Kultusministerin Dorothea Henzler allen Betroffenen zugesichert, dass sie die Prüfung zum offiziellen Nachschreibetermin erneut ablegen können. Anschließend wurde die bessere der beiden Abiturarbeiten gewertet.
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