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8500 Demonstranten ziehen durch Gießen

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Artikel vom 20.05.2015 - 06.58 Uhr

8500 Demonstranten ziehen durch Gießen

Gießen (mö). Es war eine der größten Demonstrationen in Gießen seit Jahrzehnten: Die Erzieherinnen und Erzieher der hessischen Kindertagessstätten sind am Dienstagmittag durch die Stadt gezogen und forderten mehr Lohn und Anerkennung. Hier lesen Sie alles Wichtige zur Demo.

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Gießener Demonstrations-Panorama: 8500 Beschäftigte aus den Sozialberufen protestieren auf dem Brandplatz gegen ihre Bezahlung. (Fotos: Schepp)
© Oliver Schepp
»Genau, genau«. Die beiden Frauen neben der großen Bühne auf dem Brandplatz nicken und klatschen dazu. Ihre Zustimmung gilt einem Satz von Verdi-Bundeschef Frank Bsirske: »Wir fordern die lange überfällige Aufwertung eines typischen Frauenberufs.« Der Blick von der Bühne bestätigt den Gewerkschaftsführer. Rund 8500 Menschen, davon die allermeisten Frauen, demonstrieren am Dienstagvormittag in Gießen für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten aus den kommunalen Kindertagesstätten, den Jugendämtern und Behindertenwerkstätten.

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Gießen erlebt die größte Demonstration seit Jahrzehnten. Zuletzt hatten jeweils 5000 Personen 2006 gegen die Einführung von Studiengebühren in Hessen und 1991 gegen den ersten Golfkrieg demonstriert. Bereits ab 9.30 Uhr rollen aus ganz Hessen fast 150 Busse mit den Angestellten aus den Sozialberufen Richtung Messeplatz. Von dort geht es zu Fuß in die Innenstadt. Pulkweise leiten Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts die Demonstranten über den neuen Überweg an der Ostanlage, wo sich deshalb Rückstaus bilden. Auf dem Brandplatz stimmt derweil Verdi-Landeschef Jürgen Bothner die dort vor der Bühne stehenden Frauen auf die Kundgebung ein. Bothner ruft »Wir arbeiten...«, tausende ergänzen den Satz mit »...für die Gesellschaft« oder »...für die Zukunft«. Noch kann die Kundgebung nicht beginnen. »Es kommen immer noch Busse rein«, informiert Bothner die Menge, die sich bereits jetzt vom Kanzleiberg bis vors Zeughaus erstreckt. Es ist ein Meer in Rot-Weiß, neben den Fahnen der Dienstleistungsgewerkschaft recken viele der Erzieherinnen selbstgestaltete Transparente in die Höhe. »Wer eine Horde Kinder managt, verdient ein Managergehalt«, steht da. Oder neckisch: »Eine Erzieherin ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von nichts.« Vor der Bühne witzelt eine Demonstrantin: »Wenn’s Randale gibt, bilden wir einen Stuhlkreis.«

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Auch Beschäftigte aus heimischen Einrichtungen zeigen Flagge.
© Oliver Schepp


Ein Video mit Eindrücken und Meinungen gibt's hier.

Ausschreitungen wird’s bei dieser Demo ganz bestimmt nicht geben, dafür erleben die Teilnehmer/innen aber einen kämpferischen Verdi-Boss. »Jetzt seid ihr dran«, ruft Bsirske den über 8000 Versammelten zu. Immer wieder spricht er von einer notwendigen Aufwertung der Sozialberufe, von »gestiegenen Erwartungen und Anforderungen«. Bsirske nennt die Kita-Erzieherinnen und Mitarbeiter der Sozialen Dienste in den Jugendämtern sowie die Beschäftigten aus den psychiatrischen Krankenhäusern oder Behindertenwerkstätten »pädagogische Facharbeiter/innen«, deren Arbeit aber nicht ausreichend wertgeschätzt werde. So stünden bei einer Kita-Erzieherin am Monatsende unterm Strich »1800 Euro netto«. Dafür, so der Verdi-Chef, »stellt sich in der Automobilindustrie niemand ans Fließband«.



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Artikel vom 20.05.2015 - 06.58 Uhr
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