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Simonyi zeigt Werke voller brutaler Akzente in der Galerie Reinard

Artikel vom 27.07.2010 - 18.30 Uhr

Simonyi zeigt Werke voller brutaler Akzente in der Galerie Reinard

Idyllisch gelegen ist die Galerie Reinard in Lützellinden in jeder Hinsicht: im Hinterhaus einer renovierten Hofreite, ausgestellt wird unten und unterm Dach. Dort finden sich jetzt bemerkenswerte Malereien und Zeichnungen der in Ungarn geborenen Künstlerin Emö Simonyi.
Emö Simonyi
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Emö Simonyi
Sie verbindet höchste handwerkliche Stilsicherheit mit famoser Ausdruckskraft und einer inhaltlichen Radikalität, die in das Wesen der Menschen schaut wie in einen Abgrund.

Persönlich scheint die 1943 in Budapest geborene Malerin entspannt und heiter im Hier und Jetzt zu ruhen. Sie studierte 1961 bis 1967 Malerei und Grafik an der Kunstakademie Budapest; schon 1968 erhielt Simonyi in London bei einem internationalen Wettbewerb den ersten Preis für das »Best Design of the year«. Sie lebt seit 1971 in Deutschland und war von 1972 bis 1989 als Grafikerin in der Industrie tätig; seit 1975 arbeitet sie auch als Malerin. Die gebürtige Ungarin lehrt seit 1993 an der Kunstakademie in München, wo sie auch lebt.

»Ich habe sie bei der Marburger Sommerakademie als Meisterin der naturalistischen Darstellung erlebt«, schwärmte Galerist Hans Reinard, »wobei sie die anatomische Richtigkeit in ihren Bildern hier über den Haufen geworfen hat.« Laudator Eckhardt Froeschlin fand drei Hauptaspekte in Simonyis Werk: »Schönheit, Gewalt und Leben, Schönheit jedoch eher im Scheitern«. Er sah in den Arbeiten »eine Begegnung mit den Alpträumen Goyas«, die »hinreißend und befremdlich zugleich« sei. »Schönheit heißt hier nicht unbedingt Schönheit des Sujets.«

Um Schönheit sorgt sich Simonyi allerdings nicht. Sie zelebriert mit kräftigen Strichen, Farben und auch in den schwarz-weißen Arbeiten eine rücksichtslose Charakterisierung ihrer Figuren, die sie schon durch ihren Duktus gleichsam malträtiert: mit schrägen Farben und brutalen Akzenten. Dabei erlebt man einerseits die Faszination durch das Unerhörte: Szenen und Menschen sind nicht selten entstellt oder verzerrt dargestellt. So etwa das »Stillleben«, in dem ein Mann in einem Kahn auf einem Klavierstuhl sitzt und ein Rind betrachtet, das auf dem Klavier förmlich geopfert ist. Oder der Kreis nackter Leiber, die sich wie in erotischer Besessenheit Kopf an Hinterteil ineinanderdrängen. Hier spürt man, dass es sich lohnt, die alte Frage zu stellen, was die Künstlerin dem Betrachter hiermit sagen will.

Emö Simonyi stellt sich ihren inneren Dämonen. Vertieft man sich in die fantasievollen Ansichten, schwant dem Betrachter allerdings, dass es sich auch um die eigenen handeln könnte. So einen inneren Diskurs bekommen nur wenige Künstler zustande - bei Emö Simonyi ist er die Regel.

Die Ausstellung läuft bis Freitag, 20. August, in der Galerie Reinard. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 18 bis 20 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 0 64 03/7 22 77. Heiner Schultz

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Artikel vom 27.07.2010 - 18.30 Uhr
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