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Tanzstück »Anna Blue« voller Leichtigkeit und Tiefe im TiL

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Artikel vom 12.12.2011 - 18.29 Uhr

Tanzstück »Anna Blue« voller Leichtigkeit und Tiefe im TiL

Das Tanzstück »Anna Blue« hatte auf der TiL-Studiobühne Premiere.

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Tänzerin Magdalena Stoyanova und Cellist Attila Hündöl. (Foto: Wegst)
Während das Publikum den Theaterraum betritt, hat das Tanzstück schon begonnen. Die Bühnenakteure sind völlig vertieft in ihr gemeinsames, spielerisches Tun. Wie in einen Kokon gehüllt zuckt einer hin und her, stöhnt dabei laut ins Mikrofon und die anderen schauen zu; sie geben nur am Ende Hilfestellung, wenn er sich aus der Hülle befreien will. Von der Decke hängende, verknitterte Bettlaken geben eine Ahnung von einem Bühnenvorhang (Bernhard Niechotz). Der Cellist hat einen gar zwischen sich und seinem Instrument, muss quasi blind spielen.

Dann ertönt die weibliche Stimme aus dem Off. Im freundlichen, aber dennoch Befehlston gibt sie auf Englisch Anweisungen und erkundigt sich nach dem Befinden der drei Tänzerinnen (Edina Nagy, Mamiko Sakurai, Magdalena Stoyanova) und des Tänzers (Christopher Basile). Schnell wird deutlich: hier spricht die Choreografin (Hagit Yakira). Sie ermuntert ihr Team zu eigenständigem Denken und Körperausdruck. Heißt es am Anfang noch freundlich »Dancers, show me happiness and freedom«, so werden ihre Aufforderungen bald fordernd, auch mal schrill, und treiben die Tanzenden bis zur atemlosen Erschöpfung an. Dann wieder lässt sie ihnen die Pause zum Rückzug, zum Sich-Besinnen und Beobachten, gibt der live eingespielten Cello-Musik von Attila Hündöl viel Freiraum.

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Auch Mamiko Sakurai tanzt zum Cellospiel. (Foto: Wegst)
»Anna Blue« heißt das Stück und meint einen Schmetterling, der für Freiheit steht. Das war die Ausgangsidee von Tanzdirektor Tarek Assam, zu der sich weitere Gefühle wie Glück und Einsamkeit, aber auch Beengtsein und Gefängnis gesellen. Gastchoreografin Hagit Yakira vom Laban-Center in London hat die Vier von der Tanzcompagnie Gießen (TCG) ihre eigenen Ideen entwickeln lassen und daraus ein Tanzstück voller Leichtigkeit und Tiefe entwickelt, das sein menschliches Maß behalten hat. Alle Beteiligten haben den inneren und äußeren Freiraum zur Entfaltung, auch die Zuschauenden können sich darauf einlassen und innerlich mitschwingen.

Es gibt einzelne Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Die drei Frauen wollen den Schmetterling (das Glück) fangen, werden jedoch leichtsinnig auf den Stühlen; der einzige Mann im Team hat seine liebe Not, alle vorm Absturz zu bewahren. Mimiko ist bezaubernd in ihrer Verliebtheit und wird von Chris behutsam getragen und gestützt, sogar die Wand kann sie mit ihm hochlaufen. Symbolischer kann das Bild der beflügelnden Liebe wohl kaum sein. Es gibt auch die verzweifelten Szenen, das Anrennen gegen Wände, das Fallen und immer wieder Aufstehen und das sehnsuchtsvolle sich Annähern an etwas oder jemand (Magdalena), das sich im beruhigenden Klang des Cellos findet. Edina gibt sich einsam und scheu, traut sich erst nach mehrfacher Aufforderung aus sich herauszugehen. Doch sie bleibt eine Einzelgängerin, wenn sie auch behutsam näher rückt, während die anderen Drei sich am Ende wie in einem großen Knäuel über den Boden wälzen. Langanhaltender und sofort durch Trampeln, Rufe und Pfiffe verstärkter Applaus belohnte diese außergewöhnliche Darbietung. Dagmar Klein

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Artikel vom 12.12.2011 - 18.29 Uhr
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