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Tanzstück »Cassandra« feiert im Stadttheater Premiere

Artikel vom 21.02.2010 - 20.50 Uhr

Tanzstück »Cassandra« feiert im Stadttheater Premiere

Das war eine absolut beeindruckende Premiere, die am Freitagabend im Stadttheater Gießen zu erleben war. Die neunköpfige Tanzcompagnie präsentierte das neue Tanzstück »Cassandra« von Tarek Assam in Bestform.
Das trojanische Volk im Siegestaumel: Eoin Mac Donncha hat die Lufthoheit übernommen.	(Fotos: Rolf K. Wegst)
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Das trojanische Volk im Siegestaumel: Eoin Mac Donncha hat die Lufthoheit übernommen. (Fotos: Rolf K. Wegst)
Gemeinsam mit dem minimalistischen Bühnenbild (Lukas Noll), dem at- mosphärischen Licht (Manfred Wende) und dem bravourös aufspielenden Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Carlos Spierer wuchs alles zu einem großen Ganzen zusammen und verzauberte das Publikum für spannende zwei Stunden. Begeisterter und lang anhaltender Applaus honorierte sowohl die Einzel- als auch die Gemeinschaftsleistungen. Tanzdirektor Tarek Assam hatte wieder ein Motiv der antiken Mythologie aus- gewählt: die Weissagungen der Seherin Cassandra, die niemand hören will und die sie selbst mit dem Tod be-zahlt.

Im Kern geht es um den Umgang mit Wahrheit und Lüge, der zum Krieg zwischen Völkern führen kann; aktuelle Bezüge sind naheliegend. Assam gibt keine Nacherzählung des Trojanischen Krieges, sondern fokussiert auf zentrale Aussagen wie Liebe, Lüge, Krieg, Schicksal und Tod. Textstellen, eingesprochen von Schauspielerin Irina Ries, erzählen das Geschehen aus Sicht der Tempelpriesterin Cassandra. Dafür gibt es in der deutschsprachigen Literatur ein textgewaltiges Vorbild, die Kassandra-Erzählung von Christa Wolf, die sie noch zu DDR-Zeit als Gesellschaftskritik schrieb.

Bestimmend ist die Horizontale durch eine Projektionsfläche, die die gesamte Breite der Bühne umfasst, und das Hauptbildmotiv transportiert: die Augen der Cassandra. Am Anfang und Ende sind sie geschlossen, mit Beginn ihrer Sehergabe öffnen sie sich und werden allmählich von den Schrecken des Krieges überschattet: von den Vorboten in Gestalt von schwarzen Vögeln, von fallenden Bomben und aufsteigendem Rauch über Ruinen.

Gebäudeartige Elemente sind auf drei Ebenen hintereinander gestaffelt, sie haben eine massive, festungshafte Anmutung und bieten den Tänzern viele Möglichkeiten der Raumerschließung, können aber auch nach oben gezogen werden. Die Kostüme sind streetwear mit diversen Militärelementen wie Hosen in Tarnfarbe.

Bestechend ist die Leistung der Maskenabteilung: Die Tänzerinnen erhielten alle eine farblich akzentuierte Haarverlängerung im Rasta-Look und die Männer einen farbigen Hahnenkamm. Einzige Requisiten sind Radiogeräte, die für die Verbreitung der Lüge stehen, sowie gegen Ende Lampen und Kronleuchter, die den Sieg aber auch nicht erhellen.



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Artikel vom 21.02.2010 - 20.50 Uhr
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