ADFC: Zu wenig Fahrradparkplätze am Bahnhof geplant
Gießen (pm). Am Bahnhofsvorplatz besteht nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs deutlich mehr Bedarf an Fahrradparkplätzen, als sie bisher in der Umbauplanung vorgesehen sind. Dies hätten Zählungen ergeben, die der ADFC durchführt.
Auch im Winter sind die offiziellen Fahrradparkplätze am Bahnhof fast alle belegt. (Foto: pv)
Die Stadt Gießen war bisher davon ausgegangen, dass 366 Fahrradstellplätze im Bereich des Bahnhofsvorplatzes nötig wären, wobei künftige Zuwächse bereits berücksichtigt sein sollten. Die Zahl von 366 Rädern wurde im Bauausschuss Anfang Dezember präsentiert und entstammt einem städtischen Gutachten aus dem Sommer 2009. Sowohl einzelnen Ausschussmitgliedern als auch dem ADFC Gießen, der die Sitzung verfolgte, erschienen die Zahl als zu gering. Seitdem haben die ADFC-Aktiven mehrfach die abgestellten Fahrräder gezählt. Dabei stellte sich heraus, dass im Dezember rund um den Bahnhof bis zu 774 Räder abgestellt waren. Im neu zu gestaltenden Bereich rund um den Bahnhofsplatz wurden trotz eisiger Temperaturen bis zu 428 Räder gezählt. Bei warmem, trockenem Sommerwetter werden diese Zahlen nach Erwartung des ADFC noch deutlich höher liegen.
Die Ergebnisse der Zählungen hat der ADFC nun der Stadt zur Verfügung gestellt. »Wir sind dankbar, dass die Stadt uns eine umgehende Prüfung unserer Zahlen zugesagt hat und dass sie unsere Ergebnisse für die weiteren Planungen berücksichtigen will«, so ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer.
Generell begrüßt der ADFC, dass der Bahnhofsplatz neu gestaltet wird und die Stadt zum Ziel hat, eine ausreichende Anzahl von überdachten und sicheren Fahrradstellplätzen direkt am Bahnhof anzubieten. Ein bewachtes Fahrradparkhaus mit Reparaturservice und Verkauf gehört für den ADFC dazu.
Wenn man die Presseerklärung des ADFC Gießen auf dessen Homepage liest, wird deutlich, dass die Stadt Informationen zurückhält. Das Gutachten der Stadt zum Bedarf an Fahrradabstellplätzen hat diese nicht einmal dem ADFC zur Verfügung gestellt, was dafür spricht, dass die Stadt selber weiß, wie windig dieses Gutachten ist. Dass das Gutachten absichtlich methodisch fragwürdig ist, möchte ich niemandem unterstellen, aber offensichtlich hat das Thema Fahrradparken beim Stadtplanungsamt und bei der Stadtpolitik nicht all zu hohen Stellenwert, denn sonst wären diese methodischen Fehler der Gutachter nicht unbemerkt geblieben. Dass das Thema Fahrradparken geringe Priorität hat, erkennt man auch daran, wie der Bahnhofsvorplatz geplant wurde: Erst wird ein freier Bahnhofsplatz verordnet, dann die Bushaltestellen und die Kurzzeitparkplätze gesetzt und dann wird geschaut, auf welchen Flächen noch Platz für Fahrräder ist. Da bleibt dann kaum noch Platz übrig und man sieht das Fahrrad mal wieder als Ursache und nicht als Lösung für die Verkehrsprobleme.
Zur Frage von Sneak97: Derzeit können rund 630 Fahrräder am Bahnhof rahmenfest an den Abstellanlagen der Stadt abgestellt werden. 360 Plätze sind davon überdacht. Der Bereich an der Lahnstraße ist nicht ganz ausgelastet und auch am Alten Wetzlarer Weg sind zumindest im Winter im nicht überdachten Bereich stets Plätze frei. Im Bereich des Vorplatzes gibt es allerdings nur 150 (nicht überdachte) Plätze, an denen das Rad angeschlossen werden kann und diese sind ständig überlastet. In sofern ist auch zu erwarten, dass dort deutlich mehr als die 428 gezählten Räder abgestellt werden, wenn das Abstellen dort attraktiver und sicherer wird.
