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150 Patienten warten auf eine Transplantation

Artikel vom 11.12.2011 - 15.00 Uhr

150 Patienten warten auf eine Transplantation

In Gießen können die Wünsche vieler schwer kranker Menschen nach einer Organspende nicht erfüllt werden. Die Spenderzahlen sind zurückgegangen.

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Über die Situation am Transplantationszentrum Gießen und in der Transplantationsmedizin informierten Prof. Rolf Weimer, Inge Köhler, Dr. Cornelia Blume, Dr. Wojciech Dombrowsky und Dr. Sabine Moos. (Foto: fm)
Gießen (if). Ein Fallschirmabsprung? Ein Gourmet-Menü? Was soll es sein? Im Vorfeld des Festes wächst von Jahr zu Jahr die Skala der Geschenkmöglichkeiten. Die Wünsche zahlloser schwer kranker Menschen müssen dagegen – sofern sie es überleben – vielfach schon seit Jahren unerfüllt bleiben. Im Büro des Transplantationszentrums Gießen lässt sich diese deprimierende Situation mit harten Zahlen belegen: Auf die ersehnte Nachricht »Wir haben ein Spendenorgan für Sie« hoffen derzeit rund 150 kranke Menschen.

120 dieser Patienten brauchen dringend eine »neue Niere«. Acht Kinder brauchen – zusammen mit einem Erwachsenen – dringend eine Herztransplantation. Eine Lungentransplantation erhoffen sich 26 Patienten, eine Inselzelltransplantation 13 Patienten. Bei der 25. Gießener Transplantationskonferenz, die unter Leitung des langjährigen Zentrumssprechers, des Nierenspezialisten Prof. Rolf Weimer stattfand, nannte Transplantations-Administratorin Inge Köhler diese Zahlen. Sie ergeben sich, obgleich am Zentrum seit 1. Januar 2011 immerhin zehn Herztransplantationen (davon neun bei Kindern), 13 Lungentransplantationen sowie 33 Nierentransplantationen (davon allein 15 nach »Lebendnieren«-Spenden) realisiert werden konnten.

Dass dieses Ergebnis aber deutlich hinter dem des Vorjahres liegt, schreibt Dr. Sabine Moos einem deutlich hinter den Ergebnissen des Vorjahres zurückgebliebenen Spendenbereitschaft namentlich in der »DSO-Region Mitte« –Hessen – zu. Nachdem hier – so die Deutsche Stiftung Organtransplantation – im Vorjahr ein bemerkenswerter Anstieg der Organspende-Bereitschaft um über 45 Prozent zu verzeichnen war und die Region sich damit erstmals mit 18,2 Spenden pro einer Million Einwohner bundesweit an zweiter Stelle habe platzieren können, habe sich seit Januar der Trend umgekehrt. »Zwar haben sich mittlerweile die Ergebnisse verbessert, doch die Zahlen des Vorjahres werden wir nicht mehr erreichen können«, beklagte sie. Eine Verbesserung sei möglicherweise zu erhoffen, so deutete sie an, wenn die hinsichtlich der Organspende anvisierte gesetzliche Regelung über eine »Entscheidungslösung« in Kraft trete.

Diese Erwartung, so die Einschätzung, werde durch Erkenntnisse einer neuen Studie gestützt, wonach die derzeit beklagte unbefriedigende Ablehnungsquote in hohem Maße von der erforderlichen Zustimmung Angehöriger beeinflusst werde.

Im Mittelpunkt des Kolloquiums stand die Frage nach einer weiteren Verbesserung bei der medikamentösen Verhinderung von Abstoßungsreaktionen. Vor wenigen Monaten hat ein neuer Wirkstoff seine Zulassung nach Nierentransplantation erhalten. »Wird damit die Ära der bisher eingesetzten Substanzen gegen Transplantatversagen wie beispielsweise Ciclosporin abgelöst?« lautete die Frage der »Allgemeinen« an Prof. Weimer und an Privatdozentin Dr. Cornelia Blume, die an der Medizinischen Hochschule Hannover die Nachsorge der Nierentransplantierten leitet und maßgeblich in die Zulassungsstudie des neuen Immunsuppressors eingebunden war. So pauschal wollten beide Nierenspezialisten diese Frage nicht beantworten. Wohl aber könne man davon ausgehen, dass nach den bisher gewonnen Ergebnissen der neue »Stimmulationsblocker«, der als »Calcineurininhibitor« Abwehrreaktionen gegen das Spenderorgan dämpft, bei der herkömmlichen Abstoßungs-Therapie möglichen unerwünschten Nebenwirkungen begegnet. Über den praktischen Einsatz der Therapie-Alternative, die über vierwöchentliche Injektionen erfolgt, berichtete abschließend Dr. Wojciech Dombrowsky. »Es ist damit zu rechnen,« so erklärte Prof. Weimer, »dass auch wir in absehbarer Zeit bei entsprechend geeigneten Patienten die alternative Immunsuppression werden einsetzen können«.

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Artikel vom 11.12.2011 - 15.00 Uhr
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