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26 weitere »Stolpersteine« für Nazi-Opfer

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Artikel vom 04.02.2009 - 22.00 Uhr

26 weitere »Stolpersteine« für Nazi-Opfer

Gießen (kw). Was ist denn das für eine Messingplakette im Pflaster? Wer sich bückt, um sie zu lesen, erfährt den Namen und die schlichten Lebensdaten eines Menschen, der hier gewohnt hat, bevor er oder sie grausam zu Tode kam: Deportiert und ermordet unter dem Hitler-Staat - nur weil er Jude war, behindert oder Regimegegner.
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23 »Stolpersteine« (hier an der Ricarda-Huch-Schule) gibt es schon in Gießen, am Donnerstag und Freitag kommen 26 neue hinzu. (Archivfoto: mö)
Der nächste Blick geht nach oben: Genau an dieser Stelle, sozusagen mitten unter uns hat er gelebt ... Gut 17 000 »Stolpersteine« liegen mittlerweile in Deutschland und erinnern an Einzelschicksale von Nazi-Opfern, 23 von ihnen seit einem Dreivierteljahr in Gießen. Nächste Woche kommen noch einmal 26 an 13 Plätzen hinzu. Das Interesse an weiteren Verlegungen von Steinen sei groß, sagten gestern beim Pressegespräch Monika Graulich, Christel Buseck und Ursula Schroeter von der heimischen Kontaktgruppe.

Viele Lebensgeschichten warteten noch darauf, erforscht zu werden: Allein rund 150 Gießener Juden seien mit zwei großen Transporten im September 1942 über Darmstadt in die Vernichtungslager deportiert worden, sagte Monika Graulich. Es gebe viele Interessenten, die gern Paten für bestimmte »Stolpersteine« werden und dafür spenden möchten, etwa weil sie von Menschen erfahren haben, die einst in ihrer Nachbarschaft wohnten oder an ihrer Schule waren. Schwierig sei es dann aber oft, »Spurensucher« zu finden, die sich in die Archive vergraben: Die rein ehrenamtlich arbeitenden Koordinatoren der mittlerweile etwas geschrumpften Initiativgruppe könnten dies in der Regel nicht leisten.

Einzelne Engagierte, Schulklassen oder andere Gruppierungen haben in den vergangenen Monaten 37 Lebensgeschichten recherchiert. 26 von ihnen wurden nun ausgesucht für die beiden Verlege-Termine am Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag (siehe Kasten) mit dem Kölner Künstler Günter Demnig, der die »Stolpersteine« 1993 erfunden hat. Bei einem weiteren Termin im Herbst werden noch einmal sechs Plaketten an vier Orten in Wieseck eingelassen und einige an zwei bis drei Stellen in der Innenstadt. Dann brauche die Gruppe erst einmal eine »Denkpause«, sagten die drei Aktiven, doch ein Ende sei nicht in Sicht. »So lange das Interesse besteht, hören wir nicht auf.« So wolle die Ricarda-Huch-Schule weitere ehemalige Schülerinnen auf diese Weise würdigen, kündigte Lehrerin Christel Buseck an.

Monika Graulich berichtete von positivem Echo von Anwohnern auf die Aktion und sang »Loblieder« auf die Stadtverwaltung. Das Tiefbauamt bereite stets den Boden für die Steine-Verlegung vor, das Vermessungsamt helfe bei der Suche nach alten Adressen, die in der »verwundeten« Stadt Gießen besonders schwierig sei.

Näheres über die Aktion findet man im Internet unter www.stolpersteine.com oder www. stolpersteine-giessen.de. Wer in der Initiativgruppe mitmachen möchte oder sich für die Aktionen vor Ort interessiert, kann sich wenden an Pfarrer Klaus Weißgerber, Tel. 06 41/90 19 02 62.





Die neuen »Stolpersteine«

Am kommenden Donnerstag und Freitag werden an folgenden Orten Stolpersteine für diese ehemaligen Gießener verlegt:



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Artikel vom 04.02.2009 - 22.00 Uhr
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