Man sollte auch beachten, dass die Uni, FH und das Klinikum in den nächsten Jahren mehr als 5.000 Radabstellplätze schaffen werden, so dass dann sicher noch mehr Studierende und Arbeitnehmer mit dem Rad zum Bahnhof fahren. Die Stadt sollte daher zumindest Ideen entwickeln, wie in rund 10 Jahren am Bahnhof 2.000 Räder abgestellt werden können. Dies sind für eine Uni- und Behördenstadt keine unrealistischen Zielwerte, wenn man andere Unistädte betrachtet.
(08.02.2010 15:22)
Sneak97
Übliches Vorgehen der Stadt?
Mir sieht es ganz danach aus, als wolle die Stadt nach dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes gut dastehen ohne wirklich etwas zu tun. Dabei sind Fahrradparkplätze viel billiger als welche für Kfz. "Wir haben bedarfsgerecht Fahrradparkplätze eingerichtet" wird es heissen und man wird ganz überrascht sein, dass die nicht reichen. Wie viele sind das eigentlich jetzt? Die vorhandenen reichen nicht aus, um das festzustellen muss man gar nicht so genau zählen. Auch an vielen anderen Stellen in der Stadt gibt es ganz offensichtlich zu wenig Fahrradstellplätze, aber statt die Situation zu verbessern werden noch welche entfernt (in der Löwengasse z.B.). Da stelle ich mir lieber nicht vor, wie ein Parkhaus für Fahrräder aussehen würde.
Gießen (cw). Im letzen Jahr kamen 15.000 Besucher zur ersten Auflage der Messe »Garten Blumen Frühling« in die gießener Messehallen. In diesem Jahr locken 100 Aussteller auf 5.000 m² zum Besuch bis Sonntag, 14. März.
Dass das Thema Fahrradparken geringe Priorität hat, erkennt man auch daran, wie der Bahnhofsvorplatz geplant wurde: Erst wird ein freier Bahnhofsplatz verordnet, dann die Bushaltestellen und die Kurzzeitparkplätze gesetzt und dann wird geschaut, auf welchen Flächen noch Platz für Fahrräder ist. Da bleibt dann kaum noch Platz übrig und man sieht das Fahrrad mal wieder als Ursache und nicht als Lösung für die Verkehrsprobleme.
Zur Frage von Sneak97: Derzeit können rund 630 Fahrräder am Bahnhof rahmenfest an den Abstellanlagen der Stadt abgestellt werden. 360 Plätze sind davon überdacht. Der Bereich an der Lahnstraße ist nicht ganz ausgelastet und auch am Alten Wetzlarer Weg sind zumindest im Winter im nicht überdachten Bereich stets Plätze frei. Im Bereich des Vorplatzes gibt es allerdings nur 150 (nicht überdachte) Plätze, an denen das Rad angeschlossen werden kann und diese sind ständig überlastet. In sofern ist auch zu erwarten, dass dort deutlich mehr als die 428 gezählten Räder abgestellt werden, wenn das Abstellen dort attraktiver und sicherer wird.
Man sollte auch beachten, dass die Uni, FH und das Klinikum in den nächsten Jahren mehr als 5.000 Radabstellplätze schaffen werden, so dass dann sicher noch mehr Studierende und Arbeitnehmer mit dem Rad zum Bahnhof fahren. Die Stadt sollte daher zumindest Ideen entwickeln, wie in rund 10 Jahren am Bahnhof 2.000 Räder abgestellt werden können. Dies sind für eine Uni- und Behördenstadt keine unrealistischen Zielwerte, wenn man andere Unistädte betrachtet.