Gießen (fd). »Hoffentlich funktioniert die Klimaanlage in den Waggons«, lachte Pfarrer Markus Konrad, bevor er in den Bahnwagen stieg. Ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch des katholischen Jugendseelsorgers: Schließlich sollte der Sonderzug, der am Samstag um 13.07 Uhr den Gießener Bahnhof verließ, erst 21 Stunden später seine Endstation in Rom erreichen.
Dekan Jan Mäurer sprach den Reisesegen und schwenkte anschließend ebenso wie die Jugendlichen zum Abschied eifrig sein Taschentuch. (Foto: fd)
Zusammen mit Pfarrer Konrad an Bord: 750 junge Ministranten aus dem Bistum Mainz, darunter 85 aus Gießen und Umgebung. Sie alle treffen als Höhepunkt der Internationalen Messdiener-Wallfahrt am Mittwoch auf dem Petersplatz auf 53 000 aus ganz Europa angereiste Altardiener – und im Rahmen einer Generalaudienz auch auf den Papst.
»Die Kirche wurde in letzter Zeit auch aus eigenem Verschulden als unehrlich und unattraktiv betrachtet«, so Pfarrer Konrad. Entsprechende Nachrichten wirkten sich natürlich auch auf den Alltag der Jugendlichen aus. Viele hätten es schwer, ihre Zugehörigkeit zur Kirche vor anderen Heranwachsenden zu rechtfertigen. Umso erstaunlicher, dass im Vergleich zur letzten Messdiener-Wallfahrt vor vier Jahren nicht etwa weniger, sondern sogar wesentlich mehr junge Ministranten die Fahrt nach Rom angetreten haben: Damals waren es europaweit etwa 9000 Altardiener weniger. Allein im Bistum Mainz stieg die Teilnehmerzahl in diesem Jahr um 400 Teilnehmer. Neben dem Sonderzug, der in Gießen startete und Jugendliche bei Zwischenstopps in Friedberg, Frankfurt, Darmstadt und Bensheim aufsammelte, musste das Bistum Mainz parallel sogar noch einen zweiten Zug für weitere 750 Ministranten ordern.
»Wir hoffen, dass die Jugendlichen durch die Fahrt auch wieder neue Motivation bekommen«, so Pfarrer Konrad. Gerade die lange Reise im Zug nämlich – ein Novum für die sonst immer per Bus nach Rom gereisten Mitglieder des Bistums Mainz – sei für die Ministranten eine tolle Sache. Hier könnten Gleichgesinnte kennengelernt, Erfahrungen ausgetauscht und Freundschaften geschlossen werden. So sehen das auch die Jugendlichen selbst: »Man kann herumlaufen und sich mit anderen beschäftigen«, nickt einer. Ein anderer ergänzt: »Im Zug gibt es viel mehr zu erleben als in einem engen Bus.«
Höhepunkt der Messdiener-Wallfahrt, da sind sich die jungen Altardiener und ihre Gießener Begleiter Kaplan Thomas Winter und Gemeindereferentin Tanja Mohr (St. Albertus) einig, sind jedoch nicht die 21 Stunden im Zug, sondern die Papstaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz: Zusammen mit 53 000 Gleichgesinnten aus ganz Europa werden die hessischen Ministranten Papst Benedikt XVI. zum Thema »Aus der wahren Quelle trinken« sprechen hören. Neben weiteren Gottesdiensten steht zudem noch eine Sieben-Kirchen-Wallfahrt an: Die jungen Altardiener werden entlang einer rund 20 Kilometer langen Route durch Rom pilgern und dabei die sieben Hauptkirchen der Stadt besuchen.
Doch vor der Papstaudienz und dem Marsch durch die »Ewige Stadt« stand den Ministranten am Samstag noch der Abschied von den Eltern bevor: Für insgesamt eine Woche mussten sie sich verabschieden. Und weil in den Gesichtern des einen oder anderen Elternteils abzulesen war, dass sie sich trotz des von Dekan Jan Mäurer gesprochenen Reisesegens um ihren Nachwuchs sorgen oder ihn zumindest vermissen werden, hat sich das Bistum Mainz für Angehörige wie Interessierte etwas Besonderes einfallen lassen: Unter www.bdkj-special.de hat Pfarrer Konrad einen Blog eingerichtet, sodass die Ministranten jeden Tag schriftlich über ihre Erlebnisse in Rom berichten können. Bereits während der Fahrt zum Weltjugendtag vor zwei Jahren in Sydney stieß das Konzept auf große Resonanz und schonte bei besorgten Eltern sowohl Nerven als auch Telefonkosten.
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