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25. Lungentransplantation am Uniklinikum Gießen

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Artikel vom 01.11.2010 - 09.00 Uhr

25. Lungentransplantation am Uniklinikum Gießen

Gießen (if). Man konnte ihm ansehen, dass er kein Mann großer Worte ist. Doch dann wandte sich der 51-jährige Familienvater Otto Armbrust am Freitagmittag in einem Besprechungsraum des Uniklinikums lächelnd den neben ihm sitzenden Professoren Werner Seeger und Winfried Padberg, Markus Weigand, Konstantin Mayer und Oberarzt Dr. Wilhelm Alfred Stertmann zu: »Sie alle haben mir ein neues Leben geschenkt«, erklärte er bewegt.
Die Lungentransplantierten Otto Armbrust (vorne links) und Rainer Neuhaus, der schon früher ein neues Organ bekommen hatte, mit
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Die Lungentransplantierten Otto Armbrust (vorne links) und Rainer Neuhaus, der schon früher ein neues Organ bekommen hatte, mit den Professoren (v.l.) Markus Weigand, Werner Seeger, Konstantin Mayer, Winfried Padberg und Oberarzt Wilhelm Alfred Stertmann. (Foto: Schepp)
Mit Worten könne »man überhaupt nicht beschreiben, wie das ist, ohne Maschine und ohne Hilfe zu atmen. Es ist etwas Einmaliges«. Und voll des Lobes über das Ärzte- und Pflegeteam fügt er hinzu: »Besser hätte man mir nirgendwo helfen können«.

Ein Team um Padberg, Direktor der Klinik für Allgemein-, Thorax- und Transplantationschirurgie, hat dem Busfahrer aus Sebnitz in Sachsen in einem achtstündigen Eingriff vor kurzem eine Spenderlunge - die 25. in Gießen - eingepflanzt. Nahezu ein Jahr später als Otto Armbrust eigentlich vorgesehen hatte, wird er nach der jetzt erfolgenden Reha im Berchtesgadener Land wieder nach Hause zur Familie zurückkehren können. Inzwischen sind bereits schon wieder drei weitere Lungentransplantationen im Klinikum erfolgt.

Zusammen mit Reiner Neuhaus vom Bundesverband der Organtransplantierten »bod« - dem bereits im vorigen September in Gießen eine »neue« Lunge eingepflanzt worden war -, bekundeten Ärzte und Patienten Genugtuung und Freude darüber, dass das zwar schon Ende des vorigen Jahrhunderts in Gießen aufgenommene, seither indes eher schleppend verlaufene Lungen-Transplantationsprogramm jetzt »Fahrt aufgenommen« hat: Als ein wichtiger Baustein komplettiere es das zielstrebig aufgebaute, in Wissenschaft und Patientenversorgung international renommierte Zentrum zur Behandlung von Lungenerkrankungen, unterstrich Werner Seeger, der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums Gießen-Marburg.

Nachdem in Frankfurt nach Umstrukturierungen die Lungentransplantationen eingestellt wurden, ist das Uniklinikum - das über eine jahrzehntelange lungenchirurgische Tradition verfügt - in Hessen das einzige und eines der wenigen deutschen Zentren, das den - auch was Infrastruktur, Vorbereitung und Nachsorge angeht - anspruchsvollen Eingriff durchführt.

Seeger berichtete, dass zu den im vorigen Jahr vorgenommenen sechs Lungentransplantationen in diesem Jahr bereits acht weitere hinzugekommen sind. Chirurgiechef Padberg, der die allererste Lunge in Gießen bereits 1998 implantiert hatte und mit zwei namhaften Preisen der Transplantationschirurgie ausgezeichnet wurde, bezeichnet die bisherigen Ergebnisse als »hervorragend«. Markus Weigand, Leiter der Anästhesiologie und Operativen Intensivmedizin, aus dessen Abteilung vier spezialisierte Anästhesisten im Transplantationsteam arbeiten, nannte insbesondere den Fall des »Jubiläumspatienten« spontan als »toll«.

Zusammen mit Konstantin Mayer, dem internistischen Leiter des Lungen-Transplantationsprogrammes schilderte, Armbrust seine Geschichte. Eigentlich hatte er nur Weihnachten bei seiner Schwester in Montabaur verbringen wollen, so der 51-Jährige. Doch an den Feiertagen erkrankte er - bereits an einer chronischen Lungenfibrose leidend - an der damals grassierenden Schweinegrippe. Zunächst an einer auswärtigen Klinik behandelt und bald auch künstlich beatmet, verlegte man ihn, als sich sein Zustand weiter verschlechterte, nach Gießen. Hier stellten die behandelnden Ärzte eine schwere Funktionsstörung der Lunge fest. Vier Wochen lang musste der Patient über die Herz-Lungenmaschine mit Sauerstoff versorgt werden. Auch danach konnte er nicht mehr ohne Beatmungsgerät leben: Die Schweinegrippe hatte die Lunge irreversibel geschädigt. Im März dann die Entscheidung: Lungentransplantation. Nach der Aufnahme in die Liste der dringend auf ein Spenderorgan angewiesenen Patienten kam nach sechs Monaten von Eurotransplant die erlösende Nachricht. »Wir haben ein Organ«. Zwölf Stunden nach der Transplantation konnte der Patient wieder selbstständig atmen.

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Artikel vom 01.11.2010 - 09.00 Uhr
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